Schelte für Ex-Trainer Lahm sagt sorry

Philipp Lahm hat mit seiner Kritik an prominenten Trainern für Aufruhr in der Fußballwelt gesorgt. Auch Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff kritisieren den DFB-Kapitän scharf - jetzt knickt er ein.


Hamburg - Fußballnationalspieler Philipp Lahm hat sich bei den ehemaligen Bundestrainern Rudi Völler und Jürgen Klinsmann entschuldigt. "Ich wollte Rudi Völler, Jürgen Klinsmann und andere Personen selbstverständlich nicht persönlich treffen oder gar beleidigen", teilte er am Donnerstag über seinen Berater Roman Grill mit. "Vielmehr wollte ich, wie aus der Lektüre meines Buchs zweifelsfrei hervorgeht, ehrlich meine Meinung über die Arbeit unter unterschiedlichen Trainern und zu verschiedenen Zeiten schildern und einige Hintergründe dieser Entwicklung beleuchten." Lahm hatte Völler und Klinsmann in seiner Autobiografie ("Der feine Unterschied") kritisiert.

In der nun entstandenen Diskussion sei sein Anliegen "verkürzt und überzogen rübergekommen". "Das tut mir leid. Für Missverständnisse, die auf diese Weise entstanden sind, entschuldige ich mich hiermit bei allen Beteiligten", erklärte Lahm.

Der DFB-Kapitän macht in seinem Buch, das am Montag in den Handel kommen soll, zahlreiche abfällige Bemerkungen über das Training und Abläufe bei der Nationalmannschaft im Jahr 2004, als Völler Teamchef war. "Pro Tag vielleicht eine Stunde trainiert, dann verziehen sich alle wieder auf ihre Zimmer. Ich glaube, dass damals viele Playstations geglüht haben", schreibt Lahm in seinem Buch, das in Auszügen vorab in der "Bild"-Zeitung erscheint. Es habe keine taktischen Besprechungen und keine Videoanalysen gegeben. "Das Einzige, worüber wir reden, sind Fehler, die dem Bundestrainer aufgefallen sind."

Lahm bleibt Kapitän, muss aber zum Rapport

Trotz seiner massiven Kritik bleibt Lahm Kapitän der Nationalmannschaft. Das erklärte Teammanager Oliver Bierhoff am Donnerstag. Gleichzeitig kritisierten Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw die Aussagen in Lahms Buch. Sie werden den 27 Jahre alten Außenverteidiger von Bayern München deshalb beim Treffpunkt der Nationalmannschaft kommende Woche vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich zum Rapport bestellen.

"Es gibt einige Passagen in dem Buch, die mir nicht gefallen, weil hier ein junger Spieler einige Trainer, die lange und erfolgreich gearbeitet haben, öffentlich kritisiert. Auch darüber werden wir in der kommenden Woche sprechen", sagte Löw. Bierhoff ergänzte: "Wir wollen zwar mündige Spieler, die auch mal klar ihre Meinung sagen. Im konkreten Fall ist Philipp allerdings an Grenzen gestoßen. Es war aber nach Bewertung des gesamten Buchs für uns zu keinem Zeitpunkt ein Thema, Philipp als Kapitän abzusetzen, wie das schon von einigen spekuliert wurde."

Dem DFB stieß am Donnerstag insbesondere Lahms Kritik an Ex-Teamchef Rudi Völler bitter auf. "Rudi hat uns nach der EM 2000 in einer extremen Notsituation geholfen und trotz vieler Probleme eine großartige Arbeit geleistet, davor muss man heute noch den Hut ziehen. Insofern sind Philipp Lahms Einlassungen völlig unangemessen und zurückzuweisen", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Völler selbst hatte Lahms Aussagen als "erbärmlich und schäbig" bezeichnet.

"Respekt vor Persönlichkeiten des Fußballs"

Auch die Rolle von Klinsmann wird von DFB-Generalsekretär Niersbach anders beurteilt: "Jürgen hat 2004 unter widrigen Voraussetzungen eine Aufbruchstimmung erzeugt, die in der glänzenden WM 2006 endete. Als Nationalspieler und Weltmeister, aber auch in ihrem ganzen Auftreten für den deutschen Fußball, können die Verdienste von Rudi Völler und Jürgen Klinsmann nicht hoch genug bewertet werden. Das sollte auch Philipp wissen."

