Manipulationsskandal Sapina-Anwalt erhebt Vorwürfe gegen Landgericht

Der Fall Ante Sapina bekommt eine Fortsetzung: Der Bundesgerichtshof hat eine Entscheidung in der Revision des Prozesses gegen den Wettpaten vertagt. Zuvor hatte Sapinas Anwalt kritisiert, das damalige Verfahren haben sich "in einer grauenhaften Grauzone" bewegt.

Wettbetrüger Ante Sapina: Entscheidung vor dem BGH vertagt
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Wettbetrüger Ante Sapina: Entscheidung vor dem BGH vertagt


Hamburg - Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat die Entscheidung in der Revision des Prozesses gegen den Wettpaten Ante Sapina sowie dessen Komplizen Marijo C. um knapp einen Monat vertagt. Das Urteil des Landgerichts Bochum vom 19. Mai 2011, welches für die Angeklagten eine Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren vorsieht, ist damit weiterhin noch nicht rechtskräftig. Die Fortsetzung der Hauptverhandlung setzte der vierte Senat des BGHauf den 20. Dezember an.

Sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft waren nach dem Bochumer Urteil in Revision gegangen. Nach Antrag von Sapinas Anwälten müsse das Verfahren angesichts mehrerer Fehler in einem anderen Landgericht neu aufgerollt werden. Die damalige Verhandlung bewegte sich "in einer grauenhaften Grauzone", sagte Sapinas Anwalt Ralf Neuhaus. Sapina sei mit unlauteren Drohungen dazu gedrängt worden, Beweisanträge zurückzunehmen. Neuhaus beantragte, das Urteil gegen Sapina wegen Rechtsfehlern aufzuheben.

51 Spiele sollen manipuliert worden sein

Die Bundesanwaltschaft trat dem Antrag entgegen. Oberstaatsanwalt Peter Ernst beantragte, dass der Revision der Staatsanwaltschaft zumindest zum Teil stattgegeben werden müsse - was sich jedoch nur in der Verschärfung des Schuldspruches, nicht aber in dem Ausmaß der Haftstrafe widerspiegeln solle. Die Oberstaatsanwaltschaft hatte unter anderem eine teilweise zu schwache Bewertung der Betrugsfälle bemängelt.

Sapina und C. hatten im wichtigsten Prozess zum größten Manipulationsskandal der europäischen Fußball-Geschichte gestanden, Spieler, Schiedsrichter und Funktionäre bestochen zu haben. 51 Spiele, darunter auch Begegnungen in der Champions League und der WM-Qualifikation, sollen manipuliert worden sein. Die hinsichtlich der einzelnen Spielpaarungen erzielten Wettgewinne sollen regelmäßig im hohen fünfstelligen Bereich gelegen haben. Bei Buchmachern sollen Schäden in Höhe von mehr als vier Millionen Euro entstanden sein.

Der BGH prüft zugleich die Urteile gegen zwei Komplizen Sapinas, darunter der ehemalige Bamberger Basketballprofi Ivan Pavic. Er war in Bochum zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden.

leh/sid/dpa/dapd



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