Von Jan Reschke
Wenn Schalkes Trainer Huub Stevens binnen weniger Sekunden seinem Team gleich dreimal ein Kompliment macht, muss es wahrlich Großes vollbracht haben. Dabei wirkt das nackte Ergebnis, das 2:2 (1:2) gegen Arsenal am vierten Spieltag der Champions League, an sich gar nicht so beeindruckend. Schließlich hatten die Schalker auswärts doch sogar 2:0 gegen die Engländer gewonnen.
Bei näherer Betrachtung kommt man aber nicht umhin, Stevens Worten beim TV-Sender Sky zuzustimmen. Was seine Mannschaft vor und nach dem frühen 0:2-Rückstand nach Toren von Theo Walcott (18.) und Olivier Giroud (26.) zeigte, war einer Spitzenmannschaft würdig. Spielerisch dominierte der Bundesligist seinen Gegner nahezu über die gesamte Spielzeit und kam folgerichtig noch zum Ausgleich durch Klaas-Jan Huntelaar (45.+2) und Jefferson Farfán (67.).
Noch viel beeindruckender aber war die Ruhe und Gelassenheit, mit der Schalke trotz des Rückstands sein Spiel weiter durchzog. Denn: "Wenn man 2:0 zurückliegt, muss man das erst mal verkraften", so Stevens. Und auch der sonst selten euphorische Jermaine Jones sagte respektvoll über die Leistung seines Teams: "Wir haben uns zurückgekämpft gegen eine Mannschaft, die international einen Namen hat."
"Das spricht für die Mannschaft"
Die Schalker spielten trotz des Doppelschlags ungerührt weiter nach vorne. Per Mertesacker, deutscher Nationalverteidiger in Diensten Arsenals, merkte denn auch treffend an, dass trotz der Führung seines Teams Schalke besser wirkte.
Der Glaube an die eigene Stärke ist gewachsen beim Bundesliga-Zweiten. Vor allem dank der Erfolge auswärts beim Revierrivalen Borussia Dortmund und im vergangenen Champions-League-Spiel gegen Arsenal.
Das neue Schalker Selbstverständnis beinhaltet auch, dass mit Rückschlägen deutlich gelassener umgegangen wird als noch zu Beginn der Saison. Nach der 2:3-Niederlage gegen Hoffenheim wäre es nicht überraschend gekommen, hätte Stevens reagiert und gewechselt. Doch er gab exakt derselben Elf die Chance zur Wiedergutmachung - und wurde nicht enttäuscht.
Schalke kann im eigenen Stadion alles klarmachen
Nun liegt der Club auf Rang eins in der Gruppe B, mit einem Punkt Vorsprung auf Arsenal und zweien auf Olympiakos Piräus, das gegen Montpellier 3:1 gewann. Bereits am 21. November (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) kann der Bundesligist im eigenen Stadion alles klarmachen fürs Achtelfinale.
Es wäre ein eminent wichtiges Signal für Schalke, dürften doch in der Winterpause die entscheidenden Gespräche rund um eine mögliche Vertragsverlängerung mit Torjäger Huntelaar anstehen. Und auch ein längerer Verbleib von Barcelona-Leihgabe Ibrahim Afellay könnte dank der zusätzlichen Einnahmen ein Thema werden.
Bis es tatsächlich so weit ist, muss sich das Team aber wohl zumindest damit abfinden, dass es die Lobeshymnen seines Trainers kaum toppen wird. Der sagte angesprochen auf den Rückstand seiner Elf: "Davor haben wir den besten Fußball in dieser Saison gespielt."
Schalke 04 - FC Arsenal 2:2 (1:2)
0:1 Walcott (18.)
0:2 Giroud (26.)
1:2 Huntelaar (45.+2)
2:2 Farfan (67.)
Schalke: Unnerstall - Uchida (25. Höger, 66. Kyriakos Papadopoulos), Höwedes, Matip, Christian Fuchs - Jones, Neustädter - Farfan, Holtby, Afellay - Huntelaar
Arsenal: Mannone - Sagna, Koscielny, Mertesacker, Vermaelen - Arteta, Wilshere - Cazorla (90.+1 Coquelin) - Walcott, Giroud, Podolski (90.+1 Santos)
Schiedsrichter: Nicola Rizzoli (Italien)
Zuschauer: 54.142 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Matip (2), Christian Fuchs, Jones (2) - Cazorla, Podolski
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