SC Freiburg Volker Finke hört auf

Der dienstälteste Trainer im deutschen Profifußball tritt ab: Volker Finke wird nach über 15 Jahren als Coach des SC Freiburg den Zweitligisten spätestens am Saisonende verlassen. Bei der Suche nach seinem Nachfolger wird der 58-Jährige ein Wort mitreden.


Freiburg - Das teilte der Club aus dem Breisgau heute in einer Pressemitteilung mit, nachdem gestern Abend eine turnusmäßige Vorstandssitzung stattgefunden hatte. Bis zum Saisonende sprach das Gremium Finke trotz der sportlichen Krise beim Tabellen-Vierzehnten aber einstimmig das Vertrauen aus.

Finke soll bei der Suche nach seinem Nachfolger eingebunden werden, teilte der SC Freiburg zudem mit. "Wir sind überzeugt davon, dass es uns mit diesen Entscheidungen gelungen ist, in einer schwierigen Situation einen ganz wichtigen Schritt in die richtige Richtung zu machen", sagte Freiburgs Präsident Achim Stocker und ergänzte: "Der SC Freiburg steht nicht nur für eine glaubwürdige, vernünftige und perspektivische Handlungsweise - sie ist auf Dauer gesehen auch seine einzige Chance, im Profifußball eine gute Rolle zu spielen."

Finke sitzt seit dem 1. Juli 1991 auf der Trainerbank der Freiburger und ist damit der dienstälteste Coach im deutschen Profifußball. Nach der 0:4-Heimpleite am vergangenen Montag gegen den Karlsruher SC war er zur Zielscheibe harscher Kritik der Fans geworden. Der frühere Uefa-Cup-Teilnehmer steht nur auf Grund der besseren Tordifferenz nicht auf einem Abstiegsplatz der 2. Liga.

In der Kommerzwelt des modernen Profifußballs stand Volker Finke als Coach lange für eine Art Gegenentwurf. Finke verkörperte in den Neunzigern den modernen Trainer-Typus, der mit Schlagwörtern wie "Verschieben" und "ballorientierte Raumdeckung" Eindruck machte. Auch die Medien lobten das in Freiburg praktizierte Kurzpassspiel. Die "Breisgau-Brasilianer" fanden Einzug in den Sprachgebrauch. "Das Gute hat gesiegt", schrieb 1994 die Berliner "tageszeitung", als die Südbadener am Ende der ersten Bundesliga-Saison 1993/1994 aus fast aussichtsloser Position den Klassenverbleib geschafft hatten.

Finke spielte mit dem SC Freiburg insgesamt zehn Spielzeiten in der 1. Liga. In der Saison 1994/1995 erreichte der Club durch einen dritten Platz in der Bundesliga den Uefa-Cup. Dies gelang dem Verein 2001 ein weiteres Mal. Damals schieden die Freiburger erst in der dritten Runde gegen den späteren Sieger Feyenoord Rotterdam aus dem Wettbewerb.

fpf/sid/dpa

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Seite 1
lis, 14.12.2006
1.
---Zitat von sysop--- Kommt der Rücktritt des Freiburger Trainers am Saisonende zu spät? Hätte er nicht schon längst aufhören müssen? ---Zitatende--- Doch, hätte er müssen. So sympathisch er mir grundsätzlich als Trainer war, hätte er doch schon vor einiger Zeit erkennen müssen, dass sein Rücktritt für den SC Freiburg nötig ist.
Hillary for President, 14.12.2006
2. Gutes zum Abschied
---Zitat von sysop--- Kommt der Rücktritt des Freiburger Trainers am Saisonende zu spät? Hätte er nicht schon längst aufhören müssen? ---Zitatende--- Zurück zur Gelassenheit, zum Genuß und Trauer, mit einem Wort zu Toleranz, Freunde! Schon die Fragen sind ein getreues Abbild unserer perwertierten Wertesysteme. Mach's gut Trainer, meine Erfolgswünsche sollen Sie begleiten!
Robert Schwartz, 14.12.2006
3. Kommt Zeit, kommt Rat
---Zitat von lis--- Doch, hätte er müssen. So sympathisch er mir grundsätzlich als Trainer war, hätte er doch schon vor einiger Zeit erkennen müssen, dass sein Rücktritt für den SC Freiburg nötig ist. ---Zitatende--- Ich habe Verständnis für Ihre Meinung. Trotzdem hielte ich es für wünschenswert, daß - außer im Krankheits- oder Bestechungsfall - Trainer nur zum Ende eines Saisons entlassen werden bzw. zurücktreten können. Die heutigen Quickies fördern nur Aktionismus, nicht guten Fußball.
schumachertobias, 14.12.2006
4. Ein Nachruf
Im modernen Profisport sowie in der globalisierten Wirtschaftswelt ist es leider so, dass Menschen nur an Ertrag, Profit, gestiegenem shareholder value oder Tabellenplätzen und Pokalgewinnen beurteilt werden. Gleichwohl wird leider allzu häufig der Kontext vergessen, aus dem Menschen heraus tätig wurden. Bedenkt man letzteren, so hat Volker Finke für die Stadt Freiburg, das Umland und den Verein gar Unglaubliches geleistet, das nicht hoch genug bewertet werden kann. Er hat dem Namen Freiburg national und international ein fröhliches und für Spass stehendes Gesicht gegeben, den Fussball professionalisiert ohne ihm dabei das menschliche Antlitz zu nehmen. Vielleicht hat er darüber in den letzten Jahren hin und wieder vergessen, worauf es leider im modernen Fussball ankommt, nämlich die richtigen Ergebnisse einzufahren und nicht nur perspektivisch zu denken. Gleichwohl wäre es fahrlässig, die seit bereits 2-3 Jahren zu beobachtende Talfahrt des SC Freiburg nur ihm zur Last zu legen, ist Finke doch schliesslich auch von einem professionellen Umfeld umgeben, welches seinerseits für Spielerein- und verkäufe Verantwortung zu tragen hat. Das dieses Umfeld jedoch sich nicht selbst das Mißtrauen ausgesprochen hat, ist stellvertretend für die fehlende Selbstkritik im modernen Profisport sowie einer sich zunehmend ausdifferenzierenden Gesellschaft, in der leider nur allzu gerne zuerst mit dem Finger auf andere gezeigt wird. Man kann dem deutschen Fussball nur wünschen, und davon ist auszugehen, wenn auf die Mechanismen des Geschäftes nur einigermassen Verlass ist, dass Volker Finke noch lange aktiv tätig sein wird. Gleichwohl ist jedoch anzunehmen, dass er künftig des öfteren den Trainerstuhl zu wechseln hat, ist das Modell Freiburg doch einzigartig gewesen und seit heute als letzte Bastion des Vertrauens im Profisport Vergangenheit.
Pittie 14.12.2006
5. Abschied mit Würde
Ich finde, die jetzt getroffene Regelung entspricht fairem, zwischenmenschlichen Miteinander. Nach 15 Jahren wirft man einen Trainer nach all seinen Verdiensten nicht einfach raus. Finke bekommt jetzt die Gelegenheit, das Ruder noch einmal herumzureißen und sich in Würde zu verabschieden. Dass er jetzt auch noch ein Mitspracherecht an seinem Nachfolger bekommen soll, finde ich geradezu rührend.
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