Holtby-Abgang bei Schalke: Völlig verzockt
In Gelsenkirchen herrscht Alarmstimmung. Der FC Schalke schwächelt auch nach der Winterpause. Und ausgerechnet jetzt lässt der Club Lewis Holtby zum Schnäppchenpreis ziehen, einen der torgefährlichsten Spieler - eine grandiose Fehlentscheidung mit möglicherweise teuren Folgen.
Am Abend des 20. Oktober hätte man aus Sicht der Schalker Fans diese Saison beenden können. Am 8. Spieltag siegte Schalke 04 im Revierderby bei Borussia Dortmund - etwas Schöneres kann man einem Gelsenkirchener Anhänger nicht mehr bieten. Genauso war es denn auch. Danach kam nichts Schönes mehr. Schalke 04 trudelt seitdem abwärts. Das Mittelmaß ist längst erreicht. Königsblau in der Grauzone.
Kurz vor Weihnachten wurde Trainer Huub Stevens entlassen. Nachwuchscoach Jens Keller rückte auf, und nichts wurde besser. Die Mannschaft ist derzeit ein Schatten einer Spitzenmannschaft, eine Hülle, am Samstag rettete man mit Müh und Not ein 0:0 beim braven FC Augsburg.
Und der Spieler, dem man zuletzt noch am ehesten zutraute, S04 aus der Krise zu holen, geht jetzt freiwillig: Lewis Holtby, 22, der inspirierteste Akteur im Schalker Mittelfeld, wechselt mit sofortiger Wirkung zu Tottenham Hotspur. Der Wechsel sollte an sich erst zum Saisonende vollzogen werden. Schalke-Manager Horst Heldt hat auffällig wenig Anstalten gemacht, den Nationalspieler zu halten. Wenn die kolportierte Ablösesumme von 1,75 Millionen Euro stimmt, hätte der englische Premier-League-Club zudem ein echtes Schnäppchen geschossen.
Als Ersatz hat Heldt präventiv bereits vor zwei Wochen den brasilianischen Ex-Herthaner Raffael verpflichtet. Er wird zudem wohl auch dessen Landsmann Michel Bastos aus Lyon ins Ruhrgebiet holen. Ein riskantes Unterfangen des Sportdirektors: Beide müssten von Beginn an einschlagen, um den Holtby-Abgang zu kompensieren. Zwei Brasilianer, die in den deutschen Winter in eine schwer verunsicherte Mannschaft wechseln - da ist es zumindest gestattet zu zweifeln, ob das sofort funktioniert.
Club geht unkalkulierbares Risiko ein
So könnte der Abgang von Holtby schnell zum Eigentor werden - auch in finanzieller Hinsicht. Längst ist nicht nur die Qualifikation für die Champions League in der kommenden Saison in Gefahr. Spielen die Schalker so weiter, wird es sogar schwierig die Plätze zu erreichen, die zur Teilnahme an der Europa League berechtigen.
Indem der Club einen seiner offensivstärksten Spieler für einen Schnäppchenpreis abgibt, geht er ein unkalkulierbares Risiko ein. Das sieht Manager Horst Heldt natürlich anders. "Wir haben für alle Beteiligten die beste Lösung gefunden", sagte Heldt, der am Montag zu Verhandlungen nach London geflogen war. Hinterher freute er sich über "eine ordentliche Ablösesumme".
Wie es anders geht, zeigt der FSV Mainz 05. In der Winterpause wurde bekannt, dass Jan Kirchhoff seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern, sondern am Saisonende zum FC Bayern wechseln wird. Auch hier wurde öffentlich über einen vorzeitigen Wechsel diskutiert. Doch die Mainzer denken gar nicht daran, den 22-Jährigen noch im Januar abzugeben. Schließlich müsste der Club dann Ersatz holen, und der ist weder einfach noch schnell zu finden.
Also blieb der FSV hart. Manager Christian Heidel betonte stets, dass "Mainz 05 kein Interesse an einem Winterwechsel des Spielers hat, da ein Transfer weder aus sportlichen noch aus wirtschaftlichen Gründen für uns sinnvoll ist." Dabei hat Kirchhoff lediglich sechs Saisonspiele von Beginn an bestritten.
Bei Holtby sind es 18 Einsätze, in denen er an elf der 32 Schalker Tore beteiligt war. Seine Passquote beträgt 82 Prozent. Werte, die den 22-Jährigen in dieser Situation eigentlich unverzichtbar machen sollten.
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- Montag, 28.01.2013 – 19:09 Uhr
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