Schwedens Sieg gegen die Schweiz Forsberg, schon wieder!

Hurra-Fußball war früher, bei dieser WM präsentiert sich Schweden als gelb-blaues Bollwerk. Ist nicht schön anzuschauen, aber erfolgreich. Oder, Schweiz?

Emil Forsberg (2.v.l.), Teamkollegen
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Emil Forsberg (2.v.l.), Teamkollegen

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Parallelen: Vor etwas mehr als sechs Wochen hatten sich die Schweiz und Schweden zuletzt bei einem großen Turnier gegenübergestanden: im Finale der Eishockey-WM 2018. Die Entscheidung in Kopenhagen fiel erst im Penaltyschießen, Schweden setzte sich knapp durch. Den entscheidenden Treffer erzielte im Mai ein Spieler namens Forsberg (Filip). Nun ja, manchmal wiederholt sich Geschichte.

Emil Forsberg erzielt das 1:0 (66.)
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Emil Forsberg erzielt das 1:0 (66.)

Das Ergebnis: Schweden erreicht durch einen 1:0-Erfolg gegen die Schweiz das Viertelfinale der Fußball-WM - zum ersten Mal seit 1994. Ein Spieler namens Forsberg (Emil) erzielte auch diesmal den einzigen Treffer der Partie. Hier geht's zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Begann mit einer Dreifachchance der Schweden. Marcus Berg scheiterte gleich zweimal (8. Minute/9.), Albin Ekdal einmal (9.). Die Schweiz war zunächst das etwas kontrolliertere Team, kam aber trotz 66 Prozent Ballbesitzes nur zu einer echten Torchance: Steven Zuber und Blerim Dzemaili spielten mit einem cleveren Doppelpass die linke Defensivseite der Schweden auseinander, Dzemaili zielte knapp drüber (38.). Etwas gefährlicher waren die Schweden. Ihre beste Gelegenheit aber vergab Ekdal kurz vor der Pause nach einer atemraubend schlecht getimten Direktabnahme (41.).

Albin Ekdals Großchance (41.)
REUTERS

Albin Ekdals Großchance (41.)

Die zweite Hälfte: Schleppte sich weitere gut 20 Minuten dahin. Dann wackelte Forsberg am Schweizer Strafraum Granit Xhaka aus und hatte im Anschluss ein wenig Glück, dass BVB-Verteidiger Manuel Akanji den Ball unhaltbar für Schlussmann Yann Sommer abfälschte (66.). 1:0 für Schweden! Und auch 1:0 für die Wahrscheinlichkeitstheorie:

Die Schweizer Antwort: Trainer Vladimir Petkovic brachte mit Breel Embolo und Haris Seferovic zwei neue Angreifer. Vor allem Embolo sorgte für neuen Schwung, seinen Kopfball in der 79. Minute konnte Forsberg aber von der Linie kratzen. Auch Seferovic bekam noch seinen Offensivmoment, der Kopfball landete aber in den Armen von Schweden-Keeper Robin Olsen (90.+1). Die Schweiz rannte an, sie flankte unablässig, die skandinavische Strafraumverteidigung hielt aber. Im Grunde wie die DFB-Elf - mit dem einzigen Unterschied, dass die Schweiz eben keinen Toni-Kroos-Moment in der Nachspielzeit hatte.

Die Entscheidung: Kurz nach der Seferovic-Chance fuhren die Schweden einen allerletzten Konter. Michael Lang schubste den eingewechselten Martin Olsson so geschickt, dass der Schwede aus dem Tritt kam. Okay, richtig geschickt war es nicht, zumal Schiedsrichter Damir Skomina die Situation richtig deutete - und dem Schweizer sofort die Rote Karte zeigte. Auch den Tatort der Aktion erkannte Skomina mit Unterstützung des Videoschiedsrichters korrekt, sodass das Achtelfinale mit einem Freistoß und nicht mit einem Elfmeter endete. Der Rest war Jubel in Gelb und Blau. Und tiefe Enttäuschung in Rot und Weiß.

Ricardo Rodríguez (oben), Manuel Akanji (unten)
AP

Ricardo Rodríguez (oben), Manuel Akanji (unten)

Historisch: Die Schweizer wollten erstmals seit der Heim-WM 1954 ein Viertelfinale erreichen, sie schieden stattdessen zum vierten Mal im Achtelfinale aus (1994, 2006, 2014, 2018). In diesen vier Spielen erzielten sie kein einziges Tor.

Erkenntnis des Abends: Es war exakt das Achtelfinale, das zu erwarten war. Leider. Schweden hatte weniger Ballbesitz (33:67 Prozent), weniger Ecken (3:11), weniger Torabschlüsse (12:18) - aber am Ende eben ein Tor mehr. Schweden verteidigte konsequent, den Schweizern fehlten die Mittel - das ist die Geschichte der Partie. "Was wir hier gemeinsam erreichen, treibt mir die Tränen in die Augen", sagte Torschütze Forsberg. 1994 waren Henrik Larsson, Martin Dahlin und Tomas Brolin ins WM-Halbfinale gestürmt - mit deren Hurra-Stil hat das aktuelle schwedische Team nur wenig gemeinsam. Lassen sie im Viertelfinale am Samstag auch den Sieger aus der Partie England gegen Kolumbien (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) verzweifeln, wird man ihre Namen trotzdem im gleichen Atemzug nennen.

Schweden - Schweiz 1:0 (0:0)
1:0 Forsberg (66.)
Schweden: Olsen - Lustig (82. Krafth), Lindelöf, Granqvist, Augustinsson - G. Svensson, Ekdal - Claesson, Forsberg (82. Olsson) - Berg (90.+1 Thelin), Toivonen
Schweiz: Sommer - Lang, Djourou, Akanji, R. Rodriguez - Behrami, G. Xhaka - Shaqiri, Dzemaili (73. Seferovic), Zuber (73. Embolo) - Drmic
Zuschauer: 64.000 (St. Petersburg)
Schiedsrichter: Damir Skomina (Slowenien)
Rote Karte: - / Lang
Gelbe Karten: Lustig / Behrami, Xhaka



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