Schalker Siegesserie Die Erfolgswellen-Reiter

Das 2:1 des FC Schalke 04 im Top-Spiel gegen Leverkusen sieht nur auf den ersten Blick glücklich aus. Auf den zweiten offenbart sich ein konkreter Plan. Der vierte Sieg nacheinander zeigt, dass im Moment vieles richtig läuft bei Jens Kellers Team.

AP/dpa

Aus Leverkusen berichtet


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Das Spiel war schon ein paar Minuten vorbei, aber es brodelte noch in der Leverkusener Fußballarena. Selbst in den Katakomben war die Intensität der mitreißenden Partie noch allgegenwärtig. Die Schalker trugen ihre tätowierten Oberkörper zur Schau und brüllten ihre wilde Freude heraus, während die Leverkusener der Anweisung folgten, erst mal zu schweigen. Sie verschwanden schnaubend in der Kabine, wo sie herunterkühlen sollten nach dieser schmerzlichen 1:2-Niederlage gegen den Rivalen aus dem Westen.

Den Job des ersten Analysten übernahm daher Rudi Völler. "Wir haben gut gespielt, das ist eben manchmal Fußball: einen Tick ungerecht", sagte der Sportchef von Bayer 04 nach einem Spielverlauf, zu dem tatsächlich eher ein Unentschieden gepasst hätte. Aber Fußballspiele lassen sich nicht isoliert betrachten. Schalke reitet auf dieser Erfolgswelle von mittlerweile vier Siegen am Stück, während das Leverkusener Gefüge nach einer Serie von fünf Niederlagen in den letzten sieben Pflichtspielen ziemlich fragil ist.

Das war nicht nur in den Augen von Simon Rolfes ein Faktor in dieser Partie, die Bayer Leverkusen in den meisten Phasen dominiert hatte. "Wenn's läuft, dann läuft's halt", sagte Leverkusens Kapitän zum vermeintlichen Schalker Glück, das sich am deutlichsten zeigte, als in der Nachspielzeit ein Kopfball von Ömer Toprak vom Lattenkreuz zurück ins Spiel sprang.

Doch was auf den ersten Blick wie Glück aussah, hatte durchaus einen greifbaren Hintergrund. So war das brillant vollendete Tor von Leon Goretzka zum Schalker 1:0 (28. Minute) die Folge eines fürchterlichen individuellen Fehlers von Lars Bender. Das Spiel der Mannschaft von Trainer Jens Keller mag in vielen Phasen nicht so schwungvoll und energisch gewesen sein wie die Bemühungen der Leverkusener, die mit ihrem Druck irgendwann auch das 1:1 erzwangen (Eigentor von Felipe Santana, 66.). Aber schwere Aussetzer wie jener von Bender haben die Schalker schon lange nicht mehr produziert.

Und der Siegtreffer zum 2:1 war das Resultat eines konkreten Plans, den das Trainerteam unter der Woche ausgearbeitet hatte. "Wir haben gesehen, dass Leverkusen bei Freistößen von der Seite extrem tief steht", erzählte Schalkes Sportchef Horst Heldt. Im Training und einer Videositzung sei erläutert worden, wie sich das nutzten lasse. Und prompt verlängerte Klaas-Jan Huntelaar einen exakt geschlagenen Ball von Jefferson Farfán ins Tor (74.). "Ein Scheißdreck ist das", sagte Leverkusens Philipp Wollscheid, "wir waren drauf und dran, das 2:1 zu machen, und die machen´s."

Farfán erinnert an Robben und Ribéry

Die Vorlage zu dem Tor war bereits Farfáns fünfter Scorerpunkt in der Rückrunde, noch erstaunlicher als die Offensiv-Akzente des Peruaners finden die Verantwortlichen jedoch, dass er plötzlich gewaltige Sprintstrecken in die eigene Hälfte zurücklegt, am Strafraum grätscht und sich selbstlos in gegnerische Schüsse wirft. Vermutlich ist dieses neue Element in Farfáns Spiel ein Ergebnis der Gespräche, die Peter Herrmann in der Winterpause führte.

Kellers Co-Trainer gewann ja in der Vorsaison an der Seite von Jupp Heynckes mit dem FC Bayern die Champions League und berichtete im Trainingslager mit großer Überzeugungskraft davon, dass die gewachsene Bereitschaft von Arjen Robben und vor allem Franck Ribéry ein zentrales Element der Münchner Erfolge sei. Nun scheint Farfán ähnliche Fortschritte zu machen wie die beiden Außenstürmerkollegen.

Irgendwie fügen sich derzeit viele kleine königsblau-weiße Steine zu einem Mosaik des Erfolges. Auch die neue Rolle von Kevin-Prince Boateng gehört dazu. Zwar hat der Exzentriker seit seiner Versetzung ins defensive Mittelfeld an Torgefahr eingebüßt, aber seine Ruhe und seine Ballsicherheit strahlen von dieser Position in alle Mannschaftsteile aus. Und nicht zuletzt scheint Schalke seit Manuel Neuers Wechsel zum FC Bayern mit Ralf Fährmann wieder einen Torhüter zu besitzen, der Spiele gewinnen kann.

