Doppeladler nach Schweizer Toren Xhaka und Shaqiri provozieren Serben mit Albanien-Geste

Albanien ist doch gar nicht bei der WM vertreten? Falsch. Die Schweizer Torschützen Xhaka und Shaqiri feierten ihren Sieg gegen Serbien mit einer eindeutigen politischen Geste.

Granit Xhaka bejubelt das 1:1
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Granit Xhaka bejubelt das 1:1

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Die Szene des Spiels I: 52 Minuten lang war Granit Xhaka von den serbischen Fans ausgepfiffen worden. Dann legte der Schweizer all seinen Frust und seine Wut in einen Distanzschuss, der unhaltbar zum 1:1-Ausgleich im langen Eck einschlug. Beim anschließenden Torjubel ahmte er mit seinen Händen den albanischen Doppeladler nach. Es war die Szene des Abends, nicht etwa, weil der Treffer wirklich sehenswert war. Es war vielmehr der grimmige Blick Xhakas, der auch dem letzten Zuschauer deutlich machte, dass es in diesem Spiel um mehr ging als nur um WM-Punkte.

Die Szene des Spiels II: Xhakas Treffer wäre schon eigentlich genug gewesen für diesen Abend. In der Schlussminute aber erzielte Xherdan Shaqiri gar das Siegtor für die Schweiz. Auch er feierte mit eben jener Geste, die das Wappentier Albaniens darstellt, und freiem Oberkörper.

Xherdan Shaqiri bejubelt das 2:1
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Xherdan Shaqiri bejubelt das 2:1

Die Pfiffe von Kaliningrad: Natürlich war es kein normales Spiel gewesen, zumindest nicht für Shaqiri, Xhaka, Valon Behrami und Blerim Dzemaili. Die vier Schweizer Nationalspieler haben allesamt albanische Wurzeln und wurden von etlichen serbischen Fans über die gesamte Spieldauer hinweg ausgepfiffen. Serbien erkennt die Unabhängigkeit des Kosovo nicht an.

Siegtorschütze Xherdan Shaqiri: Schweiz auf dem linken Schuh, Kosovo auf dem rechten
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Siegtorschütze Xherdan Shaqiri: Schweiz auf dem linken Schuh, Kosovo auf dem rechten

Das Ergebnis: Ach ja, Fußball wurde auch gespielt, kein schlechter zudem. Die Schweiz drehte ihr zweites Gruppenspiel gegen Serbien in letzter Sekunde und gewann 2:1 (0:1). Hier geht es zum Spielbericht.

Der Reihe nach: Ganze 33 Sekunden lagen zwischen den beiden Luftduellen, die Fabian Schär im eigenen Strafraum gegen Aleksandar Mitrovic verlor. Beim ersten Versuch hatte der Schweizer Innenverteidiger Glück, dass sein Keeper Yann Sommer mit einer starken Parade den frühen Rückstand verhinderte, eine halbe Minute später war Sommer dann machtlos. 1:0 für Serbien! Es war der drittschnellste Treffer dieser WM - früher traf nur der Mann, der ohnehin die meisten Rekorde hält.

Die erste Hälfte: Sah auch nach der frühen Führung extrem aggressive und zielstrebige Serben. Sergej Milinkovic-Savic verfehlte den langen Pfosten (16.), Fulham-Stürmer Mitrovic verpasste mit einem artistischen Fallrückzieher seinen möglichen zweiten Treffer (19.), Dusko Tosic sprang schließlich kurz vor der Pause knapp am 2:0 vorbei (43.). Die Schweizer fanden zwar gegen Ende der ersten Hälfte etwas besser in die Partie, mehr als eine Gelegenheit durch Dzemaili sprang dabei aber nicht heraus.

Laues Lüftchen: Vladimir Petkovic, der in Sarajevo geborene Schweizer Nationaltrainer, wechselte mit Wiederbeginn im Angriff. Haris Seferovic, der im ersten Durchgang ganze zwei (!) Ballkontakte in der gegnerischen Spielhälfte hatte, musste vom Feld. Sein Ersatzmann Mario Gavranovic würde ähnlich isoliert bleiben - er kam am Ende auf zwölf Ballkontakte, darunter aber immerhin die Vorlage für den Siegtreffer.

Die zweite Hälfte: Xhaka bekam seine persönliche Genugtuung (52., siehe oben), Shaqiri verpasste sie knapp darauf zunächst noch mit einem spektakulären Drehschuss an den linken Pfosten (58.). Plötzlich war es ein Spiel auf Augenhöhe, in dem die Schweizer allerdings auch Glück hatten, dass Schiedsrichter Felix Brych Serbien einen möglichen Elfmeter verweigerte. Auch in den letzten Minuten der zweiten Hälfte waren die Schweizer einem Treffer näher - Shaqiris Konter in der 90. Minute kam nicht mehr komplett überraschend.

Xherdan Shaqiri nach dem 2:1
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Xherdan Shaqiri nach dem 2:1

Die Gruppenkonstellation: Brasilien hatte am Nachmittag Costa Rica mit einem 2:0 aus dem Turnier geschossen. Neymars später Treffer (90.+7) könnte sich dabei noch als extrem bedeutsam herausstellen. Nur dadurch liegt Brasilien (4 Punkte, 3:1 Tore) in Gruppe E vor der Schweiz (4 Punkte, 3:2 Tore). Am letzten Spieltag muss Serbien (3 Punkte, 2:2 Tore) fast schon gegen Brasilien gewinnen, während der Schweiz in jedem Fall schon ein Remis gegen Costa Rica (0 Punkte, 0:3 Tore) reicht. Verlieren die Schweizer mit zwei Toren Abstand gegen Costa Rica, reicht den Serben sogar ein Unentschieden gegen Brasilien fürs Achtelfinale. Am 27. Juni (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) werden wir also den guten alten Rechenschieber benötigen.

Land Sp S U N T GT TD Pkt
Brasilien 2 1 1 0 3 1 2 4
Schweiz 2 1 1 0 3 2 1 4
Serbien 2 1 0 1 2 2 0 3
Costa Rica 2 0 0 2 0 3 -3 0

Erkenntnis des Abends: Alles ist politisch. Schweizer Nationalspieler bejubeln in Russland einen Erfolg gegen Serbien mit einer albanischen Geste. Ob diese Aktion ein Nachspiel haben wird, ist unklar. Die Fifa duldet normalerweise keine politischen Botschaften im Stadion. Diese Zeiten sind mindestens so kompliziert wie die Tabelle in Gruppe E.

Serbien - Schweiz 1:2 (1:0)
1:0 Mitrovic (5.)
1:1 Xhaka (52.)
1:2 Shaqiri (90.)
Serbien: Stojkovic - Ivanovic, Milenkovic, Tosic, Kolarov - Matic, Milivojevic (81. Radonjic) - Tadic, Milinkovic-Savic, Kostic (65. Ljajic)- Mitrovic
Schweiz: Sommer - Lichtsteiner, Schär, Akanji, Rodriguez - Behrami, G. Xhaka - Shaqiri, Dzemaili (73. Embolo), Zuber (90.+4 Drmic) - Seferovic (46. Gavranovic)
Ort: Kaliningrad (Kaliningrad-Stadion)
Schiedsrichter: Felix Brych
Gelbe Karten: Milinkovic-Savic, Milivojevic, Matic, Mitrovic / Shaqiri



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