96-Trainer Schaaf "Das ist für mich der Ober-GAU"

Für Hannover 96 gibt es nach der Niederlage in Frankfurt nur noch ein Ziel: in Würde absteigen. Immerhin 96-Trainer Thomas Schaaf zeigte noch Leidenschaft, als er auf Sky-Schiedsrichterexperte Markus Merk losging.

DPA

Von , Frankfurt


Als das Spiel zwischen dem schlechtesten und dem zweitschlechtesten Rückrundenteam aus war, gingen 43.000 Frankfurt-Sympathisanten beschwingt nach Hause. Dafür hatten die etwa 500 Fans aus Niedersachsen Gewissheit, die sich tatsächlich noch mal ein Spiel von Hannover 96 antun wollten.

Wenn 96 nicht die nächsten sieben Spiele so spielt wie der FC Bayern in der Verlängerung des Champions-League-Spiels gegen Juve und die Konkurrenten nicht allesamt die nächsten sieben Spiele so schlecht spielen wie Hannover 96 im echten Leben - dann sind die Niedersachsen am 19. März 2016 um 19.02 Uhr aus der Bundesliga abgestiegen.

Zu diesem Zeitpunkt erzielte Änis Ben-Hatira das 1:0 für Eintracht Frankfurt.Dass Stefan Aigner beim vorangegangenen Pass ein paar Zentimeter im Abseits stand, lösten später die Kameras auf. Für Schiedsrichter Wolfgang Stark war es kaum zu sehen.

Schaaf attackiert Sky-Schiedsrichterexperte Merk

Kurz nach dem Rückstand stellten die Gästefans den Support ein, und als die 96-Spieler nach dem Schlusspfiff Richtung Kurve gingen, war die so gut wie leer. Kein aufmunternder Applaus, keine Schmähungen. Nur noch Resignation. Und das nicht nur auf den Rängen.

Wenigstens 96-Trainer Thomas Schaaf zeigte noch Emotionen. Grund war eine Szene aus der 49. Minute. Frankfurts Stefan Reinartz hatte Hannovers Edgar Prib im Strafraum umgegrätscht, für Schiedsrichter Wolfgang Stark kein Grund für den Elfmeterpfiff. Die Spieler hätten ja auch nicht reklamiert, urteilte Sky-Schiedsrichterexperte Markus Merk in der Szene.

"Dass sich der Herr Merk danach hinstellt und sagt, er könne nicht verstehen, warum die Spieler sich nicht beschwert hätten, ist für mich der Ober-GAU. Denn wenn ein Spieler zum Schiedsrichter läuft und sich beschwert, wird er in der Regel sofort gemaßregelt oder sogar gesperrt", so ein wütender Schaaf.

96 will in Würde absteigen

"Der Abstand wird immer größer", sagte Kapitän Ron-Robert Zieler, als er gefragt wurde, ob er angesichts von zehn Punkten Rückstand auf den Vorletzten denn noch auf den Klassenerhalt hoffe. "Es geht jetzt darum, uns die letzten Spiele so würdig und anständig zu präsentieren, wie es geht."

Auf Frankfurter Seite war hingegen nicht nur die Erleichterung deutlich zu spüren. Schon zur Halbzeit klatschten sich die Fans die Finger wund, in der Schlussphase der Partie waren die Anfeuerungsrufe so laut, wie sie es an guten Tagen nur in Frankfurt sein können. Freude über den Sieg? Sicher. Aber noch mehr schienen die Fans der Mannschaft signalisieren zu wollen, dass sie sie in den kommenden Wochen voll unterstützen. Der Klassenerhalt ist dann doch wichtiger als der Frust, der seit Wochen in der Fanszene gärt.

Eintracht-Coach Niko Kovac lobte nach seinem ersten Sieg als Bundesligatrainer dann auch, "wie leidenschaftlich die Mannschaft agiert hat, gekämpft hat, gelaufen ist und sich Torchancen herausgespielt hat." Das alles stimmte und als neuer Trainer tut man gut daran, das Positive hervorzuheben. Doch natürlich hatte auch Kovac gesehen, warum seine neue Mannschaft zu Recht auf dem vorletzten Platz steht.

