Schalke-Trainer Tedesco über Keeper Fährmann "Bin fast erleichtert, dass er auch mal Fehler macht"

Ralf Fährmann sicherte Schalke zuletzt mit konstanten Leistungen viele Punkte und galt auch als Kandidat für die Nationalmannschaft. Doch gegen Werder patzte der Keeper - sein Trainer nahm ihn in Schutz.

Ralf Fährmann
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Ralf Fährmann

Aus Gelsenkirchen berichtet


Das musste wohl einfach raus: Zlatko Junuzovic rannte zur Eckfahne und brüllte mit seinem österreichischen Akzent: "Wos is los, wos is los?" Der exzessive Jubel war verständlich, schließlich hatte Werders Mittelfeldspieler gerade auf Schalke das2:1 in der Nachspielzeit erzielt - und damit Bremen von den Abstiegsrängen geschossen.

Auch die anderen Bremer waren froh: "Das ist wichtig für den Kopf", sagte Maximilian Eggestein, dessen Adrenalinspiegel schon weit genug gesunken war, um den Erfolg richtig einzuordnen: "Wir haben uns das nicht so sehr verdient, wie wir uns das vielleicht in den vergangenen Spielen verdient gehabt hätten."

Werder, vor dem Anpfiff auf dem 16. Tabellen-Platz, gewann beim zuvor Dritten, obwohl die Leistung tatsächlich mäßig war. Dass dann doch Tore fielen, hatten beide Teams zunächst den Torhütern zu verdanken. Jiri Pavlenka, der bei Schalkes Führungstor einen Schuss von Jewhen Konopljanka durch die Hände flutschen ließ (24. Minute), konnte immerhin noch einen Sieg bejubeln. "Ich freue mich, dass wir ihm schwere Nächte ersparen konnten", sagte Eggestein.

"Das macht ihn menschlich"

Ralf Fährmann nahm die Schuldgefühle hingegen mit nach Hause: "Es tut mir für die Mannschaft leid." Die Niederlage resultiere dennoch mehr aus "Pech", sie "wird uns aber in keiner Weise zurückwerfen". Der Torwart verwies auf den "Entwicklungsprozess", in dem die "sehr junge Mannschaft" stecke. Bei einem Durchschnittsalter der Startelf von 26,3 Jahren klingt die Erklärung jedoch wenig plausibel.

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Noch auf dem Platz hatte sich Schalkes Torwart bei seinem Trainer Domenico Tedesco entschuldigt. "Aber das braucht er nicht. Ich bin fast erleichtert, dass er auch mal Fehler macht. Das macht ihn menschlich", sagte Tedesco. Fährmann hatte den Schalkern in dieser Saison viele Punkte gerettet, Experten und Fans sehen ihn als Kandidaten für die Nationalmannschaft.

Angreifer Franco Di Santo enttäuschte erneut

Umso überraschender, dass Fährmann einen harmlosen Schuss fallen ließ, wie es ihm vor dem 1:1 von Max Kruse (79.) passierte. Auch beim zweiten Tor der Bremer traf Fährmann eine Mitschuld. Tedesco lehnte es aber ab, einzelne Spieler für die zweite Heimniederlage der Saison verantwortlich zu machen. Stattdessen sagte er: "In Auswärtsspielen treten wir spritzig auf und mutig, daheim hingegen lethargisch." Zwischen der 45. und 75. Minute registrierte Tedesco dann eine "sehr gute Phase".

Das sah auch Bremens Trainer Florian Kohfeldt so: "Da hätten wir auch gut 0:3 hinten liegen können." Doch Schalke, das ist eine bekannte Schwäche, verlor an Elan, wurde passiver, zog sich zurück, um einen knappen Vorsprung zu retten. Der Platzverweis für Matija Nastasic (78., Gelb-Rot), der damit am kommenden Spieltag in der Partie beim FC Bayern München gesperrt sein wird, war eine Folge davon.

Der Innenverteidiger war nach seiner Verwarnung in der ersten Hälfte durch weitere Fouls aufgefallen, Tedesco wechselte ihn aber nicht aus. Ein Fehler - genau wie die Aufstellung von Franco Di Santo, der im Sturmzentrum gegen seinen ehemaligen Verein wieder einmal enttäuschte. Domenico Tedesco nahm das alles gelassen hin. "Wir ziehen uns nicht an Ergebnissen hoch, sondern an der Art und Weise, wie wir arbeiten."

Schalke 04 - Werder Bremen 1:2 (1:0)
1:0 Konopljanka (24.)
1:1 Kruse (79.)
1:2 Junuzovic (90.+3)
Schalke: Fährmann - Kehrer, Naldo, Nastasic - Caligiuri, Bentaleb (46. Goretzka), Meyer, Oczipka - Harit, Di Santo (65. Burgstaller), Konopljanka (70. Pjaca)
Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic, Moisander, Augustinsson - Delaney - Maximilian Eggestein, Gondorf (70. Junuzovic) - Rashica (56. Johannsson), Belfodil (90.+4 Langkamp) - Kruse
Schiedsrichter: Guido Winkmann
Zuschauer: 62.271 (ausverkauft)
Gelb-Rote Karte: Nastasic wegen wiederholten Foulspiels (78.)
Gelbe Karten: Kehrer (3) - Moisander (3)



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klasch2015 04.02.2018
1. Fehler
Ich bin der Meinung das Herr Tedesco einen großen Fehler gemacht hat. Di Santo, Bentaleb und Kono in der Startformation war ein riesen Fehler. Ok Fußball ist ein Laufspiel aber Herr Di Santo sollte es in der Leichtathletik versuchen, da muss man keine Tore schießen. Ergo..Mit Burgstaller, Goretzka und Pjaca ist man in der Startelf besser beraten.
freiheit46 04.02.2018
2. Mittelmaß
Wenn der Torhüter der beste Spieler ist, sollte man sich ganz andere Gedanken machen. M. Scholl hat schon recht. Die sog. Jungtrainer vermitteln keine Kreativität. Mit dem Lehrbuch für einstudierte Spielzüge unterm Arm kommt kein begeisterungsfähiger Fußball heraus, allenfalls Mittelmaß.
a.meyer79 04.02.2018
3. Nicht-Ergebnisorientiert?
Herr Tedesco orientiert sich nicht an Ergebnissen, sondern an der Art, wie die arbeiten. Das sag ich meinem Chef morgen auch mal :) Spaß beiseite. Schalke ist gut beraten dem Jungen zwei drei Saisons Zeit zu geben. Für die Euro League wird es reichen.
manicmecanic 04.02.2018
4. Sowohl als auch
Gut und richtig wenn Trainer hinter Spielern stehen.Aber das ist ja wohl übertrieben als Trainer zu sagen,man wäre froh wenn ein Tormann nicht hält.Blödsinn pur.
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