Schiedsrichter-Affäre Showdown in der Schlammschlacht

Ab Donnerstag wird vor dem Landgericht Hechingen die Klage des ehemaligen Schiedsrichterbeobachters Manfred Amerell gegen Referee Michael Kempter verhandelt. Es geht um eine mögliche Affäre, SMS, E-Mails - und eine Menge Geld.

Schiedsrichter Kempter: Letzter Auftritt in der dritten Liga
dapd

Schiedsrichter Kempter: Letzter Auftritt in der dritten Liga


Hamburg - Exakt ein Jahr nach Bekanntwerden der Affäre um Manfred Amerell und Michael Kempter werden die beiden Protagonisten am Donnerstag ab 10 Uhr im Saal 168 des Landgerichts Hechingen aufeinandertreffen. Der frühere DFB-Schiedsrichterbeobachter Amerell verklagt den ehemaligen Fifa-Referee Kempter wegen Verletzung seines Persönlichkeitsrechts auf 150.000 Euro Schadenersatz.

Grund der Klage ist die Beschuldigung Kempters, der seinem früheren Mentor sexuelle Belästigung vorgeworfen hatte. "Herr Amerell und ich haben verabredet, dass wir im Vorfeld der gesamten Angelegenheit keine Stellungnahme abgeben werden", sagte Amerells Anwalt Jürgen Langer, bestätigte aber, dass "Herr Amerell da sein wird". Kempters Anwalt Christoph Schickhardt zeigte sich zuletzt siegessicher und bezeichnete es in der "Welt am Sonntag" als "rätselhaft, wer Manfred Amerell auf die Idee gebracht hat, solche Prozesse anzustrengen und hiermit die Justiz zu belasten".

Rund 150 SMS und 250 Mails vorgelegt

Da das Gericht im rund 60 Kilometer von Stuttgart entfernten Hechingen mit landesweitem Aufsehen rechnet, wurde der Auftakt des Zivilprozesses eigens in den großen Saal verlegt. Obwohl der Raum hundert Zuschauern Platz bietet, wird er laut Landgerichts-Vizepräsident Herbert Anderer "sicher nicht ausreichen, um alle Interessierten unterzubringen". Der Prozess, bei dem mit der Offenlegung pikanter Details gerechnet wird, findet in Hechingen statt, weil Kempters Wohnort Sauldorf zum Hechinger Landgerichtsbezirk gehört.

Um dem erwarteten Medienrummel gerecht zu werden, hat der Vorsitzende Richter Alexander Meinhof die Arbeit der Berichterstatter in einem 13 Punkte umfassenden Papier geregelt. Nach Informationen der "Welt" wurden Meinhof vonseiten Amerells rund 150 SMS und 250 Mails aus den Jahren 2007 bis 2009 vorgelegt.

Damit will Amerell beweisen, dass Kempter die Beziehung freiwillig eingegangen ist. Um diese SMS und Mails geht es auch beim anhängigen Verfahren vor dem Landgericht Köln. Dort hat Amerell Einspruch gegen eine von Kempter erwirkte Einstweilige Verfügung eingelegt. Die Verfügung besagt, dass es Amerell unter Androhung eines Ordnungsgelds in Höhe von 250.000 Euro verboten ist, Mails oder SMS von Kempter zu verbreiten.

Erst wenn Ergebnisse vorliegen, wird über Kempters Karriere entschieden

Allerdings hat Amerell bereits im vergangenen Sommer dem DFB-Präsidium eine 21-seitige Dokumentation zukommen lassen. Darin werden die Aussagen, die Kempter bei der Anhörung durch den DFB am 10. Februar 2010 sowie während der Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft Augsburg am 13. April getätigt hat, in Zweifel gezogen.

Der DFB, der sich monatelang mit der Affäre beschäftigen musste und als Folge das Schiedsrichterwesen neu ordnete, erklärte vor dem Verhandlungsbeginn, dass er sich aus dem Zivilprozess heraushalten werde. Ob Kempter, der seine bisher letzte Partie am 10. April 2010 in der dritten Liga leitete, wieder auf den Platz zurückkehren wird, ist offen. Darüber will die Schiedsrichterkommission um den Vorsitzenden Herbert Fandel nach dem Ende der Prozesse entscheiden.

Der DFB verweist darauf, dass der Verband nicht abschließend prüfen könne, was zwischen Amerell und Kempter vorgefallen sei. Diese Klärung sei Aufgabe der Gerichte. Erst wenn diese Ergebnisse vorliegen, könne über etwaige Pflichtverletzungen und die weitere Laufbahn Kempters entschieden werden.

Zuletzt hatte der DFB seinen Rechtsstreit mit Amerell gewonnen. Amerell scheiterte in letzter Instanz beim Oberlandesgericht München mit dem Versuch, DFB-Präsident Theo Zwanziger gerichtlich zu untersagen, öffentlich von einer Amtspflichtverletzung zu sprechen. Die Äußerung ist laut Gericht sachlich gerechtfertigt und rechtmäßig. Für den DFB ist damit auch die von Amerell angekündigte Schadenersatzklage gegen den Verband haltlos.

jar/sid

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