DFB-Präsident Theo Zwanziger, Generalsekretär Niersbach, Bundestrainer Löw und Nationalmannschaftsmanager Bierhoff haben sich nach eingehender Lektüre der detaillierten Inhalte des Buchs von Lahm darauf verständigt, dass es in der kommenden Woche vor dem Länderspiel in Düsseldorf ein Gespräch der sportlichen Leitung mit Kapitän Lahm und dem Spielerrat geben soll.

Dabei soll unter anderem die Sensibilität im Umgang mit Interna aus dem Mannschaftskreis thematisiert werden. "Unsere Nationalspieler müssen sich ihrer besonderen Verantwortung in der Öffentlichkeit bewusst sein. Dazu gehört auch der Respekt vor Persönlichkeiten des Fußballs, mit denen sie nicht immer einer Meinung waren oder sind."

Die Aufgabe des DFB sei es allerdings auch, "bei allen Aufgeregtheiten der heutigen Zeit die Dinge mit Augenmaß auf der Basis aller Fakten zu beurteilen. Philipp hat für mich den Fehler gemacht, dass er die durch die Vorab-Veröffentlichung seines Buchs entstehende Eigendynamik und mögliche Interpretationen nicht richtig eingeschätzt hat".

mib/sid/dapd/dpa



insgesamt 56 Beiträge
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Seite 1
Michael KaiRo 25.08.2011
1. Ha, ha, ha,
Zitat von sysopPhilipp Lahm hat mit seiner Kritik an prominenten Trainern für Aufruhr in der Fußballwelt gesorgt.*Auch Bundestrainer Joachim*Löw und Teammanager Oliver Bierhoff kritisieren den DFB-Kapitän scharf - jetzt knickt er ein. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,782443,00.html
erst lehnt sich dieser Kerl voll ausm Fenster und jetzt gibt er kleinlaut bei! Der Kerl hat aber Rückgrat - Ha, ha, ha,
winbug, 25.08.2011
2. Einfach mal die Klappe halten!
Zitat von sysopPhilipp Lahm hat mit seiner Kritik an prominenten Trainern für Aufruhr in der Fußballwelt gesorgt.*Auch Bundestrainer Joachim*Löw und Teammanager Oliver Bierhoff kritisieren den DFB-Kapitän scharf - jetzt knickt er ein. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,782443,00.html
Klar ist einiges flüssiger geworden seit den Zeiten in den Hotte Hrubesch seine frühen Interviews zusammengestammelt hat. Und tatsächlich gibts ja auch ein paar Fussballer, die sich recht flüssig und halbwegs intelligent ausdrücken können. Aber was in aller Welt haben uns die Jungs denn außerhalb des Platzes zu sagen? Nix, rein gar nix. Also haltet die Klappe und gehts raus und spielt Fußball (um hier mal einen zu zitieren, der auch schon einiges zuviel gelabert hat). Für Eure Fußballkunst lieben wir Euch - Euer aufgeblasenes Ego könnt Ihr in der Kabine lassen!
kael 25.08.2011
3. So macht man Bestseller
Zitat von sysopPhilipp Lahm hat mit seiner Kritik an prominenten Trainern für Aufruhr in der Fußballwelt gesorgt.*Auch Bundestrainer Joachim*Löw und Teammanager Oliver Bierhoff kritisieren den DFB-Kapitän scharf - jetzt knickt er ein. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,782443,00.html
Man nehme einen bekannten Namen, eine Prise Skandal, einen kleinen Rückziehrer und das mediales Riesenecho ist sicher. So macht man einen Bestseller.
ThomasTM 25.08.2011
4. soso
Und vorher kommt er nicht auf die Idee, dass solche Aussagen, in welcher Form auch immer, ein paar Konsequenzen nach sich ziehen können?! Ja das ist wirklich sehr mündig ;-) Oh man-o-man. Hauptsache Buch verkauft sich jetzt gut. Ich kaufe es oder lese es jedenfalls nicht. Wozu auch!
willem.fart 25.08.2011
5. Nerv genau getroffen, da tut´s weh.
Man muss als Führungspsieler ja mal etwas sagen. Aber doch nicht so. Das sagt man doch anders. :-) Jeder, der den deutschen Fußball beobachtete, weiss, dass Lahm Recht hat. Klinsmann war eine Modepfeife ohne Strategie und Völler (Tante Käte) war noch nie der intelligenteste. Van Gaal war ein aufgeblasener Gockel, der nicht sozialfähig ist, aber laut krähen kann.
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