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Sahin-Transfer zu Real Madrid: Abschied eines Alleskönners

Von Jan Reschke

Nuri Sahin verlässt den Deutschen Meister Borussia Dortmund und wechselt zu Real Madrid. Das BVB-Urgestein ist sportlich kaum zu ersetzen. Dabei galt seine Karriere einst schon als gescheitert.

Mittelfeldstar Sahin: Auf Wiedersehen BVB, hallo Real Madrid Fotos
Getty Images

Das Fußball-Magazin "11Freunde" ist in seiner gedruckten Form nicht gerade für brandaktuelle Nachrichten bekannt. Doch im November 2008 war das Heft seiner Zeit weit voraus. Die Titelstory war dem Dortmunder Nuri Sahin gewidmet. Ein Spieler, dessen Karriere damals auf der Kippe stand - und der zweieinhalb Jahre später auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Laufbahn angelangt ist. Er ist mit dem BVB Deutscher Meister und wird von den Bundesliga-Profis wohl zum besten Spieler der aktuellen Saison gewählt.

In den kommenden Jahren spielt er für Real Madrid.

Dort, wo auch schon die deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Sami Khedira kicken. Für den Verein, den viele Fußballer ihr Traumziel nennen.

Noch vor rund vier Jahren war Sahins Karriere arg ins Stocken geraten. Sein Traum von großen Teams schien ausgeträumt. Stattdessen spielte Sahin beim BVB. Einem Club, der zu diesem Zeitpunkt in der Bedeutungslosigkeit verschwunden war. In einer leblosen Mannschaft. Unter einem Trainer Thomas Doll, der Sahins Potential verkannte. Unter seinen Möglichkeiten. "Manchmal frage ich mich, ob ich heute auch dort wäre, wo ein Cesc Fabregas bei Arsenal, ein Anderson bei Manchester United ist?", sinnierte Sahin damals.

Er sollte im Revier reifen

Dabei war er seinem Traum schon so nahe gewesen. Arsenal hatte 2,8 Millionen Euro für den damals 16-Jährigen geboten. Dessen Trainer Arsène Wenger sagte über ihn, er sei "das weltweit größte Talent unter 18 Jahren". Borussia Dortmund lehnte ab. Sahin galt als Wunderkind des Fußballs. Er galt als Versprechen auf eine verheißungsvolle Zukunft der Borussia. Er sollte im Revier reifen.

Bei seinem ersten Einsatz für die Borussia hatte er noch nicht einmal ein Punktspiel für die A-Jugend absolviert. Aus der B-Jugend führte sein Weg direkt zu den Profis. Im UI-Cup gegen Sigma Olmütz im Juli 2005 wurde er zum ersten Mal eingewechselt. Es folgte sein erstes Bundesliga-Spiel im August gegen den VfL Wolfsburg, mit 16 Jahren und 335 Tagen ist er bis heute der jüngste Debütant. Sein erstes Länderspiel für die Türkei nur zwei Monate später vollendete er mit einem Tor gegen Deutschland. Insgesamt machte er in seiner ersten Saison 23 Ligaspiele. Eine Spielzeit wie im Rausch.

Doch auf seinen großen Förderer Bert van Marwijk folgten die Trainer Jürgen Röber und Thomas Doll. Und gleich der Entwicklung des gesamten Clubs lief es auch bei Sahin immer schlechter. Bis Doll ihm gar erklärte, dass er nicht mehr mit ihm plane. Sahin wurde an Feyenoord Rotterdam ausgeliehen.

"Dem BVB etwas zurückgeben"

Doch auch wenn Doll ihm nicht mehr vertraute, die Verantwortlichen beim BVB taten es. Man kann Manager Michael Zorc vorwerfen, dass die von Real Madrid nun dank einer Klausel in Sahins Vertrag bezahlten 10 Millionen Euro Ablöse viel zu wenig sind für einen Spieler dieser Klasse. Zugutehalten muss man Zorc, dass er Rotterdam damals keine Kaufoption gewährte. Denn Sahin überzeugte dort, wurde zum Stammspieler und weckte Begehrlichkeiten bei vielen Clubs.

Doch er kehrte 2008 nach Dortmund zurück. Auch, "weil er dem BVB etwas zurückgeben" wollte. Dem Club, für den er mit einjähriger Unterbrechung nunmehr seit zehn Jahren gespielt hat. Für den er bereits 135 Ligapartien absolviert hat.

