Schalkes Sieg in Köln Königsblau durch die rosarote Brille

Am Mittwoch gab es Currywurst, am Wochenende Musik: Auf Schalke wird wieder gefeiert. In ihrer Euphorie verklärten die Spieler sogar das 0:0 in Frankfurt als Erfolgserlebnis.

Jubelnde Schalker nach dem Sieg in Köln
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Jubelnde Schalker nach dem Sieg in Köln

Aus Köln berichtet


In Nordamerika ist es guter Brauch, dass die Reporter nach dem Spiel mit in die Kabine gehen, um sich ihre Zitate zu holen. In der Bundesliga sind die Katakomben klar aufgeteilt: dort die Sportler, hier die Journalisten, dazwischen eine Menge Sicherheitspersonal. Man hätte aber schon gern gewusst, wie es gerade in der Kabine des FC Schalke aussieht. Bereits am Mittwochabend, nach dem 3:2-Sieg über den HSV, wurden zur Feier des Tages Pils und Currywurst geliefert. Nun in Köln, wo die Schalker 3:1 gewannen, wummerten die Bässe in Diskolautstärke bis zur Mixed-Zone herüber.

Die Laune ist wieder blendend bei den Herren in Königsblau. Zwei Siege, eine schwächelnde Konkurrenz und der Sprung auf Platz vier machen es möglich. Als hätte es das Theater nach dem 0:3 gegen Donezk und dem 0:0 in Frankfurt in der Vorwoche nie gegeben. Torwart Ralf Fährmann brachte gar das Kunststück fertig, den biederen Auftritt am Main in die kleine Erfolgsserie zu integrieren: "Wir haben schon in Frankfurt Moral gezeigt nach dem schlechten Spiel gegen Donezk." Macht also drei ordentliche Auftritte mit sieben Punkten innerhalb einer Woche. So kann es gehen auf Schalke.

Dass nach der Untergangstimmung aber jetzt nicht gleich das königsblaue Paradies auf Erden ausgerufen wird, war auch den Spielern klar. Dafür war die spektakuläre erste Hälfte in Köln mit zahlreichen Abwehrfehlern und Großchancen auf beiden Seiten einfach zu wild. "Wenn wir Pech haben, können wir drei, vier Tore in der ersten Halbzeit kriegen", sagte Max Meyer, der nach Klaas-Jan Huntelaars frühem Elfmetertor (2. Minute) das 2:0 (23.) besorgt hatte.

Doch anstatt danach das Risiko zu minimieren, spielten die euphorischen Schalker weiter mutig nach vorne und suchten selbst in höchster Not die spielerische Lösung. 9:11 Torschüsse hatten die Statistiker nach 45 Minuten gezählt. Trotzdem fiel nur ein weiteres Tor durch Leonardo Bittencourt zum 1:2 (33.). Ein "brutal attraktives Spiel" sei das gewesen, fand Schalke-Coach André Breitenreiter, "als Trainer wird man schon mal wahnsinnig da draußen".

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Weil die zweite Hälfte ruhiger wurde und Schalke spätestens nach dem 3:1 von Franco Di Santo (76.) gewonnen hatte, konnten Breitenreiter die Gerüchte um seine Person so gar nicht wahnsinnig machen. Zuletzt hieß es, Bald-Manager Christian Heidel habe bereits mit dem Ex-Gladbacher Lucien Favre gesprochen. "Das interessiert mich nicht", sagte Breitenreiter knapp, "wir wissen alle, dass auf Schalke großes Interesse besteht, immer wieder Unruhe reinzutragen. Von außen, um es ganz bewusst zu sagen."

Andere hatte das mehr mitgenommen. Noch-Manager Horst Heldt zum Beispiel, der so gern in Harmonie scheiden würde. Schon am Mittwoch hatte er Breitenreiter eine Job-Garantie ausgesprochen. Einen Sieg später war er froh, dass die Trainerdiskussion "wahrscheinlich etwas abebbt". Torwart Fährmann nannte sie gar "brutal". Immer wieder werde "ein Feuer aufgemacht. Erst gab es die Manager-Diskussion, dann ist das geklärt, dann wird der Trainer infrage gestellt. Jetzt haben wir zweimal gewonnen, daher lachen wir jetzt und sind gespannt, was morgen neu aufgemacht wird." Vielleicht werde ja jetzt "der Platz schlechtgeschrieben, oder die farbigen Schuhe".

