Schalker Finanzen "Der Professor hat nicht alle Tassen im Schrank"

Fußball-Bundesligist Schalke 04 hat Berichte über seine angeblich katastrophale Finanzlage zurückgewiesen. Zwar hat Finanzchef Schnusenberg den derzeit hohen Schuldenstand bestätigt, dennoch sei ein Vergleich mit den vor der Insolvenz stehenden Dortmundern unsinnig. Sparen müsse man erst, wenn der sportliche Erfolg ausbliebe.


Schalke-Manager Assauer: "Kein zweiter Fall Dortmund"
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Schalke-Manager Assauer: "Kein zweiter Fall Dortmund"

Gelsenkirchen - "Ich schlafe total ruhig. Wir werden garantiert kein zweiter Fall Dortmund. In Sachen Schalke hat dieser schlaue Professor nicht alle Tassen im Schrank", sagte Schalkes Manager Rudi Assauer der "Bild"-Zeitung und trat einem Bericht von "Focus-Money" entgegen. Dem Blatt zufolge war Karlheinz Küting, Professor am Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) des Saarlandes, nach Einsicht in die Schalker Bilanzen der Jahre 2003 und 2004 zu dem Schluss gekommen, dass die Finanzlage "noch katastrophaler" sei als die beim von der Insolvenz bedrohten Nachbarn Borussia Dortmund.

Bei der heutigen Pressekonferenz vor dem Uefa-Cup-Rückspiel gegen Schachtjor Donezk erneuerte Assauer seine Kritik an dem Wirtschaftsexperten: "Ich finde es gewagt von diesem Herrn, solche Kommentare abzugeben. Wenn er Format hat, setzt er sich in den Zug und kommt. Wir legen ihm alle Zahlen offen."

Schalkes Vizepräsident und Finanzchef Josef Schnusenberg bestätigte zwar den Schuldenstand von 110 Millionen Euro (Stand Ende 2004) und 17 Millionen Euro operativer Verlust im Jahr 2004, doch die aus diesen Zahlen gezogenen Schlussfolgerung Kütings und der Vergleich mit dem BVB sei laut Schnusenberg "unsinnig". "Unsere Situation ist nicht mit der der Dortmunder vergleichbar", erklärte er in einem Interview mit den "Ruhr Nachrichten". Von den 17 Millionen Euro Verlust seien 13 Millionen Abschreibungen, "also Aufwendungen, die sich auf die Vergangenheit beziehen". Mit den restlichen vier Millionen liege man im Bundesliga-Schnitt.

"Mit den Schulden wird Schalke leben müssen"

"Ich habe den Eindruck, dass der Begriff Schulden oder Verbindlichkeiten derzeit geradezu panische Reaktionen auslöst", so Schnusenberg weiter. Die großen Investitionen der Vorjahre machten Kreditaufnahmen notwendig. Durch die Schechter-Anleihe von 85 Millionen Euro wurden alte Kredite abgelöst. "Mit den Schulden wird Schalke noch in den nächsten 20 Jahren leben müssen", sagte Schnusenberg, doch das sei "völlig normal".

Ein Börsengang komme für Schalke nicht in Frage, ebenso eine Veräußerung der Stadionanteile, die bei 57 Prozent liegen. Auch in das anstehende Lizenzierungsverfahren am 15. März gehen die Schalker gelassen. "Ich bin sicher, dass wir die Lizenz ohne Auflagen und Bedingungen bekommen", sagte Geschäftsführer Peter Peters.

Sowohl Schnusenberg als auch Peters wundern sich, woher Küting und "Focus-Money" ihre Informationen beziehen. Einsicht in die Bilanz habe man nicht gewährt, zumal sie noch gar nicht fertig gestellt sei. "Ich weiß nicht, welche Zahlen er als Grundlage hatte. Die Bilanz von 2004 kann es nicht gewesen sein. Die kennen bislang nur Peters und ich", so Schnusenberg weiter. Der gelernte Steuerberater gab allerdings auch zu, dass das derzeitige Haushaltsniveau nur aufrechterhalten werden kann, wenn die Schalker regelmäßig an europäischen Wettbewerben teilnehmen. Sollte der sportliche Erfolg ausbleiben, müsste ein Sparkurs eingeschlagen werden.



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