Wahl des neuen Fifa-Präsidenten Der Scheich und seine Königsmacher

Prinz Salman aus Bahrain wird am Freitag wohl zum neuen Fifa-Präsidenten gewählt. Er steht für das alte System im Weltfußball - und hat einflussreiche Gönner.

Fifa-Favorit Salman: Einer, der für die alten Zeiten steht
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Fifa-Favorit Salman: Einer, der für die alten Zeiten steht

Aus Zürich berichtet


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Der außerordentliche Kongress des Fußball-Weltverbands Fifa wird am Freitag zwei wichtige Entscheidungen treffen. Es besteht kein Zweifel mehr daran, dass die Delegierten aus 207 Nationen (Indonesien und Kuwait sind suspendiert) mit souveräner Zweidrittel-Mehrheit, womöglich sogar einstimmig, ein umfangreiches Reformpaket verabschieden. Diese neuen Statuten, die im olympischen Weltsport ihresgleichen suchen, sollen die in eine existenzbedrohende Situation geratene Fifa retten.

Die Wahl des neunten Fifa-Präsidenten ist die zweitwichtigste Entscheidung am Freitag im Hallenstadion von Zürich. Mit dieser Wahl werden die Fifa-Abgesandten sehr wahrscheinlich das Reformpaket torpedieren. Alles spricht derzeit für Scheich Salman Bin Ibrahim Al-Khalifa aus Bahrain. In den Nobelherbergen Zürichs, etwa dem Baur au Lac, wo 2015 bei anderen Fifa-Terminen zweimal Fußballfunktionäre verhaftet wurden, machen die üblichen Verdächtigen Lobby für den Scheich, der die asiatische Konföderation AFC führt.

An erster Stelle wäre der Strippenzieher Scheich Ahmad Al-Fahad Al-Sabah aus Kuwait zu nennen, jener Mann, der schon viele wichtige Wahlen durch seinen Einfluss mitentschieden hat, etwa 2013 die Krönung des Deutschen Thomas Bach zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Dazu kommt die Unterstützung von so mächtigen Figuren wie Katars Emir Tamim Bin Hamad Al-Thani und Russlands Präsidenten Wladimir Putin, der über seinen Spezi, Russlands Sportminister Witali Mutko, direkt Einfluss im Fifa-Exekutivkomitee nehmen kann. Putin und der Emir haben dringendes Interesse daran, dass in der Fifa wieder Ruhe einkehrt - und vor allem daran, dass die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 trotz aller Kritik wie beschlossen in ihren Ländern stattfinden und nicht neu vergeben werden.

Scheich Ahmed Al-Sabah: Der Strippenzieher im Hintergrund
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Scheich Ahmed Al-Sabah: Der Strippenzieher im Hintergrund

Man kann viele Beobachtungen in diesen Tagen von Zürich machen. Zum Beispiel, wie selbstsicher Scheich Ahmad im Baur au Lac Delegierte in Separees bearbeitet, für Salman zu stimmen. Oder wie Scheich Salman derzeit in Zürich auf Schritt und Tritt von einem der Mitarbeiter Scheich Ahmads begleitet wird.

Infantinos Chancen nur noch gering

Der Stern von Salmans Hauptkonkurrent, Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino, der viel Geld und Beziehungen in seine Kampagne investiert hat, ist dagegen in den vergangenen Tagen rapide gesunken. Zwar wurden derlei wichtige Wahlen schon oft in der Nacht vor der Abstimmung entschieden, wenn in den Hinterzimmern letzte Verabredungen getroffen und oft genug auf dunklen Wegen Stimmenpakete von einem zum anderen wanderten. Doch diesmal ist es nur schwer vorstellbar, wie Infantinos Leute in den letzten Stunden das Ruder noch herumreißen wollen.

Die drei anderen Kandidaten - Prinz Ali Bin Al-Hussein (Jordanien), Tokyo Sexwale (Südafrika) und der Franzose Jérôme Champagne - sind ohnehin chancenlos. Prinz Ali hatte im vergangenen Mai beim Wahlkongress immerhin 73 Stimmen erhalten, doch deutlich gegen den damaligen Fifa-Supremo Joseph Blatter verloren.

In diesen Tagen spricht nur der Entertainment-Faktor für den Prinzen, der zum Beispiel das Modell einer transparenten Voting Box präsentierte - ein Symbol dafür, was in der real existierenden Fifa noch alles fehlt. Sein Antrag, auf dem Sonderkongress hinter Plexiglas abzustimmen, wurde von der Ad-hoc-Wahlkommission der Fifa abgelehnt. Alis Versuch, die Wahl zu verschieben, ist vom Internationalen Sportgerichtshof Cas abgeschmettert worden.

Prinz Ali von Jordanien: Für den Entertainment-Faktor zuständig
AFP

Prinz Ali von Jordanien: Für den Entertainment-Faktor zuständig

Am Donnerstag, auf den traditionell vorgeschalteten Meetings und Kongressen der Kontinentalverbände, war viel von Transparenz und einer neuen Kultur die Rede, die in der Fifa-Familie dominieren müssten. Genau dafür steht Scheich Salman aber nicht.

