Schalke in der Champions League: Unverdienter Triumph

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Der Angsthasenfußball von Schalke 04 wäre manchem Trainer peinlich - trotzdem spielen die "Königsblauen" in der kommenden Saison in der Champions League. Auch weil ihnen der SC Freiburg mit einem Eigentor den Sieg im Bundesliga-Endspiel schenkte.

Schalke-Spieler Jones: In Körpersprache und Einsatz ein Vorbild für die Kollegen Zur Großansicht
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Schalke-Spieler Jones: In Körpersprache und Einsatz ein Vorbild für die Kollegen

Hamburg - Die Musik wummerte laut, ein Animateur forderte zum Mitmachen auf. Und doch wollte bei der Saisonabschlussfeier des SC Freiburg keine Stimmung aufkommen - zumindest nicht bei den Freiburg-Fans. Ganz anders bei den Schalker Anhänger: Einige Hundert hatten beschlossen, den Abend im Breisgau ausklingen zu lassen. Sie feierten die Qualifikation zur Champions League und versöhnten sich mit einer Saison, die lange Zeit als rettungslos verkorkst gegolten hatte.

Dass der 2:1-Sieg der Gäste ein bisschen grotesk war, interessierte zu diesem Zeitpunkt im Schalker Lager keinen mehr. Bereits kurz nach dem Schlusspfiff hatte niemand ein Hehl daraus gemacht, dass man doch reichlich vom Glück begünstigt worden war. Und dass die Leistung der Mannschaft nicht halbwegs auf Höhe dessen ist, was Spitzenclubs wie der FC Bayern, Dortmund oder Leverkusen zeigen.

Nur Jermaine Jones sagte, das Team habe "ein gutes Spiel gemacht" und "alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten". Eine Schutzbehauptung. Denn tatsächlich hatten sich die "Königsblauen" in der eigenen Hälfte versteckt und waren bei gegnerischem gemütlich Richtung Ball getrabt. Allerdings hatte Jones als einer der wenigen Schalker eine überzeugende Partie gezeigt und war von der Körpersprache bis zum Einsatz ein Vorbild für die Kollegen.

"Am Ende zählt nur das Ergebnis"

"Wir haben kein gutes Spiel gemacht", gab Schalke-Trainer Jens Keller immerhin zu. Der Coach, dessen Vertrag jüngst verlängert worden war, war "einfach nur wahnsinnig froh", dass die 90 Minuten genauso glücklich verliefen wie die gesamte Saison. "Am Ende zählt nur das Ergebnis." Dass das die beiden Trainer der Schalker Konkurrenten aus Freiburg und Frankfurt anders sehen - weder Armin Veh noch Christian Streich haben ihre Mannschaften auch nur einmal in dieser Saison einen so traurigen Fußball kicken lassen - ist naheliegend. Keller sah dennoch keinen Grund, sich für die drei Punkte zu entschuldigen. Zuletzt habe man auswärts einige Male attraktiven Fußball gezeigt, "dafür sind wir dann aber jeweils nicht belohnt worden".

In Freiburg wurden sie dafür reichlich belohnt.

Im Breisgau wurde hinter vorgehaltener Hand über den Schalker Schlafwagen-Fußball gelästert. Auch weil sich die Gastgeber sowohl bei der Schalker Führung als auch beim Eigentor zum Sieg "dämlich" anstellten, wie Mittelfeldmann Jan Rosenthal zu Protokoll gab. "Schalke hat nur lange Bälle geschlagen. Da wäre mehr drin gewesen" sagte er.

Allerdings beflügelten die beiden Tore die Schalker nicht, lediglich Jones strahlte Siegeswillen aus. Immer wieder musste der ballführende Spieler resigniert die Arme heben, weil kein Kollege anspielbar war. "Eigentlich ist das ein Kompliment für uns", sagte Freiburgs Matthias Ginter nach dem Schlusspfiff. "Wir haben nicht damit gerechnet, dass die Schalker sich so tief hinten rein stellen." Doch genau das taten sie - über 90 Minuten.

Eigentor von Julian Schuster

Der Schalker Führungstreffer durch Julian Draxler fiel dann auch mitten in die Freiburger Drangphase. Nach dem Wiederanpfiff schien sich das Blatt dann allerdings doch noch zu Gunsten der Freiburger zu wenden. Die Mannschaft spielte entschlossen nach vorne und kam durch Jonathan Schmid zum 1:1-Ausgleich (54.). Doch die Freiburger Freude hielt nicht lange an: Einen zu lässigen Rückpass von Cedric Makiadi nutzten Jones und Klaas-Jan Huntelaar zum Gegenangriff. Beim Klärungsversuch schoss Immanuel Höhn den eigenen Mann an - Julian Schuster produzierte ein Eigentor zum 1:2 (58.).

Nach dem Abpfiff wurde Christian Streich nach seinem Gefühlszustand gefragt. Ein Journalist fand, dass er für einen Trainer, der demnächst in der Europa League spielt, ein wenig zu griesgrämig dreinblicke. Streich hatte aber keine Lust, sich "auf Befehl" zu freuen. Dass sich sein Team Platz fünf gesichert habe, sei ihm derzeit egal. Er hadere mit den eigenen Fehlern. Und dem Umstand, dass dadurch beim Schalker Sieg in Freiburg "heute nicht die bessere Mannschaft gewonnen hat". Damit war er allerdings noch vergleichsweise euphorisch unterwegs. "Mir ist überhaupt nicht nach Feiern zu Mute", sagte Jan Rosenthal. Das übernahmen dafür die Schalker.

SC Freiburg - Schalke 04 1:2 (0:1)
0:1 Draxler (20.)
1:1 Schmid (54.)
1:2 Schuster (58., Eigentor)
Freiburg: Baumann - Mujdza (71. Hedenstad), Höhn, Ginter, Sorg - Schuster (77. Flum) - Schmid, Makiadi, Kerk (64. Santini) - Rosenthal, Max Kruse. - Trainer: Streich
Schalke: Hildebrand - Uchida, Höwedes, Matip, Kolasinac - Neustädter, Jones - Farfan (70. Christian Fuchs), Raffael, Draxler (80. Höger) - Huntelaar (90. Barnetta). - Trainer: Keller
Schiedsrichter: Brych
Zuschauer: 24.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Ginter (4), Makiadi (4) - Farfan

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