Manchester-United-Legende Giggs: Das Leben des Ryan

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Ryan Giggs: "Giggsy", der walisische Zauberer Fotos
Getty Images

Technik, Tempo, Tore: Auf der linken Seite von Manchester United macht Ryan Giggs seinen Gegnern das Leben schwer - seit 25 Jahren. Am Wochenende läuft der Waliser in seiner 1000. Partie auf. Wer ist der Mann, dessen Künste einen italienischen Weltstar zum Weinen brachten?

Als Ryan Giggs gegen Everton zum ersten Mal im Old Trafford Stadion für die Profimannschaft von Manchester United spielte, belegte das Lied "Gonna Make You Sweat" von C&C Music Factory Platz eins in den deutschen Charts, und Twix hieß noch Raider.

Es war der 2. März 1991, ein Samstag, und der Beginn einer beispiellosen Karriere. Fast 22 Jahre ist das her, und Giggs, inzwischen 39 Jahre alt, spielt immer noch, am Samstag gegen Norwich City zum 1000. Mal in einer offiziellen Partie.

Darunter sind 64 Spiele für die walisische Nationalmannschaft sowie vier für das "Team Großbritannien", das bei Olympischen Spielen antritt. Doch alles verblasst gegenüber den bisher 931 Einsätzen für Manchester United. Neunhunderteinunddreißig. Nie lief Giggs als Profi für einen anderen Club als die "Red Devils" auf.

Dabei hat nicht viel gefehlt, und Giggs wäre beim Stadtrivalen City gelandet. Seine Eltern, Mutter Lynne Ceri Giggs, eine Krankenschwester, und Vater Danny Wilson, ein dunkelhäutiger Rugbyspieler mit Vorfahren aus Sierra Leone, waren aus Wales in die Nähe Manchesters gezogen, Wilson hatte ein gutes Angebot eines Vereins vorliegen.

Der kleine Ryan wurde in der Schule wegen seiner Hautfarbe gehänselt. Doch auf dem Rugby- und Fußballplatz ließ er alle verstummen. In beiden Sportarten schaffte er es schnell bis in die Schulauswahlteams, sein Trainer bei dem kleinen Fußball-Club Deans FC, Dennis Schofield, erkannte das Talent und organisierte dem schmächtigen Jungen ein Probetraining bei Manchester City - und trug dabei das rote Trikot von Stadtrivale United. Im Alter von 13 Jahren machte Giggs dann tatsächlich ein Spiel für die "Citizens". Doch dabei sollte es bleiben.

Ferguson machte einen Hausbesuch

Als er 1987 an seinem 14. Geburtstag von der Schule nach Hause kam, parkte ein goldener Mercedes vor der Tür. Im Wohnzimmer saß Alex Ferguson und schlürfte Tee. Ein befreundeter Zeitungshändler hatte dem Trainer von Manchester United von dem Wunderjungen erzählt, der allen Gegnern mühelos davonlief. Ferguson, damals erst in seinem zweiten Jahr bei dem Verein, wollte sich selbst überzeugen und sah sich ein Testspiel zwischen Giggs' Schulteam und einer ManUnited-Nachwuchsmannschaft an. Giggs schoss drei Tore.

Ferguson wurde mehr als ein Trainer für Giggs, der die Beziehung zu seinem Coach selbst als vaterähnlich beschrieb. Giggs leiblicher Vater hatte sich wenig um seinen Ältesten und dessen Bruder Rhodri gekümmert, behandelte die Mutter schlecht und konnte bei Frauen und Alkohol schlecht nein sagen.

In seinem geliebten Club blühte Giggs auf, an seinem 17. Geburtstag unterschrieb seinen ersten Profivertrag. Kurz darauf spielte er an der Seite von Männern wie Bryan Robson und Paul Ince. Beide haben längst zweite und dritte Karrieren hinter sich, der Sohn von Giggs' gutem Freund Paul Ince, Thomas Ince, ist bereits selbst Fußballprofi. Giggs Karriere hingegen ist noch immer die gleiche, es ist die eines der besten Flügelspieler der Geschichte. Derzeit spielt er seine 23. Saison und erzielte in jeder mindestens ein Tor.

Seine berühmten dunklen Locken sind schon länger einem Kurzhaarschnitt gewichen, die Schläfen und Bartstoppeln sind eisgrau. Doch ansonsten hat sich Ryan Giggs wenig verändert, sein Gewicht von 70 Kilogramm bei 1,80 Metern hält er mühelos. "Wir hatten Angst, der Wind könne ihn umwehen", hat Robson einmal seine ersten Eindrücke des Nachwuchsspielers beschrieben. Rugby hat Giggs zäh gemacht, Zweikämpfen ging er nie aus dem Weg.

Dem Verein war er stets treu - der Ehefrau nicht immer

Seine größte Stärke aber war immer das Tempodribbling. Er könne mit seinen Sprints und Dribblings den Gegenspielern "das Blut verknoten", sagte Ferguson über Giggs. Gegenspieler beschrieben ihn als so leichtfüßig, "dass man ihn nicht kommen hört". Die Fans von Manchester United lieben ihren "Giggsy", 2011 wählten sie den "Welsh Wizard" (Walisischen Zauberer) zum besten Spieler der Clubgeschichte - vor Eric Cantona, Cristiano Ronaldo, Bobby Charlton, Roy Keane oder George Best.

