Huntelaar-Gala gegen Enschede: Der Jäger und seine Beute

Von , Gelsenkirchen

Nur noch drei Runden bis zum großen Traum: Schalke hat Twente Enschede im Achtelfinale der Europa League besiegt, jetzt scheint auf einmal alles möglich. Den Weg ins Finale soll der Held des Abends bereiten - Stürmerstar Klaas-Jan Huntelaar.

EL-Achtelfinale: Huntelaars Drei-Tore-Show Fotos
AP

Die Beute des Abends war sicher verstaut - und Klaas-Jan Huntelaar präsentierte sie mit dem Stolz eines dreifachen Torschützen. Einen Moment lang hantierte Schalkes Goalgetter noch an seiner dunkelgrauen Sporttasche herum, dann war der Reißverschluss offen und der Blick frei auf den Spielball, den sich der 28-Jährige nach dem 4:1 gegen den FC Twente unter den Nagel gerissen hatte. Als Belohnung für seine Treffer Nummer elf bis dreizehn in der laufenden Europa-League-Saison, in der die Gelsenkirchener mittlerweile im Viertelfinale stehen - nur noch drei Schritte vom großen Ziel entfernt.

1997 gewann Schalke den Wettbewerb, der damals noch Uefa-Cup hieß, schon einmal. Trainer damals: Huub Stevens, der genau wie heute während der Saison zum Verein stieß. Die Schalker Fans schwelgten spätestens nach dem dritten Tor des "Hunters" zum 4:1 in der 81. Minute in Erinnerungen an die gute alte Zeit.

Nach dem heiß diskutierten 0:1 im Hinspiel war die Stevens-Elf im Viertelfinale. Kurz vor Mitternacht musste der niederländische Nationalspieler natürlich auch zu den Schalker "Eurofightern" von 1997 Stellung nehmen: "Ja, den Namen kenn' ich", sagte er zwar. Von den Protagonisten von einst fiel ihm allerdings nur Youri Mulder ein, heute Co-Trainer bei Twente. Ob der ihm etwas von damals erzählt hat? "Ja", antwortete Huntelaar da, "dass er verletzt war."

Beim FC Schalke erinnert man sich gern an die gute alte Zeit. Jetzt könnte sie international wieder aufleben, mit anderen Protagonisten. Vor zwölf Monaten manövrierte sich der Revierclub, erst unter Felix Magath, dann unter Ralf Rangnick, bis ins Halbfinale der Champions League. Seine Hauptakteure hießen Manuel Neuer, Jefferson Farfán, Hans Sarpei oder Raúl.

Gegen Enschede, als die Hausherren einen frühen 0:1-Rückstand wettmachten, stachen nun heraus: Klaas-Jan Huntelaar, der im Vorjahr noch unter Ladehemmungen litt. Sowie Dauerrenner Jermaine Jones, der einst von Magath aussortiert worden war, nach England ging und nach seiner Rückkehr auch unter Rangnick rasch in Vergessenheit geriet.

"Auf und neben dem Platz enorm wichtig"

"Aber dann kam Huub Stevens - und dann kam meine Zeit", sagte der US-Nationalspieler und berichtete von einer herbstlichen Unterredung mit dem Niederländer: "Er hat mir gesagt: 'Du bist ein positiver Leader, du kannst die Spieler mitziehen. Einen wie dich braucht die Mannschaft.'"

Schalke hat sich von den großen Stars der Magath-Ära entweder - wie im Fall Farfán - innerlich schon verabschiedet. Oder bietet ihnen - wie beim 34-jährigen Stürmerstar Raúl - nur noch einen Einjahresvertrag zu deutlich verringerten Bezügen an.

Bei Huntelaar (Vertrag bis 2013) würde sich der Club eine solche Offerte nicht erlauben. Ein Ein-Jahres-Angebot wie für Raúl? "Das werden wir bei ihm sicherlich nicht machen", sagt Schalkes Manager Horst Heldt, kündigt im Vertrags-Fall Huntelaar "definitiv Gespräche vor der EM und auch noch in der laufenden Saison"

Der Mann, der am späten Donnerstagabend im hellgrünen Trikot von Twentes Ersatzkeeper Sander Boschker in der Nordkurve den Leadsänger gab, ist nicht nur sechs Jahre jünger als Raúl und deutlich pflegeleichter als Farfán - er kommt in dieser Saison zudem auf die sensationelle Quote von 37 Treffern in 37 Pflichtspielen.

