Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Schalker Niederlage: Aus der Not eine Jugend

Aus Gelsenkirchen berichtet

Schalke-Profi Ayhan (l.): Exzellente Qualität Zur Großansicht
DPA

Schalke-Profi Ayhan (l.): Exzellente Qualität

Die Champions League muss sich Schalke nach der Niederlage gegen Leverkusen wohl abschminken. Dabei braucht der Klub die Einnahmen, um den Kader zu verändern. Er könnte auch auf die Jugend setzen - aber will der Trainer das?

Als es in den Katakomben der Arena an die Nachbesprechung der 0:1-Niederlage gegen Leverkusen ging, herrschte Uneinigkeit unter den Schalkern. War es das jetzt mit dem Kampf um die direkte Qualifikation für die Champions League, angesichts der sechs Punkte Rückstand auf Bayer? "Ja, so kurz nach dem Spiel kann man das schon mal sagen. Sechs Punkte sind viel. Wir sind mit ganz anderen Ambitionen in das Spiel gegangen", sagte Marco Höger.

Auch der genervt wirkende Klaas-Jan Huntelaar stellte nach nur einem Sieg aus den jüngsten sechs Bundesligaspielen mit eisigem Blick fest, dass es jetzt "nicht einfach sein wird". Aber ganz aufgeben wollte der Stürmer dann doch nicht, sie hätten ja "noch acht Spiele". "Solange es theoretisch möglich ist, müssen wir dran glauben", so klang der Zweckoptimismus aus dem Mund von Trainer Roberto Di Matteo. Was Rhetorik und Gemütslage angeht, dieser Schalker Fußballabend hatte etwas von Abstiegskampf.

Fotostrecke

14  Bilder
Schalke in der Einzelkritik: Sanés Demütigung
Dabei geht es in den verbleibenden Spieltagen eigentlich nur um die Frage, in welchem Europapokal die Gelsenkirchener in der nächsten Saison spielen: Champions oder Europa League. Doch die Antwort auf diese Frage könnte die komplette Ausrichtung der Zukunft beeinflussen.

Unter der Woche hatte Finanzvorstand Peter Peters die Zahlen für 2014 vorgelegt. Trotz eines Gewinns von 4,2 Millionen Euro machte er deutlich, wie wichtig die erneute Champions-League-Qualifikation für Schalke ist. Zwar sei die Reduzierung der horrenden Schulden auf unter 100 Millionen Euro bis 2019 "unabhängig von jedem Wettbewerb" gesichert. Aber ob der für den Sommer geplante Umbruch im Kader auch ohne die CL-Einnahmen vollzogen werden kann, ist fraglich. Gerade mit Blick auf die jährlich 90 Millionen Euro Spielergehälter, nach den Bayern der zweithöchste Wert aller Bundesligisten.

Sportlich reicht es trotzdem nicht für Platz zwei. Und um das zu ändern, wollen die Schalker im Sommer eigentlich weiteres Geld in die Hand nehmen. Was die Niederlage gegen Leverkusen für die eventuelle Verpflichtung des umworbenen Sami Khedira von Real Madrid bedeute, ließ Manager Horst Heldt unbeantwortet. Schwer vorstellbar, dass Khedira Lust auf die Europa League hat.

Fotostrecke

8  Bilder
Schalkes Niederlage gegen Bayer: Die Bellarabi-Show
Es sieht so aus, als müssten sich Heldt und Di Matteo vom großen Sprüngen verabschieden. Die Frage ist nur, ob sie das Team auch ohne Scheckbuch weiterentwickeln können. Erst vor zwei Wochen hatten sie für einen eher unspektakulären Innenverteidiger wie Matija Nastasic 9,5 Millionen Euro an Manchester City überwiesen.

Nun werden Stimmen lauter, künftig nicht mehr nach denen zu suchen, die bei den Top-Klubs durchfallen, sondern mehr auf die eigene Jugend zu setzen. Denn die ist in exzellenter Qualität vorhanden. Mit Kaan Ayhan, 20, Leon Goretzka, 20, Max Meyer, 19, Leroy Sané, 19, und Felix Platte, 19, verfügen die Schalker über viele Talente, die gemeinsam mit etablierten Eigengewächsen wie Benedikt Höwedes, 27, und Julian Draxler, 21, den Stamm der nächsten Jahre bilden könnten.