Jenseits allen Glückes, das nötig war, um die Druckphasen der Werkself zu überstehen, habe "ein überragender Torwart" den Weg zum Sieg in Leverkusen geebnet, sagte Keller. Am treffendsten fasste irgendwann Horst Heldt das Schalker Befinden zusammen: "Das ist ein Sieg, der wirklich glücklich macht."

Bayer Leverkusen - Schalke 04 1:2 (0:1)
0:1 Goretzka (28.)
1:1 Santana (66.)
1:2 Huntelaar (74.)
Leverkusen: Leno - Hilbert, Wollscheid, Spahic (59.Toprak), Boenisch - Bender (87. Hegeler), Rolfes, Can - Castro, Kießling, Son (82. Brandt)
Schalke: Fährmann - Hoogland (88. Papadopoulos), Matip, Santana, Kolasinac - Boateng, Neustädter - Farfán (84. Ayhan), Meyer, Goretzka (79. Fuchs) - Huntelaar
Schiedsrichter: Weiner
Zuschauer: 30210 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Spahic (4), Bender, Boenisch (2), Can (5) - Goretzka, Matip (3), Farfán (2)
Schüsse: 13 / 11
Ballbesitz: 59% / 42%
Laufleistung in Kilometer: 114,93 / 116,22

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kone 16.02.2014
1. Bei S04 ...
Zitat von sysopAP/dpaDas 2:1 des FC Schalke 04 im Topspiel gegen Leverkusen sieht nur auf den ersten Blick glücklich aus. Auf den zweiten offenbart sich ein konkreter Plan. Der vierte Sieg nacheinander zeigt, dass im Moment vieles richtig läuft bei Jens Kellers Team. http://www.spiegel.de/sport/fussball/schalke-setzt-erfolgsserie-fort-koenigsblaues-mosaik-a-953772.html
... muss man ja immer sehr vorsichtig sein, inwiefern sich positive Entwicklungen dort, letztlich auch stabilisieren können ... Aber .... : im Moment scheinen verhältnismäßig viele, der üblicherweise sehr heterogenen und durch persönliche Eitelkeiten angetriebenen Schalker Protagonisten ihren Platz gefunden zu haben, und an einem Strang zu ziehen. Für Keller und Heldt ist das sehr komfortabel, zumal sich die Mannschaft u.a. durch die geschickte Verpflichtung Kevin Prince Boatengs auf dem Rasen de facto selbst führt! Ich hoffe, daß der Erfolg diesmal langfristiger und seriöser ist, als die "Strohfeuer" vergangener Jahrzehnte!
TheBlind 16.02.2014
2.
SpOn und Fussball, ohje... es waren zwei geschenkte Tore der Bayer Leute zu einem Geschenk der Schalke als Dank sozusagen... es hat das dämlichere Team verloren, nicht da clevere gewonnen... Cu.
argonaut-10 16.02.2014
3. Auch ich wünsche
Schalke endlich mal Stabilität; die Mannschaft war mir nie symphatisch und ich bin Leverkusen Fan. Die spielen seit nun beinahe jahrzehnten auf Top Niveau. Leverkusen fehlt leider der Wille zur No.1 und Schalke hat sich immer selbst zerstört... 2 Mannschaften, die es verdient hätten ganz oben zu stehen... viel Erfolg dabei und macht den Bayern das Leben schwer... Nebenbei... diese Analyse über mannschaftsdienliche Spielweisen ist Key. Ein Spieler, der das heute nicht mehr mitbringt, ist ein Auslaufmodell.
Levator 16.02.2014
4. eine Schwalbe
macht noch keinen Sommer. Bei 04 ist der Aufwärtstrend überschaubar, relativ wackelig und ziemlich unsicher. Die nächste Niederlage ist Programm. Spätestens auf internationalem Parkett und dann wird wieder gejammert... Insofern kämpft ein gewisser Jens Keller tagtäglich um seine Reputation. Vertrauen sieht anders aus....
aurichter 16.02.2014
5. @ Levator
S04 mit JK macht nach einem tiefen Verletzungstal mit den entsprechenden Veränderungen in der Aufstellung einen hervorrsgenden Job. Jetzt wieder gleich alles ins Negative zu ziehen ist großer Bullshit, weil mit Real, und da braucht man kein Experte zu sein wie Sie, eine Mannschaft in der CL kommt, die jedes Team in Europa schlagen kann - aber nicht muss!! Die Spieler bei S04 haben scheinbar eine Philosophie von JK verinnerlicht die jetzt zum Erfolg führt. Dies bleibt kein Strohfeuer, zumal mit Sam und dem (vermutlichen) Abgang von Draxler schon Lücken geschlossen werden. Heldt sein süffisantes Lächeln bei Dopa lässt diese Spekulation zu. Und noch ist auch Real nicht in der nächsten Runde.
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