Vorwürfe gegen Prinz Salman gibt es schon lange

So bekommt die Fifa am Freitag zwar moderne Statuten, wird beispielsweise die Administration klarer von der politischen Führung getrennt. Gleichzeitig steht der mutmaßliche neue Präsident für die alten Zeiten, für dubiose Transaktionen und fragwürdige Netzwerke. Ihm wird die Veruntreuung von Entwicklungshilfefonds (für einen früheren Fifa-Wahlkampf) und die Beteiligung an der Niederschlagung des Arabischen Frühlings 2011 vorgeworfen.

Wenn sich Salman dazu mal äußert, spricht er gern von einer Kampagne gegen ihn. Dabei lässt er sich von einem Mann mit beraten, der für Kampagnen in der Branche bekannt und berüchtigt ist: Blatters langjährigem Berater Peter Hargitay und dessen Sohn Stevie. Die Anwälte des Scheichs von der Londoner Kanzlei Schillings drohen Medien auch einmal mit teuren Klagen, wenn auch nur Fragelisten an den Fifa-Kandidaten geschickt werden.

Viele Kenner der Szene glauben deshalb, dass diese Fifa mit Scheich Salman an der Spitze noch weiter gegen die Wand steuert. Dabei geht es um alles für den Verband: um das Überleben der Institution Fifa, die seit einem Dreivierteljahr quasi unter Zwangsverwaltung durch die amerikanische Anwaltskanzlei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan steht. Sie halten den Kontakt zu den Strafverfolgungsbehörden in den USA und in der Schweiz.

Das schwierigste Kapitel in der Geschichte der Fifa wird am Freitag daher definitiv nicht beendet sein. Die strafrechtliche Aufarbeitung des kriminellen Fußballsystems ist in vollem Gange. Den bislang drei Dutzend Anklagen werden weitere folgen. Für künftige spektakuläre Enthüllungen ist gesorgt. Das wird auch ein Präsident Scheich Salman, der die alten Zeiten verkörpert, nicht verhindern können.

Zusammengefasst: Beim Fifa-Kongress in Zürich werden die 207 Delegierten am Freitag zwei Entscheidungen treffen, diese könnten allerdings im Widerspruch stehen. Das bevorstehende Reformpaket soll den Weltverband modernisieren und für einen Image-Wechsel sorgen. Gleichzeitig ist jedoch Scheich Salman Bin Ibrahim Al-Kahlifa aus Bahrain Favorit auf das Amt des Fifa-Präsidenten. Der Kandidat aus Bahrain steht eher für alte Zeiten.

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insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
thomas.kistler 25.02.2016
1. Das könnte uns alles total egal sein ...
..., eingach nur das tun, was Dietmar Hopp vorgeschlagen hat. Die sportlich großen Fussballnationen raus aus der FIFA, einen eigenen Verband gründen und neu anfangen. Dann können die Emirs, Prinzen die Scheichs selbst miteinander Fussball spielen oder weiter mauscheln oder was auch immer. Zur Relativierung - ich bin kein Hoffenheim Fan, aber ein großer Fussballfan.
freespeedy 25.02.2016
2. ahnung???
sollte man nicht Ahnung vom Fußball haben in solch einer Position? was wollen denn die Scheichs dort? Es sollten nur Menschen von Ländern zugelassen werden die Europa oder Weltmeister geworden sind. Die kennen bestimmt nicht alle regeln. Korruptes Pack!!!!
mainstreet 25.02.2016
3. Fifa wurde groß
Die Fifa wurde groß auch unter Blatter und wahrscheinlich auch zu unübersichtlich aber das ist man in diesen Zeiten mehr als gewohnt. Es gab andere Beispiele aus dem Bankenbereich der Autoindustrie und selbst aus staatlichen Einrichtungen die mindestens ebenso große Skandale hatten und die bis heute noch nicht ausgestanden sind. Jede Generation will in einer besseren Welt leben und oftmals eben endet dann alles wieder im demselben. Die Machtstrukturen müssen eben ständig überprüft werden und Wiederwahlen muss man immer hinterfragen. Egal wer jetzt gewählt wird diese Vorgänge könnten auch den nächsten Präsidenten einholen und ebenso stürzen1
fstephan 25.02.2016
4. Verbrecher?
Warum entsteht bei mir der Eindruck das ein Verbrecher den anderen ablöst? Eine wirkliche ehrliche Erneuerung sieht für mich anders aus.
bausa 25.02.2016
5. Eine Krähe
nach der Anderen. So ist es im Leben. Dieser kranken Vereinigung namens Fifa sollte man das Handwerk legen. Macht,Geld und Intrigen, womöglich werden die Weltmeister auch schon vorher ausgelost. Wundern täte es mich nicht.
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