WM-Aus für Senegal Die Un-Fairplay-Wertung

Kolumbien kämpft sich mit einem knappen Sieg ins Achtelfinale, Senegal scheidet aus. Die Gründe: Gelbe Karten und Ballgeschiebe im Parallelspiel.

Senegals Spieler trauern nach der Niederlage gegen Kolumbien
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Senegals Spieler trauern nach der Niederlage gegen Kolumbien

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Wenn das Fair-Play entscheidet: Senegal wird als eine der Überraschungen dieses Turniers in Erinnerung bleiben, aber nicht als Achtelfinalist. Das liegt nur zum Teil an der abschließenden Niederlage gegen Kolumbien. Punktgleich, mit exakt demselben Torverhältnis wie Japan, reichte es für den letzten verbliebenen afrikanischen Teilnehmer nur zu Platz drei in der Gruppe H. Am Ende entschied die Fair-Play-Wertung - erstmals bei einer WM.

Was ist Fair-Play? In den drei Spielen der Vorrunde hat Japan zwei Gelbe Karten weniger erhalten als Senegal, das ist Fakt. Das Team beging die wenigsten Fouls aller WM-Teilnehmer. Dann kam die Schlussphase im Parallelspiel zwischen Polen und Japan: Beide Mannschaften stellten sämtliche Bemühungen ein, schoben den Ball in den eigenen Reihen hin und her. Ein Nichtangriffspakt, der Polen den 1:0-Sieg sicherte und Japan das Weiterkommen. Ein Verhalten, das in keine Fairplay-Wertung einfließt.

Zurück zum eigentlichen Spiel, das Ergebnis: Senegal - Kolumbien 0:1 (0:0) - hier geht's zur Meldung.

Die Szene des Spiels: Lang ist es her, dass Abwehrhünen den Rasen durchpflügten. In Zeiten der Kurzpass-Feuerwerke und der spielerischen Lösungen gilt die eingesprungene Grätsche als verpönt. Nur wer falsch steht, müsse zu solch einem Mittel greifen, heißt es oft. Dann das, 17. Minute: Senegals Sadio Mané lief frei aufs Tor zu, nur noch Davinson Sánchez konnte ihn stoppen. So kam der Verteidiger im eigenen Strafraum angeflogen und spitzelte den Ball mit der Hacke weg. So gut getimt, dass erst der Videobeweis verdeutlichte, dass es kein Foul war. Eine Grätsche als Kunstwerk.

Ein anderes Turnier: Kunstvoll war auch, was Kolumbien vor vier Jahren in der Gruppenphase bot: drei Siege, 9:2 Tore - angetrieben von ihrem Besten, James Rodríguez, jagte das Team durch die Gruppenphase und bis ins Viertelfinale. Vier Jahre später hängt Kolumbiens Spiel noch immer vom Spielmacher ab. Nur muss man sagen: leider. Ist James bei Kräften, dann läuft's. Mit zwei Traumvorlagen führte er sein Team gegen Polen noch zu einem 3:0. Doch der 26-Jährige plagt sich mit muskulären Problemen, kämpft sich durchs Turnier. Gegen Senegal reichte es - wie schon im Auftaktspiel - nur für eine knappe halbe Stunde. Es war dem Spiel anzusehen: viel Kampf, viel Defensive, wenig Ideen.

Die erste Hälfte: Ein Hoch auf den Videobeweis! So gab es wenigstens ein echtes Highlight, eine Minute lang Spannung, von der 17. bis zur 18. Minute. Ansonsten: schnell weiter mit Halbzeit zwei.

Die zweite Hälfte: Kompakt stehende Senegalesen, wenig kreative Kolumbianer - fast eine halbe Stunde verlief alles wie zuvor. Dann erzielte Yerry Mina die Führung (74. Minute). Danach mussten die Löwen von Teranga reagieren: Niang (77.) und Sarr (79.) scheiterten aber mit ihren Abschlüssen.

Plötzlich Torjäger: Anders konnte Kolumbiens Siegtreffer nicht fallen: Ein Innenverteidiger köpfte nach einer Ecke das 1:0. Und es war bereits Minas zweiter Treffer in diesem Turnier. Damit avanciert er zum Top-Torjäger seines Teams. Radamel Falcao und James trafen zusammengerechnet sogar nur einmal.

Die Fast-die-ganze-Welt-Meisterschaft: Nach dem Ausscheiden von Senegal findet die K.-o.-Phase der WM erstmals seit 1982 ohne afrikanisches Team statt. Aus Europa sind noch zehn Teams dabei, aus Südamerika vier. Mexiko vertritt Nord- und Mittelamerika, Asien darf sich bei Japan bedanken.

Das Fazit: Kolumbien und Japan treffen im Achtelfinale nun auf England oder Belgien. Die Südamerikaner können nur hoffen, dass James bis dahin fit wird. Japan muss wieder angreifen - oder komplett aufs Elfmeterschießen setzen. Und Senegal erlebt einen bitteren WM-K.o. Die Zutaten: Eine Prise Karten-Willkür, aber auch mangelnder Mut. Kolumbien wäre an diesem Tag zu schlagen gewesen.

Senegal - Kolumbien 0:1 (0:0) 0:1 Mina (74.)
Senegal: Khadim N'Diaye - Gassama, Salif Sane, Koulibaly, Sabaly (ab 74. Wague) - Kouyate, Gueye, Sarr, Keita Balde (ab 80. Konate) - Mané, Niang (ab 86. Sakho)
Kolumbien:
Ospina - Arias, Mina, Davinson Sanchez, Mojica - Carlos Sanchez - Quintero, Uribe (ab 83. Lerma) - Cuadrado, James (ab 31. Muriel) - Falcao (ab 89. Borja)
Schiedsrichter: Milorad Mazic (Serbien)
Zuschauer: 41.970 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Niang (2) - Mojica



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
harke 28.06.2018
1. Schade
Ein sehr tendenziöser Artikel, der entlarvend ist. Wäre Senegal weitergekommen, es gäbe hier keinen Artikel bei SpOn, der dies bemängelt. Der Autor ist sehr voreingenommen. Haben die Japaner ihnen was getan?
stevowitsch 28.06.2018
2. Bessere Regelung
Es geht ja um die Ermittlung des 1. und 2. Also schaut man wer das bessere Ergebnis gegen den 3. hat. Ist auch das gleich, dann das Ergebnis gegen den 4. Dann von mir aus "Fairplay", wobei ich das ganz weglassen, und sofort losen würde. Bei "Fairplay" ist zu viel Kuddelmuddel, soll heißen: Unberechtigte Karten und zu Unrecht nicht gegebene Karten sind eine ziemliche Lotterie.
lobivia 28.06.2018
3. Ergänzung zu Nr1
Hat Kolumbien dem Autor auch etwas getan?
hamburger.jung 28.06.2018
4.
Meine Güte! Dann hätte Senegal halt von Anfang an auf ein Tor spielen müssen. Ist doch ok wenn Fairness belohnt wird und in den letzten 10 Minuten würde jeder auf Ergebnis spielen. Wer das nicht tut, hat keine Ahnung.
Lontrax 28.06.2018
5. Komisch
Komischer Artikel. Hätte Senegal das eine oder andere Tor mehr gemacht, dann wäre es auch weitergekommen. Man muss sich nicht immer und jedesmal heroisch schützend davor werfen, nur weil jemand aus Afrika oder Nahost kommt. Die brauchen das nicht, denn sie sind schon Erwachsen und mit Sicherheit auch nicht blöder als jemand anders.
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