Top-Spiel der zweiten Liga Stars on Schnee

Freiburg und Leipzig konnten im Spitzenspiel der zweiten Liga nicht zeigen, was sie können - Schneegestöber verhinderte eine elegante Partie. Dennoch wurde klar: Diese Teams gehören in Liga eins.

SC Freiburg (rot) gegen Leipzig
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SC Freiburg (rot) gegen Leipzig

Von , Freiburg


Eine Szene aus der dritten Minute der Nachspielzeit wollte Ralf Rangnick einfach nicht loslassen: Pass von rechts, Marcel Sabitzer zieht ab, doch Freiburgs Keeper Alexander Schwolow reißt mit einem Wahnsinnsreflex beide Hände nach oben und hält den Freiburger Sieg fest. Danach war Schluss, Rangnicks Tabellenführer RB Leipzig hatten die vierte Saisonniederlage (1:2) kassiert. Das allerdings lässt sich einigermaßen verschmerzen, wenn man trotzdem noch elf Zähler Vorsprung auf den ersten Nichtaufstiegsplatz hat.

"Ich hoffe, dass wir uns nächstes Jahr wiedersehen", sagte Rangnick dann auch eine halbe Stunde nach Schwolows Parade. "Wenn das passiert, können wir davon ausgehen, dass es eine Liga höher ist."

Es waren versöhnliche Worte eines Mannes, der sich den Abend ganz anders vorgestellt hatte. "Schade, dass dieses herbeigesehnte Spiel unter diesen Bedingungen stattfinden musste", seufzte Rangnick. Er bedauerte, dass die beiden fußballerisch besten Teams der Liga im direkten Aufeinandertreffen nicht zeigen konnten, was sie draufhaben. Stattdessen lieferten sie sich eine "Schneeballschlacht".

"In Freiburg kann man schon mal verlieren"

Tatsächlich dürfte dieses Spiel für die meisten der 23.500 Zuschauer eine Premiere gewesen sein. Winterspiele, bei denen ein orangener Ball im Zeitlupentempo seinen Weg durch den Schnee fräst, kennen ja eigentlich nur noch Menschen, die ihre Kindheit in den Achtzigern verbracht haben. Danach kamen eine längere Winterpause, der Klimawandel und vor allem die Rasenheizung als Teil der DFL-Lizenzierungsauflagen.

Doch gegen die Schneemassen, die in Freiburg ab dem Montagnachmittag herunterfielen, kann offenbar keine Rasenheizung der Welt etwas ausrichten. Und so gab es auch von diesen beiden spielstarken Teams lang geschlagene Bälle zu sehen, weil Flachpässe sich in den Schneewehen einfach eingruben.

Auf ihre Kosten kamen die Zuschauer dennoch. Trotz der widrigen Umstände sahen sie ein temporeiches Fußballspiel mit ein paar Spielern auf dem Platz, die für die zweite Liga überqualifiziert sind. Emil Forsberg oder Yussuf Poulsen auf Leipziger Seite zum Beispiel. Oder Vincenzo Grifo beim SC, der sein Team in Führung gebracht hatte (10. Minute), ehe Florian Niederlechner nach dem Ausgleich von Dominik Kaiser (56.) den 2:1-Siegtreffer erzielte (68.). "Trotz des Schnees hat man gesehen, welche Qualität, individuelle Klasse und Technik Leipzig" hat, sagte dann auch SC-Coach Christian Streich.

Und Rangnick antwortete artig, dass man "in Freiburg schon mal verlieren kann". Dann eilte er erbost zu einem Reporter, der in einer Frage an Streich vom "Krösus" aus Leipzig gesprochen hatte. David-gegen-Goliath-Metaphern mag Rangnick gar nicht. Was insofern komisch ist, als ja tatsächlich kein anderer Verein im vergangenen Sommer soviel Geld in neue Spieler (18,6 Millionen Euro, Freiburg: 2,1 Millionen) und 50 Millionen für ein Nachwuchsleistungszentrum investieren konnte. Allerdings, und das schien Rangnick zu stören, werden nicht nur bei RB, sondern auch in Freiburg und Nürnberg sehr ordentliche Gehälter gezahlt - nicht in Relation zur ersten Liga, aber sehr wohl im Zweitligadurchschnitt.

Freiburg und Leipzig sind so gut wie durch

Hätte RB statt Freiburg diese Partie gewonnen - man hätte aussprechen können, was eigentlich eh alle wissen: Leipzig wird nächste Saison in der ersten Liga spielen. Nun, wo Freiburg gewonnen hat, ist der Umkehrschluss nicht ganz so leicht. Schließlich ist aus dem Duo, das seit Saisonbeginn vorneweg marschiert, seit einigen Wochen ein Dreikampf geworden; der 1. FC Nürnberg hat zuletzt 16 Mal am Stück nicht verloren. "Quälgeister", wie Freiburgs Nils Petersen fand.