Der berüchtigte Nordire schwärmte über Giggs: "Eines Tages werden sie vielleicht sogar sagen, ich war so eine Art Ryan Giggs", so Best. Mehr Ritterschlag geht nicht. Von Alessandro Del Piero, selbst ein Langzeit-Vereinstreuer bei Juventus Turin, ist das Bekenntnis überliefert: "Es ist etwas peinlich, aber ich muss zugeben, dass ich zweimal in meinem Leben weinen musste, als ich einem Fußballer zugeguckt habe. Der eine war Diego Maradona, der andere Ryan Giggs."

Giggs ist der britische Titelrekordsammler, steht mit dem Club kurz vor seiner 13. Meisterschaft. Dazu kommen zwei Champions-League-Triumphe und vier FA-Cup-Siege. 2008 brach er Bobby Charltons Rekord von 758 United-Partien, 2009 wurde er zu Englands Fußballer des Jahres und Sportler des Jahres in Großbritannien. Seinen einzigen Makel - dass er als Waliser nie ein großes Turnier gespielt hat - legte Giggs ab, als er bei Olympia in London 2012 die britische Auswahl als Kapitän aufs Feld führte. Negativschlagzeilen gab es einzig abseits des Platzes. Ganz so treu wie seinem Verein war er seiner Frau Stacey Cooke nicht immer: 2011 kam heraus, dass Giggs während seiner Ehe Affären mit einem "Big Brother"-TV-Sternchen und seiner Schwägerin unterhielt.

Doch Frau und Fans haben ihrem Liebling verziehen, für Giggs dreht sich wieder alles um den Sport. Aber wie lange noch? Und was kommt danach? Ferguson könnte sich seinen Treuesten sehr gut als seinen Nachfolger vorstellen, zunächst aber verlängerte er dessen Vertrag um ein weiteres Jahr. Giggs selbst sagte einmal, er werde dann Schluss machen, "wenn ich ein Spiel nicht mehr beeinflussen, keine Tore schießen oder vorbereiten kann".

In seiner 999. Partie am vergangenen Samstag feierte Giggs einen weiteren Sieg mit Manchester United gegen die Queens Park Rangers. Den 2:0-Endstand erzielte: Ryan Giggs.

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1. Ein ganz Großer
widower+2 01.03.2013
Aber wegen seiner Hautfarbe gehänselt? Ich sehe Giggs nun seit mehr als 20 Jahren Fußball spielen, bin aber nie auf den Gedanken gekommen, er könne einen afrikanischen Vater haben.
2. ein GAAAANZ Großer!
lollopa1 01.03.2013
Viel mehr gibt es über ihn nicht zu schreiben, eine beispiellose Karriere, ich wünsche ihm das sie noch etwas weitergeht!
3. .
frubi 01.03.2013
Zitat von lollopa1Viel mehr gibt es über ihn nicht zu schreiben, eine beispiellose Karriere, ich wünsche ihm das sie noch etwas weitergeht!
Vor allem kein Spieler mit Starallüren. Einfach ein großer Sportler. Zudem setzt Ferguson ihn ja nicht ein, weil er eine Legende ist sondern weil er immer noch Leistung auf dem Platz bringt. Schade, dass viele Jungprofis sich an den Ronaldos und Balotelli´s (auch diese Typen muss es geben) orientieren.
4. Sargnagel ......
KuGen 01.03.2013
.....der Bayern im Finale 1999 (Champions League)
5.
stefansaa 01.03.2013
Zitat von sysop<div class="spClearfix"><span class="sysopImage"><img src="http://cdn4.spiegel.de/images/image-466513-thumb-vzad.jpg" /><span class="spCredit">Getty Images</span></span><span id="sysopText">Technik, Tempo, Tore: Auf der linken Seite von Manchester United macht Ryan Giggs seinen Gegnern das Leben schwer - seit 25 Jahren. Am Wochenende läuft der Waliser in seiner 1000. Partie auf. Wer ist der Mann, dessen Künste einen italienischen Weltstar zum Weinen brachten? http://www.spiegel.de/sport/fussball/ryan-giggs-waliser-feiert-1000-einsatz-fuer-manchester-united-a-885617.html</span></div>
Großartiger Fußballer. United hat mit Ferguson aber definitiv einen Trainer der es geschafft hat, solche Leute lange zu binden. Auch Paul Scholes war united immer treu und viele andere Spieler.
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Giggs Erfolge mit Manchester United
Erfolg Saison
Weltpokal 1999
Club-Weltmeisterschaft 2008
Champions League 1999, 2008
UEFA Super Cup 1991
Premier League 1993, 1994, 1996, 1997, 1999, 2000, 2001, 2003, 2007, 2008, 2009, 2011
FA Cup 1994, 1996, 1999, 2004
League Cup 1992, 2006, 2009, 2010
Charity Shield 1993, 1994, 1996, 1997, 2003, 2007, 2008, 2010
FA Youth Cup 1992

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