Schiedsrichter-Skandal Gericht weist Amerell-Klage zurück

Abfuhr für Manfred Amerell: Der frühere Schiedsrichterfunktionär ist vor dem Landgericht Hechingen mit seiner Klage gegen Referee Michael Kempter gescheitert. Darüber hinaus ermittelt jetzt der DFB gegen den 64-Jährigen. 

Ehemaliger DFB-Funktionär Amerell: Vor dem Landgericht Hechingen abgewiesen
dpa

Ehemaliger DFB-Funktionär Amerell: Vor dem Landgericht Hechingen abgewiesen


Hamburg - Der frühere DFB-Schiedsrichterbetreuer Manfred Amerell hat im Prozess mit dem ehemaligen Fifa-Referee Michael Kempter eine Niederlage hinnehmen müssen. Die 1. Zivilkammer des Landgerichts Herchingen wies die Klage des 64-Jährigen gegen Kempter am Donnerstag ab. Die Entscheidung ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Amerells Anwalt Jürgen Langer erwägt den Gang in die Berufung.

Der ehemalige DFB-Funktionär hatte von Kempter Schadensersatz in Höhe von 150.000 Euro gefordert. Kempter wirft Amerell sexuelle Belästigung in mehreren Fällen vor. Amerell behauptet, dass die Beziehungsaffäre einvernehmlich war und verlangte deshalb wegen der Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte das Schmerzenzgeld.

Dieser Argumentation folgte das Gericht aber nicht. "Die Schilderungen von Herrn Kempter sind gerechtfertigt, weil er bei der zuständigen Stelle - dem DFB - einen Missstand vorgetragen hat. Der Missstand besteht darin, dass Herr Amerell ein enges Verhältnis zu Herrn Kempter unterhielt und gleichzeitig über seine Einsätze als Schiedsrichter entschieden hat. Das ist nicht tragbar", sagte der Vorsitzende Richter Alexander Meinhof.

Auch der Gang Kempters an die Öffentlichkeit stellt für Meinhof keinen Rechtsbruch dar. "Dass Herr Kempter sich in der Presse geäußert hat, verletzt nicht die Persönlichkeitsrechte von Herrn Amerell. Es war schließlich Herr Amerell, der zuerst an die Presse gegangen ist und den Namen Kempter nannte. Herr Kempter hat darauf nur reagiert", hieß es in der Urteilsbegründung.

DFB ermittelt wegen Verletzung der Amtspflichten

Zufrieden mit dem Richterspruch zeigte sich der Anwalt von Kempter. "Das Urteil ist richtig und gerecht", sagte Christoph Schickhardt. "Mehr kann man nicht erreichen." Er hoffe nun, das Zivilverfahren gegen seinen Mandaten ruhig und sauber beenden zu können, "damit Kempter bald als Schiedsrichter wieder durchstarten kann".

Ursprünglich wollte das Landgericht bereits am 18. April eine Entscheidung verkünden. Dieser Termin konnte allerdings nicht eingehalten werden, da die Anwälte Amerells Befangenheitsänträge gegen alle drei Richter der Kammer gestellt hatten. Das Landgericht hatte diese Anträge allerdings abgewiesen. Das Gericht hatte beiden Prozessbeteiligten zuvor einen Vergleich angeboten. Darauf war Amerell jedoch nicht eingegangen.

Sein Anwalt hatte bis zuletzt versucht, einen schnellen Verkündigungstermin zu verhindern. So hatte Amerell noch am Montag eine Anzeige wegen Prozessbetrugs gegen Kempter erstattet. Der 28-jährige Referee habe vor Gericht anders ausgesagt als zuvor vor dem DFB-Kontrollausschuss, so der Vorwurf.

Das DFB-Kontrollgremium verkündete im Anschluss an den Prozess, neue Ermittlungen gegen Amerell aufzunehmen. Es gebe neue Anhaltspunkte, die für eine Verletzung der Amtspflichten sprächen, ließ der DFB in einer Pressemitteilung verlauten. Wenn der 64-Jährige vor dem Sportgericht verurteilt würde, könnte das bedeuten, dass er nie mehr ein Amt im DFB oder in einem der im Verband organisierten Vereine übernehmen dürfte. Der Kontrollausschuss weist zudem darauf hin, dass Amerell durch Einreichen einer Selbstanzeige im April um diese Ermittlungen gebeten habe.

aha/dpa/sid/dapd



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bocklos851 13.05.2011
1. Irre...
Die Reform des Schiedsrichterwesens war überfällig. Daß sie das "System Amarell" beseitigt hat weist in die Zukunft. Als ehemaliger Schiedsrichter in den untersten Klassen kann ch mich erinnern... wurde dieses System damals bereits diskutiert. Nur sagen wollt niemand nix.
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