Von Peter Ahrens
Ein Derby lebt von Ritualen. Ein Ritual beim Duell zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund besteht darin, dass die Verantwortlichen beider Clubs im Vorfeld wohlfeile gemeinsame Erklärungen gegen Gewalt und Randale abgeben. Ein anderes ist, dass die Fans anschließend doch ihr eigenes Ding machen.
Vor dem Revierderby am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) kursieren Gerüchte über eine aufwendig geplante Pyrotechnik-Aufführung der Gelsenkirchener Fans. So sollen sich Schalke-Anhänger regelrecht zu Pyrotechnikern haben ausbilden lassen, um eine Aktion vor oder während der Partie so öffentlichkeitswirksam wie möglich zu gestalten - ungeachtet aller Abbrenn-Verbote durch DFB und die Deutsche Fußball-Liga DFL.
Sowohl bei den Fanprojekten als auch bei Verein und Polizei hält man sich allerdings bedeckt. Konkrete Anhaltspunkte für Aktionen seien nicht bekannt, heißt es von offizieller Seite. Aber angesichts der monatelangen Diskussionen um die Zulassung von Pyrotechnik in Stadien und das ernüchternde Ergebnis aus Fan-Sicht würde es niemanden überraschen, wenn die Anhänger etwas planen.
8000 Dortmunder Fans reisen mit zum Nachbarn
So wie im Hinspiel, bei dem Schalke-Fans sogar dafür sorgten, dass Schiedsrichter Florian Meyer die Partie in der 80. Minute unterbrechen musste, bis die bengalischen Feuer abgebrannt waren. Es war so ungefähr das einzige Mal, das Schalker in diesem Spiel auf sich aufmerksam machen konnten. Der BVB war beim 2:0-Erfolg im vergangenen November turmhoch überlegen gewesen.
Gut 8000 Dortmunder Fans werden am Samstag auf Schalke dabei sein - in froher Erwartung, nach dem 1:0 über den FC Bayern vom Mittwoch einem großen Schritt in Richtung Titelverteidigung beiwohnen zu können. Dortmund ist im Stimmungshoch, die schwarz-gelben Aussichten sind rosarot.
Aber auch für die Schalker steht viel auf dem Spiel. Durch das 1:4 beim 1. FC Nürnberg unter der Woche ist das an sich schon sicher geglaubte Saisonziel Platz drei und die damit verbundene definitive Champions-League-Teilnahme wieder in Gefahr geraten.
Der Optimismus unter den königsblauen Anhängern hält sich denn auch vor der 80. Auflage des Derbys in Grenzen. Im Fanforum gibt es einen eigenen Post mit der Überschrift "Wie die Austragung des Spiels verhindern". Da sind dann Ideen gesammelt wie "Luft aus dem BVB-Bus lassen. Für heftigen Schneefall sorgen, damit das Dach der Arena kaputtreißt. Die Halteseile des Videowürfels ansägen. Tore klauen". Oder: "Einfach gar nicht antreten und am grünen Tisch 0:3 verlieren. Ist immerhin besser als 0:6."
Zumindest verbal gibt sich die Mannschaft zuversichtlicher: "Ein Derbysieg ist für viele Menschen hier wichtiger als der Titel", sagt Christoph Metzelder, Schalkes Innenverteidiger mit langjähriger Dortmunder Vergangenheit. Sportdirektor Horst Heldt hat von einer "Verpflichtung" gesprochen, die Partie gegen Dortmund zu gewinnen, und Abwehrspieler Tim Hoogland kündigte an, "wir haben die Chance zur Wiedergutmachung. Wir werden alles dafür geben, um den Fans und der Stadt einen Sieg zu schenken".
Motivationshilfen zumindest benötigen die Gelsenkirchener in keinem Fall - das hat im Vorfeld bereits BVB-Reizfigur Kevin Großkreutz zur Genüge besorgt, als er nach dem Pokalhalbfinale in Fürth die Ex-Schalker Mike Büskens und Gerald Asamoah provozierte. Großkreutz wird auf Schalke in der Dortmunder Startelf erwartet. Das 90minütige Pfeifkonzert ist ihm gewiss.
Der Nationalspieler hatte nach dem Erfolg über die Bayern verkündet: "Heute Nacht sind wir alle voller Adrenalin." Groß gesunken wird sein Adrenalinspiegel am Samstag noch nicht sein.
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