Bayern-Star Schweinsteiger: Endlich am Ziel

Von Sebastian Winter und

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Für Bastian Schweinsteiger war es ein langer Weg bis zum Champions-League-Triumph von London. Dem 28-Jährigen hing jahrelang der Ruf nach, in den ganz wichtigen internationalen Spielen abzutauchen. Auch wenn er am Samstag nicht zu den Stärksten gehörte: Das Titel-Trauma ist überwunden.

Da war dieser Abend des 19. Mai 2012. Dieser stockende Anlauf, dann das zarte Elfmeter-Schüsschen, das Torwart Petr Cech an den - vom Schützen aus gesehen - rechten Pfosten lenkte. Bastian Schweinsteigers vors Gesicht gehaltene Fäuste, das Entsetzen in seinen Augen. Und später, als er auf der Bank saß und das verlorene Champions-League-Finale "dahoam" gegen den FC Chelsea zu fassen versuchte, was unmöglich war. Der Co-Kapitän der Bayern blickte ins Leere.

Da ist dieser Abend des 25. Mai 2013. Bastian Schweinsteiger hält den Pott in der Hand, er schreit seine Erleichterung heraus. Chelsea ist nur noch eine Erinnerung.

Nach der Finalniederlage des Vorjahrs hatte er Monate gebraucht, um sich von diesem Schock zu erholen. Bei der Europameisterschaft merkte man Schweinsteiger jenes Erlebnis noch deutlich an, er stand teilweise neben sich, Deutschland scheiterte im Halbfinale an Italien. Auch weil die Führungspersönlichkeit Schweinsteiger nicht in der Lage war, diese Rolle auszufüllen.

Vor dem Endspiel von London hatte Schweinsteiger den prägnanten Satz gesagt: "Mich persönlich motiviert die Niederlage sehr, deswegen wird das auch im Finale so sein. Das merkt man auch bei vielen anderen Spielern." Der Stachel saß tief, nicht nur, aber vor allem bei ihm.

Andere waren am Samstag besser als er

Jetzt ist es vorbei. Mit dem 2:1 über Borussia Dortmund ist das Thema Trauma erledigt. Auch wenn Schweinsteiger selbst in dieser Saison viele Spiele gemacht hat, in denen er besser war als am Samstag in London. Statt das Spiel nach vorn zu treiben, hatte er genug damit zu tun, Löcher in der Defensive zu schließen. Für den Sieg waren andere verantwortlich, sein überragender Nebenmann Javi Martínez zum Beispiel. Der 28-Jährige wird es verschmerzen.

Schweinsteiger hat eine enorme Entwicklung hinter sich, sie war auch ein Reifeprozess. Als Rosenheimer Jungtalent entdeckten ihn die Scouts des FC Bayern, ab 1998 besuchte er das Jugendinternat an der Säbener Straße. Drei Jahre später gewann er mit der B-Jugend der Bayern die deutsche Meisterschaft, der 0:4 unterlegene Finalgegner hieß: Borussia Dortmund. Mit Schweinsteigers Karriere ging es nun nach oben, im November 2002 bereitete der 18-Jährige bei seinem Champions-League-Debüt gegen Lens die 3:2-Führung vor. In der Saison darauf gelang ihm der endgültige Durchbruch.

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Bayern-Siegesfeier: Samba mit Dante und "Don Jupp"
Aber es dauerte lange, bis Schweinsteiger in seine jetzige Rolle als Mittelfeldstratege fand. Oft war seine Frisur ein größeres Thema des Boulevards als seine Leistung auf dem Feld, er wurde frühmorgens in Discos gesehen und geriet wegen stark überhöhter Geschwindigkeit in eine Verkehrskontrolle.

Schon fast bizarr war sein nächtliches Whirlpool-Vergnügen auf dem Bayern-Gelände, bei dem ihm Sicherheitsleute in die Quere kamen. Schweinsteiger hatte sich mit einer jungen Frau, die er später als seine Cousine bezeichnete, Zutritt verschafft. Sein Management geriet zudem unter Druck, weil es in Schweinsteiger allzu offensichtlich nur noch eine Marke sah und ihn entsprechend positionieren wollte.

Van Gaal erschuf den Schweinsteiger von heute

Bei der Weltmeisterschaft 2006 war dann vom Traumduo "Schweini und Poldi" die Rede, ein Spitzname, den Schweinsteiger mittlerweile nicht mehr hören kann. Die jungen Nationalspieler hatten sich in die Herzen der Fans gespielt.

Doch erst mit einer richtungsweisenden Entscheidung von Bayern-Trainer Louis van Gaal fiel Schweinsteiger seine jetzige Rolle des Strategen und Führungsspielers zu. Van Gaal versetzte Schweinsteiger von der linken offensiven Außenbahn ins zentrale defensive Mittelfeld. Als Sechser ist Schweinsteiger seitdem in der Schaltzentrale des Bayern-Spiels der Taktgeber für den Spielaufbau, der mit vertikalen Pässen glänzt, und zugleich raumgreifender Wächter der Abwehrkette.

