Freiburg im Höhenflug: Breisgauer Husarenstreich

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Der SC Freiburg ist eines der Teams der Rückrunde. Unter Coach Christian Streich hat sich die Mannschaft vom sicheren Abstiegskandidaten zum Favoritenschreck entwickelt. Der SC könnte sogar die Meisterschaft entscheiden.

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SC-Trainer Streich: Vom Abstieg redet niemand mehr

Es war absehbar, dass Christian Streich ein Star werden würde. Nach Typen wie dem Trainer des SC Freiburg sehnt sich die Fußball-Öffentlichkeit. Wenn einer vermeintlich anders ist als die anderen, dann schwappt die Welle der medialen Anteilnahme los. Starruhm - Streich selbst würde das weit von sich weisen. Aber genau das gehört zu seinem Image dazu.

Ein Bild, in dem zusammenwächst, was augenscheinlich zusammengehört: Auf der einen Seite der SC Freiburg, der das Klischee des Öko-Intellektuellen-Clubs nicht los wird, die ewige Projektionsfläche für Akademiker-Fußballträume. Der Wohlfühl-Verein mit dem Solardach auf dem Vereinsheim.

Dazu auf der anderen Seite der Trainer, studierter Historiker und seit Ewigkeiten dem SC verbunden, gesegnet zudem mit einem Temperament am Spielfeldrand, das seinesgleichen sucht. Und der seine exzellenten Fachkenntnisse hinter seiner badisch-alemannischen Mundart versteckt. Was für den Rest der Republik offenbar lustig klingt.

Mittlerweile das fünftbeste Team der Rückrunde

All das allerdings würde wahrscheinlich noch nicht ausreichen, um aus dem Typen Streich die Medienperson Streich zu machen, für die der Berliner "Tagesspiegel" in dieser Woche gar die gesamte Seite 3 für ein großes Porträt freiräumte - ein Vorrecht, was normalerweise eher dem Bundestrainer zusteht. Oder der Bundeskanzlerin.

Der 46-jährige Coach hat in Freiburg etwas geschafft, was niemand mehr diesem Club zugetraut hätte. Als er im Winter den langjährigen Weggefährten und Freund Marcus Sorg, der ebenso glück- wie erfolglos gewirkt hatte, ablöste, war der SC abgeschlagenes Schlusslicht der Liga. Das Team hatte 0:7 bei den Bayern verloren, 0:4 in Köln, hatte daheim 1:4 gegen Borussia Dortmund abgeschenkt. Die Mannschaft galt als ganz sicherer Abstiegskandidat.

13 Spieltage später ist Freiburg nach dem 2:1-Erfolg bei Hertha BSC auf Platz zwölf mit 35 Punkten gelandet. Der Sportclub ist das fünftbeste Team der Rückrunde, er hat in Hamburg und in Leverkusen gewonnen, in Mönchengladbach und gegen den FC Bayern Unentschieden gespielt, er hat den FC Schalke geschlagen. An den Abstieg glaubt auch jenseits des Breisgaus niemand mehr.

Lehrbeispiel für richtige Personalführung

Streich hat der Mannschaft neues Leben eingehaucht - und er ist ein schönes Beispiel dafür, was eine richtige Personalführung ausmachen kann: mit einer ausgewogenen Balance von Klugheit, Autorität und Menschlichkeit. Um es einmal zu schreiben: Dem Trainer ist ein echter Husarenstreich gelungen.

Dass das Team personell sehr anders aussieht als in der Hinrunde, kommt hinzu. Von daher ist der Freiburger Aufschwung auch das Produkt des cleveren Managers Dirk Dufner, der gemeinsam mit Streich im Winter punktgenau eingekauft hat. Die Zugänge Sebastian Freis (aus Köln), Fallou Diagné (aus Metz) und Karim Guedé (aus Bratislava), sowie der junge Mathias Ginter aus dem eigenen Nachwuchs haben allesamt eingeschlagen.

