Khedira warnt vor EM "In unserer aktuellen Verfassung keine Chance"

Deutschland ein EM-Favorit? Nicht in der jetzigen Form, glaubt Sami Khedira. Der Juventus-Profi zeigt sich in einem Interview skeptisch. Großes Lob bekommt dafür Bayerns neuer Trainer Carlo Ancelotti.

Nationalspieler Khedira: "In unserer aktuellen Verfassung keine Chance"
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Nationalspieler Khedira: "In unserer aktuellen Verfassung keine Chance"


Anstatt grenzenlosen Optimismus zu verbreiten, hat Sami Khedira zu Beginn des EM-Jahres 2016 die Rolle des Mahners eingenommen. In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" sieht der Nationalspieler die deutsche Mannschaft derzeit nicht in der Lage, den Titel zu gewinnen: "Wenn wir ehrlich sind, hätten wir in unserer aktuellen Verfassung keine Chance", so Khedira.

Nach Meinung des 28 Jahre alten Spielers von Juventus waren die Leistungen der DFB-Auswahl "in den vergangenen Monaten nicht gut genug". Khedira ist allerdings "total überzeugt", dass die Weltmeister sich steigern können. In diesem Fall sei man "nur schwer zu schlagen. Dann sind wir im Rennen um den Titel definitiv dabei".

Voraussetzung dafür sei es, dass die Spieler ihre Eigeninteressen zurückstellen. Zwar sei er "weit davon entfernt zu sagen, dass ein guter Teamgeist entscheidend ist", so Khedira weiter. Dennoch sei es ein wesentlicher Faktor für den WM-Titel gewesen, dass Mario Götze seine Reservistenrolle im Finale akzeptiert hätte: "Er hat sich nicht hängen lassen, sondern sich in den Dienst der Mannschaft gestellt und an diesem Abend auf seine Chance gewartet." Götzes "Charakterzüge" seien "wichtig für den Erfolg".

Achtelfinalgegner der Bayern

In Turin, wohin er im Sommer nach fünf Jahren bei Real Madrid gewechselt war, fühlt Khedira sich derweil sehr wohl. Er wohne mitten in der Stadt und lerne "eine andere Kultur und Mentalität" kennen. Mit Juventus spielt der gebürtige Stuttgarter im Februar und März in der Champions League gegen Bayern München, eine Aufgabe, die er erwartungsgemäß als schwer einstuft, bei der er seiner Mannschaft aber alle Chancen einräumt: "Die Bayern werden wissen, dass es nicht einfach wird gegen uns."

Auf den künftigen Bayern-Trainer Carlo Ancelotti angesprochen, unter dem er zwei Jahre in Madrid spielte, sagte Khedira: "Die Bayern bekommen mit ihm einen sehr guten Trainer." 2014 hatte Khedira mit Ancelotti den Champions-League-Titel gewonnen. "Er ist ein ausgezeichneter Fachmann, taktisch unheimlich bewandert. Was mich an ihm am meisten fasziniert, ist seine menschliche Art. Ich finde es bemerkenswert, wie gut er mit Menschen umgeht."

Ancelotti sei einerseits eine Respektsperson, dennoch ganz nah bei den Spielern: "Er weiß, wie er den richtigen Ton trifft. In jeglicher Hinsicht. Wenn ihm etwas missfällt, sagt er dir das genauso klar, wie er das tut, wenn er dich lobt. Es war wunderbar, unter Ancelotti gearbeitet zu haben."

Khedira startet mit Juventus am Dreikönigstag in die Rückrunde der Serie A. Die Turiner, die in der Serie A nur drei Punkte Rückstand auf Tabellenführer Inter haben, empfangen Schlusslicht Hellas Verona.

rae/sid

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Nonvaio01 03.01.2016
1. recht hat er
ist aber wohl bei jedem team so das sich qualifiziert hat. Man weiss eh noch nicht wie das Team aussehen wird zum start der EM. In 6 Monaten kann viel passieren.
Klaus.Freitag 03.01.2016
2. Khedira
bringt seit Jahren verletzungsbedingt in der Nationalmannschaft und seinen Clubs selbst keine Leistung. Insofern ist es sehr gewagt, den Mahner spielen. Dass er bei der letzten WM dabei war,Gatte vor allem psychologische Gründe und war seiner vermeintlich starken Persönlichkeit geschuldet.
cherea 03.01.2016
3. Khedira gibt ein Interview
und mahnt. Sehr nett, dabei ist er als Spieler doch mittlerweile irrelevant. Er hat bei der WM keine tragende Rolle gespielt. Bei der Quali war er nicht mit dabei, die lief zwar schlecht, aber auch mit seinem Zutun wäre diese nicht besser verlaufen. Er weiß dass die Jugend (Bender Zwillinge um nur zwei zu nennen) es ihm auf seiner Postion nicht leicht machen wird. Brauchen wir Ihn, um in der Öffentlichkeit zu Mahnen? ÄÄÄ, sicherlich nicht, so etwas sollte intern passieren, da gibt es einige Köpfe die eine starke Meinung vertreten und das auch intern artikulieren werden, mal sehen was er sich von Schweinsteiger und Müller anhören muss. Khedira Drang in die Öffentlichkeit ist etwas lächerlich, nachdem seine Modellfreundin weg ist (der er den Weltmeisterschaftspokal gleich in die Hand gedrückt hat, hat keinen guten Eindruck hinterlassen) geht im die Aufmerksamkeit ab, die mal als verletzter Spieler selten bekommt.
ralfbraun 03.01.2016
4. Khedira sollte bei sich anfangen
Khedira sollte bei sich anfangen, wenn er meint Spieler müssten ihre Eigeninteressen zurückstellen. Er sollte von der N11 zurücktreten, denn gebraucht wird er nicht mehr. Seine Teilnahme an der WM 2014 war schon damals letztlich eine Gefahr für die Leistung der Mannschaft. Kein einziges Spiel in dem er einen Beitrag geleistet hat. Im Gegenteil: wenn er gespielt hat, dann war er ein Gefahrenpunkt in der Mannschaft.
33dd 03.01.2016
5. Tja,
Toni Kross ist gerade nicht wirklich schlecht, Özil spielt die beste Hinrunde seiner Karriere, die BVB - Spieler sind gut drauf, die Bayern sowieso. Sogar der Gomez trifft wieder. Die Quali haben wir als Gruppenerster abgeschlossen und eine "Turniermannschaft" waren wir auch schon immer. Ich sehe da eigentlich nur Herrn Khedira, der in seiner aktuellen Verfassung nicht bei einer EM dabei sein sollte, mit Abstrichen noch Schweinsteiger, der sich noch steigern muss und kann. Alles gut.
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