Dass André Breitenreiter eine Idealbesetzung ist, daran gebe es keinen Zweifel. "Mehr engagiert kann man nicht sein. Er findet immer genau die richtigen Worte", sagte Fährmann und gab zu bedenken, dass Leistungsschwankungen für junge Mannschaften normal seien. Die würden auch wiederkommen, für die Champions League reiche es noch lange nicht.

Das habe die Mannschaft auch mit Manager Heldt besprochen, der öffentlich angekündigt hatte, seinem Nachfolger ein bestelltes Feld zu hinterlassen, also einen Königsklassen-Teilnehmer. Laut Fährmann wachse aber gerade erst "ein gewisses Fundament", es gehe darum, langsam zu reifen, um "in den nächsten Jahren konstant Champions League zu spielen". Ob das auf Schalke möglich ist, wo nach jeder Niederlage Endzeitstimmung herrscht? "Es wird schwer, wenn man sich immer wieder mit negativen Dingen beschäftigen muss."



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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
kopfballungeheuer 05.03.2016
1. Seit Jahrzehnten, lieber FC Meineid!...
...hält man Euch die Hand vor die Fott, aber Ihr bekommt es nicht gebacken. Tja. Ich weiß, jetzt lacht Ihr noch. Aber wie lange noch?
cocinero 06.03.2016
2.
Anstatt jetzt mal einen ausführlichen Artikel zum Spiel gestern zu bringen wird wieder nur über den Trainer geschrieben - total überflüssig! Keinen Schalke Fan oder sonst jemanden interessiert das Thema. Der Sieg gestern ist doch viel wichtiger.
Mähtnix 06.03.2016
3.
Zitat von cocineroAnstatt jetzt mal einen ausführlichen Artikel zum Spiel gestern zu bringen wird wieder nur über den Trainer geschrieben - total überflüssig! Keinen Schalke Fan oder sonst jemanden interessiert das Thema. Der Sieg gestern ist doch viel wichtiger.
Vor allem kein Wort darüber, dass vier Fehlentscheidungen des Schiris das Spiel entschieden: 1. Höjbjerg führte vor dem Elfmeter den Ball mit dem Arm. 2. und 3. Lehmann und Mladenovic wurden im Strafraum gefoult. Mladenovic wurde dafür bestraft, dass er sich nicht fallen ließ. So provozieren die Schiris Theatralik ala Robben. 4. Das Tor von Modeste war kein Abseits. Einfach Mist :-(
Sal.Paradies 06.03.2016
4. Träumt weiter
Soso, Hr.Held möchte gerne ein "bestelltes" Feld überlassen, was dann als "CL-Teilnehme" verortet wird? Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies Realität wird, da die Schalker einfach nicht die Klasse für gehobenen Fussball haben. Das einzige, was für Schalke spricht ist, dass auch alle anderen Kandidaten (Hertha ausgenommen) unstete und mitunter grottige Leistung abliefert, so wie eben die Schalker auch. Wer das Spiel in Frankfurt gesehen hat, weiß wovon ich spreche. Und der Punkt letzte Woche gegen Stuttgart war, wie so oft dieses Jahr, Dussel ohne Ende. Viele BuLi-Fans mosern, dass sich eine 3klassen-Gesellschaft (Bayern-Dortmund+der Rest) etabliert. Aber mal ehrlich. Wie sollte es denn anders sein, wenn lediglich Bayern+Dortmund "stabil" spielen? Hertha nehme ich ausdrücklich aus, weil die für ihre Verhältnisse, guten+souveränen Fussball abliefern. Angesichts der Etat`s dürfte die Alte Dame gar nicht auf dem 3.Platz stehen, aber genau daran sieht man, welche Grottenleistung all die teuren Teams abliefern.... ;-)
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