Rosicky-Transfer BVB bereitet Ausverkauf vor

Der finanziell unter Druck geratene Bundesligist Borussia Dortmund muss sich voraussichtlich von seinem Mittelfeldregisseur Tomas Rosicky trennen. Aus England lockt der FC Chelsea mit einer lukrativen Offerte, auch der Spieler scheint interessiert. Diese Woche soll es ein Treffen zwischen den Verantwortlichen beider Clubs geben.


BVB-Spieler Rosicky (l.) und Reina: "Schwere Entscheidung"
DDP

BVB-Spieler Rosicky (l.) und Reina: "Schwere Entscheidung"

Dortmund - Der FC Chelsea hat sein Interesse an einer Verpflichtung des Dortmunder Mittelfeld-Regisseurs Tomas Rosicky noch einmal bekräftigt. Der Londoner Premier-League-Club, der sich im Besitz des russischen Öl-Milliardärs Roman Abramowitsch befindet, soll sein Angebot für einen sofortigen Wechsel auf 30 Millionen Euro erhöht haben. Dies hört man laut eines Berichts der Dortmunder "Ruhr Nachrichten" aus dem Umfeld des tschechischen Nationalspielers.

Rosicky, der in Dortmund noch bis 2008 unter Vertrag steht, sprach von "einer bevorstehenden schweren Entscheidung" und betonte: "Ob der Wechsel zustande kommt, entscheiden jetzt allein die Vereine." Aus England war zu hören, dass Chelsea noch in dieser Woche mit der BVB-Führung über einen Transfer verhandeln will. Die Ablöse würde das drohende Defizit der Borussia nach verpassten Einnahmen in den internationalen Wettbewerben weitgehend in Rahmen halten. Angeblich beträgt das Minus des BVB nach dieser Saison um die 40 Millionen Euro.

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Ausverkauf beim BVB

Ist es richtig, dass die finanziell angeschlagene Dortmunder Borussia Tomas Rosicky für viel Geld ziehen lässt?

Am Wochenende hatte Dortmunds Präsident Gerd Niebaum verlauten lassen, dass der derzeitige Kader Gehälter beziehen würde, die nur von Mannschaften gezahlt würden, die in der Champions League spielen. Auch Manager Michael Meier hatte zuletzt mehrfach den Verkauf von Stars angekündigt, falls sich der Bundesligist erneut nicht für die Champions League qualifizieren sollte. Im Augenblick belegen die Dortmunder in der Bundesliga lediglich den sechsten Rang mit zehn Punkten Rückstand auf einen Champions-League-Platz.

BVB-Coach Matthias Sammer lässt der Wirbel um seinen Spielgestalter nach außen hin kalt: "Fakt ist, dass es keine Fakten gibt. Ich sehe die Angelegenheit durchaus positiv, zeigt sie doch, dass wir so schlecht gar nicht sein können, wenn große Vereine Interesse an unseren Spielern haben sollen. Wichtig ist, dass das Ganze in den nächsten drei bis vier Tagen beendet ist, weil die Konzentration auf das Wesentliche vorhanden sein muss."

Dagegen möchte Abwehrspieler Dede gerne in Dortmund bleiben. Dem Brasilianer liegt angeblich ein Angebot des FC Bayern München vor. "Ich denke derzeit nur an die Borussia und kann mir vorstellen, noch zehn Jahre hier zu spielen. Dieser Club wird immer mein erster Ansprechpartner sein", sagte Dede in der "Westfälischen Rundschau". Der 25-Jährige, der nach überstandener Sprunggelenk-Operation zum Rückrunden-Start am 30. Januar gegen Schalke 04 wieder zur Verfügung stehen dürfte, besitzt noch einen Vertrag bis 2005.

Kritik an der Finanzpolitik


Die Finanzpolitik der Borussia bleibt trotz der möglichen Bewegungen auf dem Transfermarkt weiter in der Kritik. Nach einer Anfang Januar vorgelegten Studie der Münchner Hypovereinsbank sollen den BVB schon vor dem Börsengang im Oktober 2000 Schulden in Höhe von 72 Millionen Euro gedrückt haben.

Vorgeworfen wird den BVB-Bossen, mit dem Emissions-Erlös von 130 Millionen Euro und der Hoffnung auf zu erwartende Gelder im Europapokal zu waghalsige Investitionen im personellen Bereich vorgenommen zu haben. Meier kann die Diskussion nicht nachvollziehen: "Das ist alles nichts Neues. Schon in den 90er Jahren haben wir im Vorgriff auf Einnahmen im internationalen Geschäft in die Mannschaft investiert." Grundsätzlich sei "die Politik des BVB kein Geheimnis, stets nachprüfbar und übrigens auch im Börsenprospekt nachzulesen".



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