Zweite Liga Freiburg gewinnt Schneeballschlacht gegen Leipzig

Mit Schubkarren musste der Schnee vom Rasen geräumt werden: Unter widrigen Umständen hat RB Leipzig beim SC Freiburg verloren. Alles Wichtige zum Top-Spiel der 2. Bundesliga.

Torhüter Schwolow: Retter in letzter Sekunde
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Torhüter Schwolow: Retter in letzter Sekunde

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Ausgangslage des Spiels: Die Bundesliga hatte ihr Spitzenspiel am vergangenen Samstag, zwei Tage später zieht das Unterhaus nach. Erster Verfolger gegen Tabellenführer, bester Angriff gegen stabilste Abwehr, zweitstärkste Heimelf gegen beste Auswärtsmannschaft - all das bietet das Duell zwischen dem SC Freiburg und RB Leipzig. Vieles spricht dafür, dass die beiden Klubs in der kommenden Saison gegen Bayern und Dortmund statt Bielefeld und Düsseldorf spielen werden.

Das Ergebnis: Freiburg siegte 2:1 (1:0) und verkürzte den Rückstand in der Tabelle auf drei Punkte. Noch wichtiger ist aber das Polster nach hinten. Nürnberg hat auf dem Relegationsplatz ebenfalls drei Zähler Rückstand, St. Pauli auf Rang vier liegt nun bereits acht Punkte hinter Freiburg.

Erste Halbzeit: Freiburg gilt als eine der wärmsten und sonnigsten Städte Deutschlands. Das schützt aber nicht vor Schneegestöber im März. Dem Top-Spiel der zweiten Liga fehlte der würdige Rahmen: Auf dem seifigen Untergrund konnten die technisch versierten Mannschaften nicht ihr gewohntes Spiel aufziehen. Etwas besser kamen damit die Gastgeber klar. Trainer Christian Streich verordnete seiner Mannschaft lange Bälle, aus einem dieser Befreiungsschläge resultierte der Führungstreffer. Leipzigs Marvin Compper verschätzte sich, deshalb konnte Mike Frantz in den Lauf von Vincenzo Grifo passen und der Mittelfeldspieler erzielte mit seinem elften Saisontor die Führung (10. Minute).

Abräumer des Spiels: In der umkämpften Partie gab es zunächst nur noch wenige sportliche Höhepunkte, deshalb sorgte Schiedsrichter Manuel Gräfe für etwas Unterhaltung. Er unterbrach in der 33. Minute die Partie, um die Linien säubern zu lassen. So stürmten zahlreiche Helfer und Helferinnen mit handelsüblichen Schneeschiebern den weißen Rasen und übernahmen kurz die Hauptrollen.

Freiburger Ordner: Durchblick im dichten Schneetreiben
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Freiburger Ordner: Durchblick im dichten Schneetreiben

Zweite Halbzeit: Leipzigs Trainer Ralf Rangnick stellte nach der Pause etwas um. Für den schwachen Rani Khedira spielte nun der offensivere Nils Quaschner. Das zahlte sich insofern aus, als Dominik Kaiser gleich die erste Großchance der Leipziger zum Ausgleich nutzte. Von der Strafraumgrenze schob der Kapitän nach einem Rückpass von Yussuf Poulsen ein (56.). Nun drückten die Gäste auf den Führungstreffer - und liefen in einen Konter. Der erst in der Winterpause verpflichtete Florian Niederlechner schob nach einem Fehler von Willi Orban präzise wie eine Schneefräse zum Siegtreffer ein (68.).

Joker des Spiels: Nach Orbans missratener Kopfballabwehr legte der wenige Sekunden zuvor eingewechselte Nils Petersen mit seiner ersten Ballberührung für Niederlechner auf. Der beste Torschütze der zweiten Liga saß erneut nur auf der Bank, nimmt laut Trainer Streich seine neue Rolle aber wie ein Teamplayer an. Das würde sich Rangnick sicherlich auch von Davie Selke wünschen. Der vor der Saison für acht Millionen Euro von Werder Bremen verpflichtete Stürmer befindet sich nach sieben Toren in der Hinrunde in der Formkrise, kam deshalb erst in der 73. Minute für Emil Forsberg.

Parade des Spiels: Vor allem im zweiten Durchgang hatte Torhüter Alexander Schwolow bei insgesamt acht Leipziger Schüssen auf das Freiburg Tor einiges zu tun bekommen, sein Meisterstück zeigte er aber in der Nachspielzeit. Marcel Sabitzer stand nach einem langen Ball völlig frei vor Schwolow, doch der Juniorennationalspieler sprang schneekatzenartig Richtung Pfosten und rettete Freiburg den Sieg.

Erkenntnis des Spiels: Das Schneeballsystem wird nicht aufzuhalten sein. Leipzig wird trotz der Niederlage sicher aufsteigen, und auch Freiburg hat mit dem vierten Sieg in Serie einen wichtigen Schritt getan. Und beim nächsten Duell in der Bundesliga wird vermutlich auch wieder der Rasen zu sehen sein.



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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
pirx64 07.03.2016
1.
Leider wird RotzBrause aufsteigen, trotzdem schön anzusehen, wie das Leipziger Rumpelstielzchen herumtobte. Danke, SCF und Pauli
f-rust 08.03.2016
2. mich hat gewundert,
dass das Spiel überhaupt angepfiffen bzw. nach Halbzeitpause fortgesetzt wurde.
lalito 08.03.2016
3. Bingo
Da hat Trainer Streich gute Arbeit geleistet, war man in der vergangenen Saison meist schon nach 85 Minuten mental beim Duschen, ist die Aufmerksamkeit jetzt auch in der 93. noch da, beim Torhüter auf jeden Fall . . . ;-)) War das wichtigste Spiel der Saison, gewonnen, Schneebälle hin oder her, das zählt!
johannesbueckler 08.03.2016
4. Widrige Umstände?
Als Einer der nie einen Ball auf perfekten Platz perfekt stoppen konnte, war Schnee und Match immer ein Vorteil. Nicht viel Ball-Koordination, dafür schneller und ausdauernder, wenn das runde Ding ohne Springen vor mir lag :-) :-)
leave_in_silence 08.03.2016
5.
Für die Platzvethältnisse ein erstaunlich gutes und vor allem faires Spiel. Ist man gar nicht mehr gewohnt seitdem Ingolstadt und Darmstadt Zeit schinden, Schwalben und Provokation als erstes taktisches Mittel einsetzen. Freiburg und Leipzig werden die Liga spielerisch beleben.
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