Wer soll die Tore für Frankfurt schießen?

Eine bessere Bundesliga-Elf als Hannover hätte sich an diesem Samstag in den riesigen Räumen ausgetobt, die die Eintracht dem Gegner ließ. Und sie hätte ein paar Kontermöglichkeiten ausgenutzt, die Frankfurt durch die vielen, vielen Fehlpässe vor allem im ersten Durchgang ermöglichte. "Daran müssen wir in der Länderspielpause arbeiten", kündigte Kovac an. "Wir hatten zu viele Ballverluste, weil uns die nötige Ruhe gefehlt hat."

Das größte Frankfurter Dilemma war damit allerdings noch gar nicht beschrieben. Denn trotz aller Defizite hätte die Eintracht mit drei, vier Toren Unterschied gewinnen müssen, so viele Offensivaktionen ergaben sich aus den Hannoveraner Fehlern. Doch Änis Ben-Hatira schaffte das Kunststück, zwei deutlich klarere Gelegenheiten als die, die er zum 1:0 nutzte, kläglich zu vergeben (67./71.), Und Haris Seferovic scheiterte gleich zweimal an sich und der Abseitsregel (74./76.).

Gegen Hannover reichte es trotzdem, angesichts des schweren Restprogramms mit Spielen gegen die Bayern, Dortmund, Mainz oder Leverkusen fragt sich allerdings, wer die Tore schießen soll, wenn Torjäger Alex Meier weiter ausfällt.

Zwei, vielleicht sogar drei Vereine werden am Ende der Saison absteigen. Dass es neben Hannover mindestens einen weiteren Verein treffen wird, muss für die Eintracht keine gute Perspektive sein. Doch wenn sie so spielt wie am Samstag, hat sie zumindest wieder eine Chance.



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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
Freifrau von Hase 20.03.2016
1.
Natürlich kann man sich über das Abseits-Tor aufregen. Das ändert aber nichts daran, dass 96 selbst ja kein Tor gemacht hat. Ein 0:0 hilft ja auch keinem weiter. Und Woche für Woche dieses gegurke und mühsam Punkte sammeln um sich am Ende dann doch irgendwie in die Relegation zu retten? Nein, das will kein Fußballfan sehen. Wenn es für die 1. Liga zurzeit nicht reicht, dann reicht es nicht. Dann lieber absteigen und attraktivere Teams versuchen lassen.
vaikl 20.03.2016
2. Richtig, Herr Schaaf
Allerdings anders richtig, als Sie sich wohl gedacht haben. Denn grade diese Situation nach dem vermeintlich nicht gegebenen Elfer zeigt nahezu drastisch auf, wie es um Ihre Truppe motivationstechnisch bestellt ist - null Aufbegehren, null Leistung. Tschö in Liga Zwo!
frank_w._abagnale 20.03.2016
3. H96 wird fehlen.
Schade, dass H96 absteigt. Hannover ist der Verein der Intellektuellen, der Boheme und der Unternehmerschaft. Der Verein wird in Liga 1 fehlen.
janowitsch 20.03.2016
4. Merk-würdig
Recht hat er, der Herr Schaaf. Wenn die Berechtigung einer Entscheidung davon abhängig gemacht wird, wie sehr sich die eine oder andere Mannschaft beschwert, dann läuft etwas schief bei den Unparteiischen.
nvertigo67 20.03.2016
5. Der Herr Dr. Merk
ist so ein Fall für sich. Natürlich hat der Herr Schaf recht. Und die implizite Forderung Elfmeter nur zu geben, wenn die Spieler reklamieren, ist ebenso natürlich Unsinn. Aber als SkyExperte kann er zumindest keine Meisterschaftsentscheidungen mehr verschieben.
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