Schalker Sieg in Bremen "Das ist noch nicht der Fußball, den ich sehen will"

Drei Siege aus vier Spielen: Unter Domenico Tedesco hat Schalke 04 einen gelungenen Saisonstart gefeiert. Nach dem Erfolg in Bremen versuchte der Trainer, Euphorie zu vermeiden. Denn jetzt kommen die Bayern.

Schalke-Trainer Domenico Tedesco
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Schalke-Trainer Domenico Tedesco

Aus Bremen berichtet Alexander Barklage


Als die Halbzeitpause vorüber war, standen die Spieler des SV Werder auf dem Rasen des Bremer Weser-Stadions und scharrten mit den Hufen. Doch vom Gegner, dem FC Schalke, fehlte jede Spur. Man hätte meinen können, dass Trainer Domenico Tedesco nach der dürftigen Vorstellung seiner Mannschaft in den ersten 45 Minuten eine Brandrede hielt, um sie aufzurütteln. Und dass das eben etwas mehr Zeit in Anspruch nahm. Doch der Grund war ein anderer: "Wir haben uns schlichtweg in den langen Gängen des Kabinentrakts verlaufen", sagte Tedesco.

So verloren der FC Schalke in der Pause offenbar gewesen ist: In der zweiten Hälfte wirkten die Gäste besser sortiert als zuvor. 2:1 (1:1) gewann Schalke gegen Werder, mit nun neun Punkten aus vier Ligaspielen hat der Klub einen guten Saisonstart hingelegt. In Bremen sah man Tedesco, 32, während der ersten Hälfte oft an der Seitenlinie gestikulieren. Zufrieden wirkte der neue Trainer dabei nicht. "Wir brauchen den Ball, um unseren Plan umzusetzen", sagte er nach der Partie, "das haben wir zu Beginn nicht gut hinbekommen. Um den Rückstand durch Bremens Abwehrboss Lamine Sané (20. Minute) zu egalisieren, benötigten die Schalker sogar die Mithilfe des Werderaners Milos Veljkovic, der mit einem Eigentor für das 1:1 sorgte (22.).

Ansonsten wirkten die Gäste oft harmlos. Und das, obwohl die Bremer bereits nach 14 Minuten den Verlust ihres Starstürmers Max Kruse hatten verkraften müssen. Nach einem harten Einsteigen von Thilo Kehrer brach sich der Ex-Nationalspieler das Schlüsselbein. Er wird Werder wochenlang fehlen.

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Tedescos Umstellungen fruchteten

Tedesco wechselte zur zweiten Halbzeit Benjamin Stambouli aus und brachte den offensivstärkeren Nabil Bentaleb. Eine gute Entscheidung, lobte nach dem Spiel auch Matchwinner Leon Goretzka: "Nabil hat Struktur ins Spiel gebracht und mit wenig Kontakten gespielt. Alleine anhand der Einwechslungen sieht man, dass wir uns nicht mit einem Punkt zufrieden geben wollten."

Nach etwas mehr als einer Stunde wurde Yewhen Konopljanka durch den Ex-Bremer Franco di Santo ersetzt. Zehn Minuten vor dem Ende kam es noch zum emotionalen Comeback von Breel Embolo nach langer Verletzungspause. Der Schweizer hatte sich im Oktober nach einem heftigen Foul des Augsburgers Konstantinos Stafylidis eine schwere Sprunggelenksverletzung mit Wadenbeinbruch zugezogen. "Ich hatte Gänsehaut als Breel den Platz betrat", sagte Schalkes Sportchef Christian Heidel. Kaum war der Stürmer auf dem Platz, traf Goretzka nach einer Ecke zum Siegtreffer (83.).

Trotz des ersten Auswärtssiegs der Saison haben die Schalker noch Luft nach oben. Das sieht zumindest der Coach selbst so. "Das ist noch nicht der Fußball, den ich sehen will", sagte Tedesco nach der Partie: "Wir haben noch einen langen Weg vor uns." Von der Euphorie, die den Schalker Anhang im Stadion gepackt hatte, war er weit entfernt.

Die rund 5000 mitgereisten Fans des FC Schalke feierten ihre Mannschaft dagegen nach dem Schlusspfiff minutenlang und verabschiedeten sie mit "Zieht den Bayern die Lederhosen aus"-Sprechchören. Dass sie vor dem Duell mit den Münchnern am kommenden Dienstag (20:30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) zumindest keine Angst vor einer deutlichen Niederlage haben brauchen, liegt an den durchwachsenen Auftritten der Bayern, aber eben auch am sportlichen Aufschwung unter Tedesco.

Der Coach selbst wollte dann auch keine Zeit verlieren. "Ich habe jetzt drei Stunden Zeit, um das 4:0 der Bayern zu analysieren", sagte Tedesco. Er meinte die Rückfahrt aus Bremen nach Gelsenkirchen.

Werder Bremen - Schalke 04 1:2 (1:1)
1:0 Lamine Sané (20.)
1:1 Veljkovic (22., Eigentor)
1:2 Goretzka (83.)
Bremen: Pavlenka - Bauer, Lamine Sané, Veljkovic - Gebre Selassie (84. Hajrovic), Maximilian Eggestein, Augustinsson - Kainz, Delaney - Bartels, Kruse (19. Belfodil). - Trainer: Nouri
Schalke: Fährmann - Kehrer, Naldo, Nastasic - Caligiuri, Goretzka, Stambouli (46. Bentaleb), Oczipka - Harit (80. Embolo), Burgstaller, Konoplyanka (61. Di Santo). - Trainer: Tedesco
Schiedsrichter: Brand (Unterspiesheim)
Zuschauer: 42.100 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Gebre Selassie, Hajrovic - Kehrer, Stambouli



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