Schweinsteiger trägt das Haar jetzt kurz und könnte gut als Feldherr in einem Gladiatorenfilm spielen - manchmal wird er in der Werbung auch genau so inszeniert. Und als Bayern-Pressesprecher Markus Hörwick ihn vor kurzem bei einer Medienrunde fragte, ob er nach der Meisterfeier der Bayern noch mit Restalkohol zum Training erschienen sei, antwortete er: "Ich habe mich zurückgehalten und diejenigen vorgelassen, die das erste Mal die Meisterschaft geholt haben." Ob das stimmt oder nicht sei dahingestellt. Jedenfalls hat sich das Bild Schweinsteigers auch in der Öffentlichkeit stark gewandelt.

Und mit ihm auch sein Auftreten. Neben dem Platz, weil er sich zurückhält und nur noch etwas sagt, wenn ihm der Zeitpunkt wichtig erscheint. Auf dem Rasen, wo er die Mannschaft dirigiert, ihr den Rhythmus gibt. Schweinsteiger ist eine Autorität geworden, in dieser zu Ende gehenden Saison wurde das besonders deutlich. Nur hatte er bislang eben noch nicht die ganz großen Titel gewonnen, die Champions League, die EM oder die WM. Er trug immer noch das Image mit sich herum, die ganz großen Spiele nicht gewinnen zu können.

Das ist ab sofort anders.

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insgesamt 342 Beiträge
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1. Guter Artikel
the_speaker 27.05.2013
Interessanter Artikel, der den Werdegang von Bastian Schweinsteiger gut beschreibt. Als FCB-Fan freue ich mich natürlich sehr über den CL-Titel, besonders aber für Philip Lahm und Bastian Schweinsteiger, der meines Erachtens oft unterschätzt wurde. Auch Franck Ribery und Arjen Robben haben sich diesen Titel nach vielen verlorenen Finals endlich verdient.
2.
muellerthomas 27.05.2013
Zitat von sysopFür Bastian Schweinsteiger war es ein langer Weg bis zum Champions-League-Triumph von London. Dem 28-Jährigen hing jahrelang der Ruf nach, in den ganz wichtigen internationalen Spielen abzutauchen.
Genau den Ruf hat er doch nun erneut bestätigt. Glückwunsch an die Bayern, aber Schweinsteiger hat dazu praktisch gar nichts beigetragen.
3. Zuviel Weißbier, ihr Herren blogatoren, was?
+LY 27.05.2013
Zitat von sysopFür Bastian Schweinsteiger war es ein langer Weg bis zum Champions-League-Triumph von London. Dem 28-Jährigen hing jahrelang der Ruf nach, in den ganz wichtigen internationalen Spielen abzutauchen. Auch wenn er am Samstag nicht zu den Stärksten gehörte: Das Titel-Trauma ist überwunden. Schweinsteiger gewinnt endlich für den FC Bayern Champions League - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/schweinsteiger-gewinnt-endlich-fuer-den-fc-bayern-champions-league-a-901965.html)
Unterstes Mittelmaß, dieser schweinsteiger, und dafür dieses Gesülze? Der Gipfel "Am Sonnabend hat er den Titel gewonnen." Ich dachte bisher, die Mannschaft und der Trainer waren es. Im übrigen, angesichts der bösen Fouls von Dante und Ribery, der nichterfolgten regelkonformen Runterstellung durch den Schiri, sollte man ganz schnell den Mantel des Schweigens über diesen "Titelgewinn" breiten.
4.
john923 27.05.2013
Zitat von muellerthomasGenau den Ruf hat er doch nun erneut bestätigt. Glückwunsch an die Bayern, aber Schweinsteiger hat dazu praktisch gar nichts beigetragen.
Zu einem Titel gehört ja nicht nur das Finale, und speziell die beiden Spiele gegen Barca, aber z.b. auch das Hinspiel bei Arsenal oder das Hinspiel gegen Juve waren überragende Spiele von ihm. Auch bezeichnend dass der einzige "Aussetzer" den der FCB in den k.o. Runden hatte das Rückspiel gegen Arsenal war, bei dem BS nicht mitgewirkt hat. Wie wertvoll ein Spieler ist, macht sich nicht nur an entscheiden Pässen oder Aktionen aus die zu einem Tor führen. Er hatte schwere erste 25 Minuten gegen den BVB im Finale, spielte teilweise hinter der 4-er Kette wegen dem starken Pressing des BVB...war dem guten Gegner geschuldet, er hat sich aber wie alle anderen auch gesteigert. Das es diesmal andere waren die letztendlich die entscheidende Aktionen hatten....so ist es halt bei Fussballspielen, es werden nie alle 11 entscheidende Aktionen haben.
5.
john923 27.05.2013
Zitat von +LYUnterstes Mittelmaß, dieser schweinsteiger, und dafür dieses Gesülze? Der Gipfel "Am Sonnabend hat er den Titel gewonnen." Ich dachte bisher, die Mannschaft und der Trainer waren es. Im übrigen, angesichts der bösen Fouls von Dante und Ribery, der nichterfolgten regelkonformen Runterstellung durch den Schiri, sollte man ganz schnell den Mantel des Schweigens über diesen "Titelgewinn" breiten.
Zuviel Bayernhass? :-) Die Tätlichkeit von Lewandowski, die Notbremse von Subotic, den Kung-Fu-Sprung von Großkreuz gegen Lahm...das alles vergessen Sie natürlich "rein zufällig"... :-) Ist klar. Zum Glück sind die BVB Offiziellen und die Spieler bessere Verlierer als die BVB Fans und die sonstigen Bayern Hater. Es war ein verdienter Sieg, knapp aber verdient...
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