Schiedsrichter-Affäre Amerell erwirkt einstweilige Verfügung gegen Zwanziger

Manfred Amerell hat einen Teilerfolg gegen Theo Zwanziger errungen. Er ließ dem DFB-Boss gerichtlich verbieten, die Schiedsrichter-Affäre mit den Missbrauchsfällen der katholischen Kirche zu vergleichen. Doch auch Amerell selbst handelte sich eine einstweilige Verfügung ein - von Michael Kempter.

Ex-Schiedsrichter Amerell: Punktsieg vor Gericht
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Ex-Schiedsrichter Amerell: Punktsieg vor Gericht


Hamburg - Der ehemalige Schiedsrichter-Funktionär Manfred Amerell hat beim Landgericht Augsburg eine einstweilige Verfügung gegen DFB-Präsident Theo Zwanziger erwirkt.

Wie Gerichtssprecher Maximilian Hofmeister am Mittwoch bestätigte, darf Zwanziger Amerells Verhalten in der Affäre um angeblich sexuell belästigte Schiedsrichter nicht mehr mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche vergleichen.

"Nur durch den Mut von Herrn Kempter (einer der Schiedsrichter - die Red.) konnten wir die Missstände aufdecken und können nun darauf reagieren. In anderen Bereichen dauert es bis zu 40 Jahre, ehe sich die Leute zu so etwas äußern", hatte Zwanziger erklärt.

An dieser Aussage hatte Amerell Anstoß genommen. Das Landgericht, das sich mit dem Fall am Dienstag beschäftigt hatte, gab ihm nun Recht. Nach Ansicht des Gerichts verletze Zwanzigers Äußerung Amerells allgemeines Persönlichkeitsrecht, da "eine Beziehung zweier Erwachsener" mit dem sexuellen Missbrauch von Kindern gleichgestellt werde.

Nach Informationen der "Augsburger Allgemeinen Zeitung" droht Zwanziger bei Zuwiderhandlung ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro. Sprecher Hofmeister wollte diese Summe nicht bestätigen.

Dem 63 Jahre alten Amerell, der in Augsburg lebt, war in der Schiedsrichter-Affäre vom aufstrebenden Referee Michael Kempter vorgeworfen worden, ihn sexuell belästigt zu haben. Der 27-Jährige hatte sich Ende vergangenen Jahres in dieser Sache an den DFB gewandt.

Auch Kempter konnte unterdessen einen Teilerfolg in der Schiedsrichter-Affäre erzielen. Nachdem Amerell in der Talkshow "Kerner" angebliche E-Mails Kempters mit intimen Details an ihn öffentlich gemacht hatte, erwirkte Kempter nun eine einstweilige Verfügung gegen Amerell. Ihm wurde es unter Androhung eines Ordnungsgeldes von bis zu 250.000 Euro vom Landgericht Köln verboten, private E-Mails oder SMS von Kempter an ihn zu veröffentlichen oder zu verbreiten, wie Kempters Anwalt Christian Schertz am Mittwoch mitteilte.

aha/ham/dpa/sid



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