"Wir würden natürlich gerne Zweiter werden, vor allem aber wollen wir nicht Vierter werden", sagte er. Petersen schien allerdings auch recht optimistisch, dass das klappen könnte. "Jedes Mal, wenn der Klub vorgelegt hat, haben wir in den letzten Wochen nachgezogen." Ein gutes Zeichen für die Moral der Mannschaft, wie der 16-fache Torschütze findet.

Nachdem der SC im Februar noch 1:2 gegen eine Düsseldorfer Mannschaft verloren hatte, die einfach bissiger war, hat Streich sein Team massiv auf die Grundtugenden eingeschworen. "In Sachen Leidenschaft und Einsatz darf keiner mehr investieren als wir", forderte er. Sein Team folgte und holte zuletzt die maximalen zwölf Punkte aus vier Spielen. Mit insgesamt 54 Toren ist der SC das mit Abstand treffsicherste Team der Liga.

Es gibt also einiges, das darauf hindeutet, dass Rangnicks Wunsch in Erfüllung geht und es tatsächlich die beiden Kontrahenten vom Montag sein werden, die ab Sommer in der ersten Liga spielen.



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Seite 1
Mieze Schindler 08.03.2016
1. Freiburg gehört in die erste Bundesliga, Leipzig nicht
Der Status "Verein" ist bei RB Leipzig nur aufgesetzt um Statuten des DFB zu umgehen. So eine Entwicklung im Sport kann ich nicht unterstützen!
trader_07 08.03.2016
2. Ich freue mich...
Ich drücke den Leipzigern die Daumen. Die Mannschaft ist jung und bringt frischen Wind in den Profifußball. Der finanzielle Hintergrund ist auch gegeben. Wenn man sich so Grotten-Kicks wie Frankfurt gegen Schalke vorletztes Wochenende anschaut, dann gruselt es einen. Da spielt Not gegen Elend. Ich freue mich auf RB Leipzig in der ersten Liga - die werden der einen oder anderen Traditions-Schlaftablette gehörig Feuer unterm Hintern machen. Gruß aus München von einem FCB-Mitglied, trader_07
Mario Oetze 08.03.2016
3. Hoffnung
Leipzig hat nur sechs Punkte Vorsprung auf den 1. FCN und muss auch noch beim Club aus Nürnberg ran. Klar ist ein Aufstieg wahrscheinlich, doch das hieß es auch schon letztes Jahr und die Hoffnung stirbt bekanntlich zu letzt.
Roedi 08.03.2016
4.
Zitat von Mieze SchindlerDer Status "Verein" ist bei RB Leipzig nur aufgesetzt um Statuten des DFB zu umgehen. So eine Entwicklung im Sport kann ich nicht unterstützen!
Immer wieder die gleiche Leier. Dann sprechen Sie der halben ersten Liga das Existenzrecht ab. In den meisten Vereinen ist der Profi-Fussball aus dem eigentlichen Verein ausgegliedert. Auch in den sogenannten Traditionsvereinen. Im Profigeschäft interessiert nur das Geld, die Verantwortlichen interessieren sich null für irgendwelche Traditionen. Und Sie als Vereinsmitglied dürfen auf die Versammlung kommen, zu sagen haben Sie dennoch nichts. Wie reden hier über einen Sport, bei dem Menschen für zig Millionen gekauft und verkauft werden und wo eben jene Menschen Millionen verdienen. Wenn es Ihnen nicht gefällt, dann suchen Sie sich nen anderen Sport. Ich empfehle Eishockey, schnelleres Spiel, mehr Action und keine Heulsusen.
Altbauer.77 08.03.2016
5. Zurück zu den Ursprüngen des Fußballs
Gerade wenn man selbst noch auf Ascheplätzen in den niedrigen Ligen gespielt hat, kann man es gar nicht fassen, wie verweichlicht und unhistorisch heute der Blick einiger Fußballfunktionäre wie z. B. Herr Rangnick auf den Fußballsport ist: Nein, es ist nicht schade, dass das Spiel Freiburg gegen Leipzig im Schneetreiben stattfinden musste. Diese Bedingungen, die eben eine andere Taktik, einen anderen Einsatz und wenig Behagen erzeugen sind genau das, was den Fußball über Jahrzehnte geprägt hat und ihn zu der weltweit beliebtesten Sportart gemacht hat. Dazu kommen Kampf (im Sinne von Willensstärke), Kraft (im Sinne von Kondition) und Härte (im Sinne von körperlicher Auseinandersetzung mit dem Gegner). Meiner ganz persönlichen Meinung nach Elemente, die ein Spiel ebenso, wenn nicht gar interessanter machen, als ein taktisch hochwertiges, blitzschnelles Technikspiel einer Mannschaft gegen einen defensiven Gegner, der ein Unentschieden ermauern möchte.
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