Zurück in Dortmund traf er auf Jürgen Klopp, einen Trainer mit der besonderen Begabung, junge Spieler zu fördern und zu formen. Bei Sahin funktionierte das bis zur Vollendung. Sahin schlägt die Standards. Er macht das Spiel schnell, wenn möglich. Und langsam, wenn nötig. Er führt auf dem Feld und gilt als Ansprechpartner für seine Mitspieler auch abseits des Platzes.

Er selbst lässt sich von Reza Fazeli beraten. Der Mann, der auch schon Mesut Özil zu Madrid vermittelt hat. Beim Weltclub wird es für Sahin nicht einfach, die Konkurrenz ist mit Xabi Alonso, Lassana Diarra und Khedira groß.

Aber auch sein Nachfolger bei Borussia Dortmund wird es schwer haben. Anwärter ist der 20 Jahre alte Nürnberger Ilkay Gündogan. Wie Sahin hat er türkische Wurzeln, gilt als extrem talentiert und ist mit seinen Fähigkeiten prädestiniert, den offensiven Part im defensiven Mittelfeld neben Sven Bender einzunehmen. Doch anders als zu Beginn von Sahins großer Zeit bei der Borussia steht der Club nun ganz oben. In der kommenden Saison werden europäische Top-Teams in der Champions League gegen Dortmund spielen. Die Erwartungshaltung wird eine andere sein.

Doch selbst, wenn es für Gündogan nicht auf Anhieb klappen sollte, muss er sich dadurch nicht entmutigen lassen. Bevor Sahin den BVB Richtung Niederlande verließ, prophezeite er: "Irgendwann werde ich diese Mannschaft führen können."

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insgesamt 46 Beiträge
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1. -
Boesor 09.05.2011
Es fällt schwer SPON in Sachen Fußball ernstzunehmen solange hier beständig behauptet wird Sahin und Khedira würden auf derselben Position spielen. Das wird auch durch ständige Wiederholungen nicht richtiger.
2. fast
jaein 09.05.2011
Zitat von sysopNuri Sahin verlässt den Deutschen Meister Borussia Dortmund und wechselt zu Real Madrid. Das BVB-Urgestein ist sportlich*kaum zu ersetzen. Dabei*galt seine Karriere einst schon als gescheitert. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,761275,00.html
na ja, alleskönner...außer elfmeter!
3. Schade
tomkey 09.05.2011
Warum Madrid? Ein aufgeblasener und überschätzter Verein, der sich mit Stars spicken kann, weil ein steinreicher Bauunternehmer den Verein für sein Ego benutzt. Erfolge springen dabei eher zufällig raus. In Dortmund wäre er besser aufgehoben. Da kann er aus dem Deutschen Meister 2011 noch eine erfolgreiche Championsleague Mannschaft machen. Das wäre doch eine Herausforderung, nicht die bei Real. Warum macht er mit Klopp und dem BVB nicht den zweiten Schritt und erobert Europa?? Das wird natürlich auch nicht sofort passieren, aber um so schöner ist es doch dann wenn es klappt!! Er wechselt ja nicht wegen dem Geld, also hätte er auch seinen Weg noch 1 - 2 Jahre beim BVB weiter gehen können.
4. Reisende!
Mülheimer, 09.05.2011
Zitat von sysopNuri Sahin verlässt den Deutschen Meister Borussia Dortmund und wechselt zu Real Madrid. Das BVB-Urgestein ist sportlich*kaum zu ersetzen. Dabei*galt seine Karriere einst schon als gescheitert. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,761275,00.html
Reisende soll man nicht aufhalten. Dafür werden im nächsten Jahr vielleicht mal wieder Elfmeter verwandelt. Er wird in Madrid schon merken wie schön es ist auf der Bank zu sitzen!
5. So wie ich den Artikel lese...
SakthiNYC 09.05.2011
Zitat von BoesorEs fällt schwer SPON in Sachen Fußball ernstzunehmen solange hier beständig behauptet wird Sahin und Khedira würden auf derselben Position spielen. Das wird auch durch ständige Wiederholungen nicht richtiger.
... werden da Alonzo, Diarra und Khedira als Konkurrenten für's defensive Mittelfeld genannt, nicht Özil. Ich denke er wäre gut beraten gewesen noch 1 Jahr beim BVB zu bleiben. Aber man weiss auch nie was kommt - und wenn einem Real Madrid einen 6 Jahresvertrag beitet sollte man wohl zugreifen.
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