Salzburgs Aus in der Champions-League-Qualifikation "Wir haben Fehler wie Kinder gemacht"

Die elfte Pleite im elften Anlauf: Salzburg schafft es einfach nicht in die Champions League. Auf holprigen Fußballplätzen vor mieser Kulisse kann sich das Team motivieren, unter Zugzwang hat sie Mentalitätsprobleme.

Niedergeschlagene Salzburg-Spieler
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Niedergeschlagene Salzburg-Spieler

Aus Salzburg berichtet Benjamin Schacherl


Salzburgs Sportdirektor war bedient: "Natürlich sind wir jetzt wieder die Blöden, wie in den letzten Jahren", sagte Christoph Freund nach dem Schlusspfiff am Mittwoch in Salzburg gegen Roter Stern Belgrad. Vor jeder Interviewfrage verzog der Deutsche das Gesicht, hob die Schultern an, um sie wieder fallen zu lassen.

Die Frage nach dem "Warum?" konnte in Salzburg niemand mehr hören. Die Frage, wie es passieren konnte, dass der österreichische Serienmeister die Qualifikation zur Champions League schon wieder verpasst hatte - zum elften Mal in den vergangenen 13 Jahren.

Es sah doch so gut aus: Nach dem 0:0 im Hinspiel lag Salzburg zu Hause nach zwei Toren von Munas Dabbur eigentlich gut auf Kurs. Der Sky-Kommentator ließ sich sogar zu einem "Champions League, wir kommen!" hinreißen. Der herbeigesehnte Eintritt in die europäische Eliteliga schien endlich zu gelingen.

Salzburg ist unfähig, mit brenzligen Situationen umzugehen

Doch innerhalb von nur 77 Sekunden passierte etwas, das Spieler und Betreuer nach dem Abpfiff nur mit den Worten "unfassbar" und "unglaublich" kommentieren konnten. Erst traf Ben Nabouhane in der 65. Minute zum Anschluss, dann gelang dem Angreifer von Roter Stern in der 66. Minute das 2:2 - der Endstand. Und das Aus für die Salzburger Träume.

Das Spiel gegen Belgrad war symptomatisch für viele der vergangenen Pleiten. Ob bei den ersten Versuchen gegen Valencia 2006 und Schachtjor Donetsk 2007, bei den Niederlagen gegen Malmö (2014 und 2015) oder dem jüngsten Ausscheiden gegen den serbischen Meister: Salzburg ist unfähig, mit brenzligen Situationen umzugehen, schlicht zu naiv.

Manchmal muss ein Ball eben unter Druck auf die Tribüne geschossen werden, hitzige Wortgefechten dürfen die Spieler nicht aus der Ruhe bringen. Als Red Bull 2015 gegen Malmö ausschied, sprach Verteidiger Martin Hinteregger angesichts der haarsträubenden Abwehrfehler von "Kinderfußball". Am Donnerstag sagte Doppeltorschütze Dabbur: "Wir haben Fehler wie Kinder gemacht."

Die Mannschaft ist mit der Hektik nicht klargekommen

Es ist das Red Bull-Konzept, junge Spieler zu entwickeln. Talente wie der 19-jährige Patson Daka, der zwei Großchancen gegen die Serben vergab, oder der ebenfalls 19-jährige Hannes Wolf. Gegen Roter Stern war ihre fehlende Erfahrung offensichtlich, doch das Ausscheiden an ihnen festzumachen, wäre falsch. Die gesamte Mannschaft, mit einem Altersdurchschnitt von 24 Jahren, ist mit der Hektik nicht zurechtgekommen.

Nach der Schmach von 2012, als man gegen den luxemburgischen Klub aus Düdelingen ausgeschieden war, hatte man in Salzburg die Herangehensweise grundlegend verändert. Nach Jahren der Ungeduld und ständiger Umbrüche, in denen ausrangierte Altstars und große Trainernamen verpflichtet wurden, hatten die Verantwortlichen ihre Lehren gezogen.

Das aktuelle Team, im letzten Jahr noch Europa-League-Halbfinalist, ist wohl die beste Salzburg-Auswahl, die es jemals gab. Im Sommer wurde dem großen Ziel, die Champions League zu erreichen, alles untergeordnet. Im Gegensatz zu vergangenen Spielzeiten verließen nur zwei Stammspieler den Verein. Der deutsche Trainer Marco Rose und sein Vorgänger Oscar Garcia formten eine dynamische, aggressive und spielstarke Mannschaft, die in der österreichischen Liga ihre Gegner regelmäßig demoliert.

"Es ist wie Dinner für One"

In den österreichischen Medien wird das Team als "Mentalitätsmonster" beschrieben. Tatsächlich hat die Mannschaft keine Schwierigkeiten, sich auf holprigen Fußballplätzen vor mieser Kulisse zu motivieren. Sie hat aber fundamentale Mentalitätsprobleme, wenn sie unter Zugzwang steht, wie gegen Roter Stern Belgrad zu sehen war.

Dass der mit hunderten Millionen Euro gesponserte Verein nun schon zum elften Mal gescheitert ist, sorgt bei vielen Fans anderer Vereine für Schadenfreude. In den sozialen Medien wurden zahlreiche Memes und Fotos verschickt. "Es ist wie bei Dinner for One: Man weiß, was passiert, muss aber jedes Mal wieder lachen", war unter anderem zu lesen.

Für Salzburg, zuletzt fünf Mal hintereinander Meister, gibt es nächstes Jahr einen möglichen Ausweg aus dem Teufelskreis der Champions League-Qualifikation. Der Meistertitel berechtigt für die Saison 2019/2020 erstmals zu einem Fixplatz in der CL-Gruppenphase. Und das vor allem deswegen, weil Salzburg in den vergangenen Jahren so viele Punkte in der Europa League gesammelt hat.

In Österreich macht bereits der nächste Schmäh die Runde: Der "Champions-League-Fluch" von Salzburg überträgt sich auf die Liga. Und der Klub schafft es nur auf den zweiten Platz.

Die Salzburger Chronologie des Scheiterns:

2006: Valencia
2007: Schachtjor Donetsk
2008: nicht qualifiziert
2009: Maccabi
2010: Hapoel
2011: nicht qualifiziert
2012: Düdelingen
2013: Fenerbahce
2014: Malmö
2015: Malmö
2016: Dinamo Zagreb
2017: Rijeka
2018: Roter Stern



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Ngomo Schmidt 31.08.2018
1. Tja
nix verleihe Fluegel. Schade fuer Salzburg. Pech scheint was anderes.
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