Bayerns Sieg in Freiburg "Eines der besten Spiele der Saison"

Eine Erkenntnis des Bayern-Siegs in Freiburg: Christian Streich wird nicht auf Jupp Heynckes folgen. Eine weitere: Die Münchner sind in der aktuellen Form zu allem fähig. Selbst Heynckes geriet ins Schwärmen.

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Nicht, dass es noch ernsthafte Zweifel daran gegeben hätte, aber seit Sonntagabend weiß es die Nation mit absoluter Gewissheit: Ab Sommer wird sich Jupp Heynckes wieder mehr Zeit für seinen Hof am Niederrhein nehmen - und nicht weiter den FC Bayern trainieren. Sein Nachfolger beim Rekordmeister - das weiß das Land jetzt auch - wird zudem nicht der derzeitige Freiburg-Coach Christian Streich werden.

Und so ganz nebenbei erzählten die beiden Trainer noch, wie sie den Münchner 4:0-Sieg in Freiburg empfunden hatten: als gnadenlos überzeugenden Leistungsnachweis der mit Abstand besten deutschen Fußballmannschaft.

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Bayerns Sieg gegen Freiburg: Ein Müller-Tor, das keines war

Nach dem Spiel sprach Henyckes allerdings auch detailliert von den Stärken des SC und betonte gerade Streichs Qualitäten. Der FCB habe das Freiburger Spiel im Training simuliert, um gegen die "läuferisch immens starke und taktisch sehr gute Mannschaft" vorbereitet zu sein. Besonders aufmerksam notierten die Reporter aber Heynckes' einleitende Worte in Bezug auf Streich, dass diese Partie "heute unsere letzte Begegnung sein wird". Bis dahin hatten einige Journalisten noch Zweifel gehegt, ob sich Heynckes nicht im letzten Moment doch noch von Uli Hoeneß zum Bleiben überreden lassen würde.

Gerüchte um Nachfolge: Streich verärgert, Heynckes gelassen

Daraus aber wird nichts - genauso wenig wie aus Streich als Nachfolger bei den Bayern. Das entsprechende Gerücht, das in den Stunden zuvor im Boulevard die Runde gemacht hatte, wurde bei der Pressekonferenz gleich ausgeräumt. "Es ist ärgerlich, dass Leute irgendwelche Dinge in die Welt setzen, die einfach nicht wahr sind", sagte Streich, der im Übrigen schon mehrfach betont hat, dass er es völlig undenkbar findet, einen einmal geschlossenen Vertrag zu brechen. Und seinen Kontrakt beim SC hat er erst jüngst verlängert.

Christian Streich
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Heynckes kommentierte die Gerüchte um Streich eher augenzwinkernd. Zum einen könne er sich nicht vorstellen, dass Streich die "kuschelige Stadt" Freiburg verlassen wolle. Und zum anderen kenne er diese Art von Spekulationen zur Genüge: "Ich bin in Hoffenheim und Frankfurt auch schon gefragt worden, ob ich mir die Trainer dort als meine Nachfolger vorstellen kann", sagte Heynckes: "Und wenn wir in Leipzig spielen, werde ich das sicher auch nochmal gefragt werden."

Aber egal, wer im Sommer auf Heynckes folgen wird: Der neue Trainer wird ein schweres Erbe antreten. Denn es liegt ja nicht nur an der (relativen) Schwäche der anderen Spitzenmannschaften, dass die Bayern so unangefochten an der Tabellenspitze stehen. Die 20 Punkte Vorsprung sind vor allem durch die Klasse der Münchner zu erklären. Und diese Klasse hat die Mannschaft in Freiburg einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Höler vergibt Freiburgs einzige Großchance früh

Dabei hatten die Gastgeber in den ersten 20 Minuten sogar richtig stark gespielt. "Aber dann brauchst du gegen die Bayern das Erfolgserlebnis", sagte Streich: "Sonst hast du keine Chance." Das blieb dem Sportclub allerdings versagt, Angreifer Lucas Höler hatte die Führung auf dem Fuß, als er frei aufs Bayern-Tor zulief, aber Torwart Sven Ulreich lenkte den Ball zur Ecke. Das war in der 12. Minute. Mehr klare Chancen hatte der SC nicht.

Die Bayern wiederum hätten locker auch noch zwei, drei Tore nachlegen können - hätten sie nach dem 4:0 nicht Gnade walten lassen, indem sie das Tempo herunterschraubten. So blieb es bei den Treffern von Corentin Tolisso, Sandro Wagner, Thomas Müller und einem Eigentor von SC-Keeper Alexander Schwolow, das Müller regelrecht erzwang.

Insgesamt hatten die Bayern so gut gespielt, dass auch der strenge Heynckes zugab, er habe "eines der besten Spiele in dieser Saison" gesehen. Es war im Übrigen ein Spiel, bei dem Robert Lewandowski und Arjen Robben 90 Minuten lang auf der Bank blieben und sowohl Franck Ribéry als auch Kingsley Coman ganz fehlten.

Dem SC und Nils Petersen blieben am Sonntag immerhin noch eine vage Hoffnung: "Dass die Bayern auch gegen die anderen Abstiegskandidaten so stark spielen."



insgesamt 179 Beiträge
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Seite 1
no_reservations 05.03.2018
1. wo ist das
spannende Element in der Bundesliga geblieben? Nur Journalisten werden nicht müde in ihrer Lobhudelei der aktuellen Verhältnisse. Die Deutsche Meisterschaft aktuell einen spannenden und ausgeglichenen Wettkampf zu nennen, ist beinahe schon grotesk.
no_reservations 05.03.2018
2. und warum stört
sich scheinbar niemand daran, wenn ein Verein nun zum x-ten Mal vorzeitig mit riesigem Vorsprung Meister wird? Ist das Spannung? Soll das Zuschauer und Fans fesseln? Und sind die Rahmenbedingungen denn richtig gesteckt, wenn ein Verein nicht nur beinahe jeden internationalen Spieler kaufen kann, sondern dazu auch noch alle Talente der Konkurrenz abwirbt? Sport lebt von Spannung. Sollte es zumindest. Das scheint eines der wenigen Dinge zu sein, das die Amerikaner definitiv besser verstanden haben als wir. In all ihren Sportligen gibt es derzeit keine Dominanz und Langeweile wie bei uns im Fußball...
exxon.uk 05.03.2018
3. Zu 1 und 2: Was kann Bayern
dafür, wenn es so viele Versagervereine in der BuLi gibt? Man muss sich doch nur mal die Tabelle von vor 10 Jahren anschauen oder etwas weiter. Mannschaften wie Hamburg, Bremen oder Stuttgart waren oft oben dabei. Durch absolutes Versagen bei den Verantwortlichen dûüpeln diese Vereine seit Jahren nun im Keller rum und hoffentlich steigt der HSV dieses Jahr endlich mal ab. Dortmund hat vor einigen Jahren auch noch ne große Klappe gehabt - endlich ist da ein Verein der es mit den Bayern aufnehmen kann und man will die nächsten Jahre immer vorne mitspielen. Geblieben ist davon auch nicht viel. Ja, es ist langweilig. Daran schuld haben aber vorallendingen die anderen
Alemao 11 05.03.2018
4. Unverständnis!
Was kann der FCB dafür, wenn sich die anderen sogenannten Spitzenvereine gegenseitig an Unfähigkeit übertreffen?
peterw 05.03.2018
5. Ausgeglichen?
No reservation hofft wohl auf eine auf unterem Niveau ausgeglichene spannende Bundesliga, deren einziger Championsleagueteilnehmer regelmäßig in der Vorrunde ausscheidet.
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