Das Problem ist nur, dass Di Matteo nicht allzu viel von der Idee zu halten scheint, mehrere von ihnen gleichzeitig einzusetzen. Dass gegen Leverkusen gleich drei von Beginn an ran durften, war eher Zufall. Kaan ersetzte den gesperrten Höwedes, an Meyer und Sané kam der Trainer wegen ihrer jüngsten Gala-Auftritte gegen Hoffenheim (3:1) und in Madrid (4:3) nicht vorbei. Dabei hatte er beide lange Zeit gar nicht auf dem Zettel und setzte sie in den vergangenen Wochen eher notgedrungen ein, weil das Schalker Volk nach den biederen Auftritten zum Jahresanfang nach mehr Spektakel gerufen hatte.

Noch einen Knick können die Schalker nach diesem Spiel auch nicht gebrauchen.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Norbert Elgert
H.Schirmer 22.03.2015
"Denn die [eigene Jugend] ist exzellenter Qualität vorhanden.": in diesem Zusammenhang sollte SPON mal Norbert Elgert würdigen. Seine (ehemaligen) Jungs spielen in ganz vielen Top-Clubs. Was er für den deutschen Fußball in den letzten Jahren/Jahrzehnten mehr oder weniger aus der zweiten Reihe geleistet hat, ist phänomenal - Özil, Draxler, Höwedes, Neuer, Meyer.
2. Absolut
Ihr5spieltjetzt4gegen2 22.03.2015
Ich kann das nur unterstreichen. Norbert Elgert und die Knappenschmiede - das ist wohl das beste, was im deutschen Fußball an Nachwuchsarbeit auf Clubebene zu finden ist.
3. Na ja - mal die Kirche im Dorf lassen …
mariowario 22.03.2015
Schalke's Schwäche ist die dubiose In-Konstanz der Mannschaftsleistung. Boateng ist sicher ein genialer Spieler der offenbar schlecht in seiner Fitness trainiert wird. Höwedes hat Aussetzer wie Kramer und Draxler war schon lange nicht mehr auf dem Platz. Marco Höger ist eine Steigerung gelungen und auch andere Spieler verbessern sich im Kader, aber im Moment hatte di Matteo zuwenig Zeit den Kader dichter aufzubauen - das basiert mehr auf Ausfällen als bei Schmidt's oder Favre's Rotation-Schemen. Meyer ist sicher schon reif - genauso wie Ayhan und Sané, bei Platte würde ein Exkurs in einen kleineren Bundesligisten sicher helfen (ähnlich wie bei Bayerns Dänen). Borussia, Leverkusen und Wolfsburg sind konstante Fußball-Maschinen die auch gegen den FCB bestehen können, aber Schalke ist zur Zeit eher eine BlackBox und der Trainer kann zwar ein bis zwei Akzente setzen - das bringt momentan aber keine konsistente Mannschaftsleistung. Aufgrund der Spielerqualität sieht Schalke noch nicht so schlimm aus wie Hertha (wo ab und zu nur so ein Typ wie Romy leuchtet).
4.
ambergris 22.03.2015
Als Gladbachfan kann ich leider noch nicht behaupten, dass Schalke aus dem Champions League-Rennen ist. Gladbach hat noch ein hartes Restprogramm. Besonders interessant wird das Spiel gegen Leverkusen.
5.
johankeuning 22.03.2015
Schalke 04, KGB Gas Maffia als Sponsor und Fleischmaffia als vorsitzender, dar ist der verein selber schuld. Mach ein neu Anfang und bau was gutes auf mit menschen und Sponsoren die Leidenschaft für Fußball haben und früher Fußballer waren.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Bundesliga: Die Highlights der Hinrunde

Fotostrecke
Millionen für Spieler: Die teuersten Bundesliga-Transfers

Themenseiten Fußball
Tabellen


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: