Schiedsrichter-Affäre Zwanziger scheitert vor Gericht gegen Amerell

Der Widerspruch von DFB-Präsident Theo Zwanziger gegen eine einstweilige Verfügung von Manfred Amerell war nicht erfolgreich. Zwanziger hatte die Aufklärungsarbeit in der Schiedsrichter-Affäre um Michael Kempter in Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche gebracht.


Hamburg - Theo Zwanziger hat im Rechtsstreit mit dem früheren Schiedsrichterbeobachter Manfred Amerell eine Niederlage erlitten. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) scheiterte vor der 8. Zivilkammer des Augsburger Landgerichts mit einem Widerspruch gegen eine einstweilige Verfügung von Amerell.

Demnach hält das Gericht eine Aussage von Zwanziger, bei der er die Aufklärungsarbeit in der Affäre um Amerell und Referee Michael Kempter in Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche gebracht hat, für einen unzulässigen Vergleich. Amerell hatte sich gegen Zwanzigers Aussage mit Hinweis auf die Verletzung seines Persönlichkeitsrechts gewehrt und bekam am Montag Recht. "Ein angebliches System Amerell darf nicht auf eine Ebene mit Sachverhalten gestellt werden, die mit Freiheitsentzug von bis zu zehn Jahren bestraft und in der Gesellschaft geächtet werden", erklärte der Vorsitzende Richter Rainer Brand.

Zwanzigers Anwalt Christian Schertz sprach von einer "Fehlentscheidung" und kündigte an: "Wir werden auf jeden Fall in Berufung gehen." Zwanziger habe mit seiner Äußerung allein den Mut von Kempter bewertet, ein System aufzudecken, was nicht gewollte Abhängigkeiten im bisherigen Schiedsrichtersystem aufwies. Schertz wertete das Urteil als "Angriff auf die Meinungsfreiheit" und geht davon aus, "dass das zuständige Oberlandesgericht die richtige rechtliche Bewertung vornehmen wird und das Urteil aufhebt".

Erneut scharfe Kritik an Zwanziger

Amerell war dagegen "sehr zufrieden" mit dem Urteil. "Meine Töchter haben zu mir gesagt: 'Papa, du wirst verglichen mit pädophilen Pfarrern.' Das war ein Drama zu Hause", sagte Amerell. Bei der mündlichen Verhandlung übte er erneut scharfe Kritik an Zwanziger. "Ich lasse mich von Herrn Zwanziger nicht in die Nähe von Straftaten bringen. Außerdem laste ich dem DFB an, dass ich im Gegensatz zu den vier befragten Schiedsrichtern nie in vergleichbarer Weise angehört worden bin", sagte Amerell in einer persönlichen und emotionalen Erklärung im Sitzungssaal 201 und fügte hinzu: "Die Frage der Wahrheit wird sich noch stellen."

Der Termin war nur ein Teil im Rechtsstreit. Amerell will zivilrechtlich von Zwanziger bis zu 100.000 Euro Schmerzensgeld erstreiten, weil er durch die DFB-Veröffentlichungen vorverurteilt worden sei. Außerdem will Amerell Kempter und drei weitere Schiedsrichter verklagen und bei der Staatsanwaltschaft München I eine Strafanzeige wegen Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung und Verleumdung einreichen. Im Gegenzug sieht sich Amerell der Klage von Kempter und einem Referee wegen sexueller Belästigung und Nötigung ausgesetzt.

jar/sid



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Andreas Tombrink 04.03.2010
1.
Naja...ob der deutsche Fussball in der Krise steckt, wird sich nach der WM zeigen. Schliesslich handelt es sich um Fussball...und nicht in erster Linie um formelle administrative Dinge.... Man könnte meines Erachtens eher die Frage stellen, ob Bierhof der richtige Mann ist - von ihm kann doch der ganze Driss. Und was Amerell betrifft: anscheinend gibt es ja klare Regeln der gerichtlichen Zuständigkeit. Wenn der DFB für die Berurteilung nicht zuständig ist, dann müssen die Betreffenden vor ein ordentliches Gericht ziehen. Dies hat Zwanziger kundgetan. Ich fand den Zwanziger bisher recht souverän....anscheinend drehen da einige andere am Rad: vielleicht muss mal ganz genau aufgeklärt werden, wer wann wovon was wusste....ob aber dafür der Zwanziger zuständig ist, bleibt die Frage...
JerryFletcher 04.03.2010
2. Lieber...
ein falscher Fuffziger (MV oder Beckenbauer) als ein echter Zwanziger.
ray4901 04.03.2010
3. sehe nur einen Fehler
Zitat von sysopDer Deutsche Fußball-Bund steckt tief in der Krise. Vertragsstreit mit dem Bundestrainer, die unappetitliche Schiedsrichter-Affäre - und mittendrin Verbandsboss Theo Zwanziger, der kein glückliches Bild abgibt und mit Rücktritt droht. Ist Zwanziger noch der Richtige an der Spitze des DFB?
die Rücktrittsdrohung ist schwach und falsch. Er macht seine Sache sonst einigermassen gut, ist nicht die Marionette von irgendwem, sondern schlägt sich wacker. Für die unselige Geschichte mit den Schiedsrichter kann er doch nichts, nicht er ist den Jungs ans Eingemachte gegangen. Und Bierhoff hat er auch nicht in das Himmelfahrtskommando mit dem Vetorecht getrieben. In beiden Fällen hat er rasch und richtig Klartext gesprochen. Überhaupt laviert er recht geschickt zwischen der starken Bayernmafia und dem Rest des Landes. Behalten wir ihn also noch ein Weilchen.
realpirate 05.03.2010
4. simpel
kurz und knapp: Nein
Dylan1941, 05.03.2010
5.
Bei den meisten DFB Präsis fragte ich mich immer was die befähigt DFB Präsi zu werden...und beim 20ziger ist das er Recht der Fall.
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