Dass auf der Gegenseite dafür im Dezember auch fünf Spieler, unter ihnen der beliebte Kapitän Heiko Butscher, gehen mussten, hat damals im Umfeld für große Unruhe gesorgt. Heute spricht niemand mehr darüber, auch nicht über den Winter-Abgang von Torjäger Papiss Demba Cissé in Richtung Premier League. Alles richtig gemacht.

Am letzten Spieltag der Saison empfängt der Deutsche Meister Borussia Dortmund den SC Freiburg. Es ist gut möglich, dass erst dann der Titelkampf entschieden wird. Der BVB sollte sich nicht zu sicher fühlen.

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Südbaden
zickezackehoihoihoi 11.04.2012
Zitat von sysopDPADer SC Freiburg ist eines der Teams der Rückrunde. Unter Coach Christian Streich hat sich die Mannschaft vom sicheren Abstiegskandidaten zum Favoritenschreck entwickelt. Der SC könnte sogar die Meisterschaft entscheiden. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,826894,00.html
Schade nur, dass ein Teil der Fans gerade auswärts die gute Kinderstube vermissen lässt. Beispiel Stuttgart: Von einer Brücke Glasflaschen auf Kinder in VfB Trikots. Das war dann sogar mir peinlich.
2. Keine Überraschung
lorenzcarla 11.04.2012
Zitat von sysopDPADer SC Freiburg ist eines der Teams der Rückrunde. Unter Coach Christian Streich hat sich die Mannschaft vom sicheren Abstiegskandidaten zum Favoritenschreck entwickelt. Der SC könnte sogar die Meisterschaft entscheiden. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,826894,00.html
Streich, Klopp, Tuchel, Gross (in Basel), Schaf, Slomka: Was verbindet diese erfolgreichen Trainer-Typen? Antwort: Klugheit, Autorität, Menschlichkeit - wie der Spiegel schreibt, dazu haben diese Herren keinerlei Stargehabe, profitieren auch nicht von irgendwelchem Heroen-Status als Bundesliga-Kicker. Zudem sind sie Trainer bei Vereinsführungen, die weder übermäßig eitel (HSV) noch grandios konfus (Kaiserslautern, Köln, Berlin) sind. Mut, Vertrauen, Gelassenheit und ein Super-Scouting - Vereinsführungen, die hiermit gesegnet sind, setzen sich auch durch : siehe Mainz, Freiburg, Augsburg, Bremen, Dortmund. Dafür kann man denn auch 12 Millionen für den Brecher Cissé kassieren und schafft dann den Sprung ins Mittelfeld. Bravon SC Freiburg-Vorstand und Coach.
3. klasse
nichtsowichtig 11.04.2012
Für den SC waren ja die Personalentscheidungen in der Winterpause schon sehr ungewöhnlich. Ich habe gedacht jetzt bricht auch der sonst übliche Bundesliga-Wahnsinn aus. Das Gegenteil ist eingetreten. Gelegenheit für mich nächste Saison wieder das ein oder anderes Spiel anzuschauen.
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Das Restprogramm der Abstiegskandidaten
Mainz 05
Bayern München (A), VfL Wolfsburg (H), Hamburger SV (A), Borussia Mönchengladbach (H)
Freiburg
1899 Hoffenheim (H), Hannover 96 (A), 1. FC Köln (H), Borussia Dortmund (A)
1. FC Nürnberg
Schalke 04 (H), 1. FC Kaiserslautern (A), Hamburger SV (H), 1899 Hoffenheim (A), Bayer Leverkusen (H)
Hamburger SV
1899 Hoffenheim (A), Hannover 96 (H), 1. FC Nürnberg (A), FSV Mainz 05 (H), FC Augsburg (A)
FC Augsburg
VfL Wolfsburg (A), Schalke 04 (H), Borussia Mönchengladbach (A), Hamburger SV (H)
1. FC Köln
Borussia Möchengladbach (A), VfB Stuttgart (H), SC Freiburg (A), Bayern München (H)
Hertha BSC Berlin
Bayer Leverkusen (A), 1. FC Kaiserslautern (H), Schalke 04 (A), 1899 Hoffenheim (H)
1. FC Kaiserslautern
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