Die herausragende Bedeutung des Niederländers für Schalke will Held aber nicht nur daran festmachen: "Er ist ein sehr angenehmer Mensch, der für uns nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz enorm wichtig ist." Denn: "Er kommt bei den Leuten hier gut an."

Schalke 04 - Twente Enschede 4:1 (1:1)
0:1 Janssen (14.)
1:1 Huntelaar (29.)
2:1 Huntelaar (57., Handelfmeter)
3:1 Jones (71.)
4:1 Huntelaar (81.)
Schalke: Hildebrand - Uchida, Papadopoulos, Matip, Fuchs - Jones (88. Moritz), Holtby - Farfán (86. Marica), Raúl, Draxler (90.+2 Obasi) - Huntelaar
Enschede: Mihaylov - Tiendalli, Douglas, Bengtsson, Rosales - Brama (76. Plet), Janssen, Leugers (51. Fer) - Bajrami (58. John), de Jong, Chadli
Schiedsrichter: Kassai (Ungarn)
Zuschauer: 54.142 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Fuchs (2), Huntelaar, Holtby - Rosales (3), Leugers, Tiendalli (2), Janssen (3), de Jong

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Fehler!
Andreas Rolfes 16.03.2012
Zitat von sysopDie Schalker Fans schwelgten spätestens nach dem zweiten Tor des "Hunters" zum 3:1 in der 74. Minute in Erinnerungen an die gute alte Zeit.
Sehr geehrter Autor, fällt Ihnen etwas auf??? Etwas mehr Sorgfalt würde der sinkenden Qualität bei SpOn sehr entgegen kommen.
2.
TLR9 16.03.2012
Zitat von Andreas RolfesSehr geehrter Autor, fällt Ihnen etwas auf???
Sogar die Spielminute stimmt nicht mit dem Spielbericht überein ;-). Nach einem Rückstand so zurück zu kommen - alle Achtung! Die Stimmung im Stadion konnte man selbst am Fernseher mitbekommen. Und ich bin kein Schalke-Fan! Huub Stevens und Schalke passt einfach. Aber die einseitige Darstellung gegenüber Felix Magath gefällt mir nicht. Die Verpflichtung von Klaas-Jan Huntelaar auf Drängen von Magath war umstritten. Im Gegenzug wurde der Vertrag mit Kevin Kuranyi (eine Entdeckung von Magath beim VfB Stuttgart) nicht verlängert hat. Nachwuchsspieler wie Julian Draxler und Christoph Moritz hatte Magath entdeckt und gefördert. Magath und Schalke passte aber halt einfach nicht! Und Jermaine Jones ist mit Sicherheit kein "pflegeleichter Spieler". Sein Wechsel zum US-amerikanischen Verband verlief im Unfrieden mit Jogi Löw. In der Bundesliga war er bis zum 1. März gesperrt, weil er Marco Reus im DFB-Pokalspiel vorsätzlich auf den Fuß getreten ist. Ich muss aber auch anerkennen, dass Jermaine Jones gestern alles für die Mannschaft gegeben hat und neben Huntelaar der beste Spieler auf dem Platz war. Das man einem 34-jährigen Spieler wie Raul nur einen Einjahres-Vertrag zu reduzierten Bezügen anbietet, ist nichts außergewöhnliches. Aber dennoch ist er um Klassen besser als Adriano (30), der mal wieder auf Jobsuche ist.
3.
Robert_Rostock 16.03.2012
Zitat von Andreas RolfesSehr geehrter Autor, fällt Ihnen etwas auf??? Etwas mehr Sorgfalt würde der sinkenden Qualität bei SpOn sehr entgegen kommen.
Nein, das ist Absicht. Das ist das tolle neue SPON-Sportangebot, man will sich so vom Einerlei der sonstigen Berichte absetzen. Ist doch langweilig, wenn alle die gleichen Ergebnisse, Torschützen, Spielstädne melden.
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