Krawalle nach Bundesliga-Spiel Schalke fordert Gewaltverzicht - Fans erheben Vorwürfe

Mitglieder der Schalker Ultra-Gruppierung "Hugos" müssen schriftlich einen Gewaltverzicht erklären, andernfalls droht der Bundesligist mit Stadionverboten. Die Fans wehren sich - sie fühlen sich vorverurteilt.

Polizei und Schalker Fans
DPA

Polizei und Schalker Fans


Der FC Schalke 04 geht gegen gewaltbereite Fans vor. Nach Angaben der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" schrieb der Klub 140 Mitglieder einer Ultragruppierung an. Sie werden demnach aufgefordert, innerhalb von sieben Tagen eine vorformulierte Stellungnahme mit dem Verzicht auf Gewalt zu unterschrieben und an den Verein zurückzuschicken. Schalke drohe mit Stadionverboten und dem Entzug von Dauerkarten. Nur wer das Schreiben akzeptiert, dürfe weiter die Spiele in der Arena auf Schalke besuchen - allerdings auf Bewährung.

Anlass für das Vorgehen waren Krawalle nach dem Bundesliga-Spiel gegen den VfL Wolfsburg am 6. Februar, als es am Gelsenkirchener Hauptbahnhof zu einer Auseinandersetzung zwischen einer großen Personengruppe und Polizeibeamten gekommen war. Laut Behörde wurden die Polizisten mit Steinen und Flaschen attackiert. Dabei seien 22 Beamte verletzt worden. Anschließend zogen sich die Täter in das nahe gelegene Vereinsheim der Schalker Fangruppe "Hugos" zurück. Bei der Durchsuchung wurden von 140 Anhängern die Personalien aufgenommen.

"Die Hugos sind regelmäßig auffällig. Wir haben angesichts der Attacke gegen die Polizeibeamten nach dem Wolfsburg-Spiel nun zu dieser Maßnahme gegriffen, um ein Zeichen zu setzen, dass wir dieses Verhalten nicht tolerieren", erklärte Schalkes Finanzvorstand Peter Peters.

Indessen erhebt die "Königsblaue Hilfe" in einer Mitteilung Vorwürfe gegen den Verein und die Polizei. Der Rechtshilfe-Verein der Schalker Fanszene hat eine andere Sicht auf die Dinge. Demnach habe es am 6. Februar zwar eine Auseinandersetzung am Bahnhof gegeben, es sei aber noch unklar, was genau vorgefallen ist. Die Polizei habe die Täter damals sofort im Lokal der "Hugos" vermutet. Deswegen seien alle dort Anwesenden einer Straftat verdächtigt und kontrolliert worden - angeblich unabhängig von einem begründeten Verdacht.

So hätten auch "nicht 140 Mitglieder der Hugos" dieses Schreiben erhalten, sondern all jene von der Polizei kontrollierten Personen. Aus Sicht der "Königsblauen Hilfe" stelle die Datenweitergabe der Polizei an den FC Schalke 04 zudem eine Datenschutzverletzung dar. Der Rechtshilfeverein werde deswegen Klage erheben.

elo/sid



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