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Final-Schiedsrichter Nicola Rizzoli: "Ich werde der Beste sein"

Er patzte schon bei dieser WM - und leitet doch das WM-Finale: Nicola Rizzoli pfeift Deutschland und Argentinien. Die Fifa setzt sich mit dieser Entscheidung über ein ungeschriebenes Gesetz hinweg.

Nicola Rizzoli leitet das Finale: Alter Bekannter an der Pfeife Fotos
AP/dpa

SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - Philipp Lahm hat sich vermutlich gefreut, als er gehört hat, welcher Schiedsrichter das WM-Finale der deutschen Nationalmannschaft gegen Argentinien leitet. Manuel Neuer dürfte es ähnlich ergangen sein, und auch Jérôme Boateng, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller haben keinen Grund, sich über die Entscheidung der Fifa zu beklagen, den Italiener Nicola Rizzoli mit der Leitung des Endspiels in Rio de Janeiro am Sonntag (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD) zu betrauen. Die Profis des FC Bayern haben gute Erinnerungen an Rizzoli. Er pfiff im vergangenen Jahr das Champions-League-Finale im Londoner Wembley-Stadion, das die Münchner 2:1 gewannen.

Für das WM-Endspiel verspricht Rizzoli eine tadellose Leistung: "Ich bin stolz, Italiener zu sein und ich will Italien gut vertreten. Ich will der Beste sein, und ich werde der Beste sein. Es ist unglaublich für mich", sagt er. Nicht nur die Spieler erfüllen sich mit dem Finale im Maracanã-Stadion einen Traum. Auch der Unparteiische. Und er steht genau so unter Druck wie die Profis aus Deutschland und Argentinien, ein Fehler kann entscheidend sein.

In der Jugend hat sich der Nachwuchskicker Rizzoli stets über die Schiedsrichter beschwert, er war nicht einverstanden mit ihren Leistungen. Deshalb ist er selbst einer geworden. Mit 16 Jahren startete er seine Karriere als Unparteiischer. Seit 2002 pfeift er in der Serie A. 2011 und 2012 wurde er zum besten Schiedsrichter in seiner Heimat gewählt.

International ist er seit 2007 dabei - und begegnet den deutschen Fußballern regelmäßig. Für die DFB-Auswahl sprangen mit ihm als Schiedsrichter bisher drei Siege in drei Spielen heraus. Zum ersten Mal pfiff er im September 2007 beim 3:1 gegen Rumänien ein deutsches Spiel, danach im Juni 2010 beim 3:1 gegen Bosnien-Herzegowina. Zuletzt leitete Rizzoli im Oktober 2012 eine Partie des DFB-Teams, gegen Irland gab es in der WM-Qualifikation ein 6:1.

Im Spiel Niederlande gegen Spanien patzte er

Aus dem deutschen Lager kommen keine Klagen über die Schiedsrichter-Wahl für das WM-Finale. Brasilianische Medien fürchten dagegen einen Vorteil für die verhassten Argentinier wegen der vielen italienischen Auswanderer in dem Land. Ist Rizzoli den Argentiniern emotional verbunden? "Also, bitte!", sagt Massimo Busacca, der Schiedsrichter-Boss der Fifa: "Die Schiedsrichter bereiten sich seit Jahren professionell vor." Natürlich nicht, soll das heißen.

Busacca hat deshalb auch kein Problem damit, sich von dem ungeschriebenen Gesetz zu verabschieden, dass der Referee nicht aus der Heimat-Konföderation eines Finalteilnehmers kommen darf. "Es gibt eine einfache Antwort: Qualität", sagt Busacca: "Es kann nicht sein, dass ein Schiedsrichter nicht pfeift, weil vor 100 Jahren irgendwo etwas vorgefallen ist oder es Verbindungen zwischen dem einen Land gibt oder dem anderen." Eine Diskussion um den Finalschiedsrichter schon vor dem Finale will er verhindern. Auch der bisher letzte Finalreferee Deutschlands war übrigens Italiener: Pierluigi Collina leitete 2002 das Endspiel von Yokohama gegen Brasilien (0:2).

Rizzoli wusste in Brasilien nicht immer zu überzeugen. Im Gruppenspiel zwischen Spanien und den Niederlanden (1:5) sprach er dem noch amtierenden Weltmeister einen umstrittenen Elfmeter zu und übersah vor dem 3:1 der Niederländer ein Foul an Spaniens Torwart Iker Casillas. Er leitete bei dieser WM schon zwei Spiele der Argentinier: in der Vorrunde gegen Nigeria (3:2) und im Viertelfinale gegen Belgien (1:0). "Auch das spielte bei der Auswahl überhaupt keine Rolle", sagt Busacca.

Rizzolis Historie auf internationaler Ebene ist lang. Neben dem Champions-League-Finale 2013 pfiff er drei Jahre zuvor das Endspiel der Europa League in Hamburg zwischen Atlético Madrid und dem FC Fulham (2:1 n.V.). Bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine kam er bei zwei Vorrundenspielen sowie dem Viertelfinale zwischen Spanien und Frankreich (2:0) zum Einsatz. Rizzoli ist der dritte italienische Schiedsrichter in einem WM-Finale nach Sergio Gonella 1978 und Collina vor zwölf Jahren.

buc/dpa

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insgesamt 49 Beiträge
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1. ohne
guilty 12.07.2014
Zitat von sysopAP/dpaEr patzte schon bei dieser WM - und leitet doch das WM-Finale: Nicola Rizzoli pfeift Deutschland und Argentinien. Die Fifa setzt sich mit dieser Entscheidung über ein ungeschriebenes Gesetz hinweg. http://www.spiegel.de/sport/fussball/schiedsrichter-nicola-rizzoli-im-wm-finale-deutschland-argentinien-a-980662.html
das spiel niederlage gegen spanien pfiff er also ,dabei war es eine niederlage der spanier.;)
2. CL Finale in England
bernd.mobil 12.07.2014
Man sollte nicht vergessen das der Schiedsrichter auch im CL Finale mindestens 1 mal falsch gepfiffen hat. Er hätte damals dem Vorgewarnten Bayernspieler zwingend die gelb-rote Karte zeigen müssen. Somit hat er auch damals das Spiel entscheidend mit entschieden
3. Collina...
ohne_mich 12.07.2014
Danke für die Erwähnung - es wäre schön, wenn Schiedsrichter auch heute noch dessen Qualitäten hätten. Man kann wohl zweifelsfrei sagen, daß er der beste internationale Refereee aller Zeiten war.
4. Blind im CL-Finale
anja.darling 12.07.2014
Zitat von sysopAP/dpaEr patzte schon bei dieser WM - und leitet doch das WM-Finale: Nicola Rizzoli pfeift Deutschland und Argentinien. Die Fifa setzt sich mit dieser Entscheidung über ein ungeschriebenes Gesetz hinweg. http://www.spiegel.de/sport/fussball/schiedsrichter-nicola-rizzoli-im-wm-finale-deutschland-argentinien-a-980662.html
Klar freuen sich die Bayern-Spieler - er ließ im CL-Finale gegen Dortmund die Tätlichkeit von Ribéry in der 1.Halbzeit ungeahndet und trug damit erheblich zum glücklichen Sieg der Ersteren bei.
5. ich nehme an...
schelmig13 12.07.2014
dass es dem Schiri auf die Zuwendungen ankommt, wer die WM gewinnt. Lenkungsmitte: Elfmeter, Gelbe bzw. Rote- Karten, Freistöße für Fouls und die Abseitsfallen. Ganzschön viele Manipulationsmittel.
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