Fifa-Bestechungsskandal FBI ermittelt gegen Blatter

Was wusste Joseph Blatter über die Schmiergeld-Affäre bei der Fifa? Laut BBC ermittelt das FBI gegen den suspendierten Verbandschef. Ein Brief soll Blatter schwer belasten.

Platini, Havelange, Blatter (v.l., Bild von 2011): FBI ermittelt gegen suspendierten Fifa-Chef
REUTERS

Platini, Havelange, Blatter (v.l., Bild von 2011): FBI ermittelt gegen suspendierten Fifa-Chef


Joseph Blatter steht offenbar erneut im Zentrum von Ermittlungen. Die US-Bundespolizei FBI untersucht laut BBC die Rolle des suspendierten Fifa-Präsidenten im gigantischen Bestechungsskandal um die Sportmarketing-Firma ISL.

In den Neunzigerjahren soll die ISL 100 Millionen Dollar an hochrangige Funktionäre des Fußballweltverbands gezahlt haben. Unter den Schmiergeldempfängern waren zwei Brasilianer: der langjährige Fifa-Präsident João Havelange und Ricardo Teixeira, ehemaliges Mitglied der Fifa-Exekutive.

Als Gegenleistung bekam die ISL lukrative TV- und Vermarktungsrechte, die sie an Sponsoren und Fernsehsender weiterverkaufte. 2001 meldete das Unternehmen Konkurs an.

Blatter soll von den Schmiergeldzahlungen gewusst haben. Das geht laut BBC aus einem Brief hervor, der von Havelange stammen soll. Der Brasilianer soll darin über die Zahlungen schreiben, die er von der ISL erhalten hatte. Blatter habe "vollständige Kenntnis von allen Aktivitäten" gehabt und sei jederzeit informiert gewesen, berichtet die BBC.

Die Vorwürfe gibt es bereits seit mehreren Jahren, Blatter hat sie stets bestritten. Das Schreiben von Havelange ist laut BBC Teil von Ermittlungsakten, die das FBI von Schweizer Behörden erhalten hat. Bereits 2012 hieß es in einer Verfügung der Staatsanwaltschaft Zug: "Nicht in Frage gestellt werden kann die Feststellung, dass die Fifa Kenntnis von Schmiergeldern an Personen ihrer Organe hatte."

Ethikkommission entlastete Blatter noch 2013

Die Fifa-Ethikkommission unter Richter Hans-Joachim Eckert zog im April 2013 einen Schlussstrich unter die ISL-Bestechungsaffäre - und entlastete Blatter. In Eckerts Abschlussbericht hieß es, es gebe keine Hinweise dafür, "dass Präsident Blatter Provisionszahlungen von ISL, ihrem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Jean-Marie Weber oder von anderen erhalten hat". Auch gebe es "keinerlei Anhaltspunkte" dafür, dass der Fifa-Präsident für Schmiergeldzahlungen an seine langjährigen Mitstreiter Havelange und Teixeira verantwortlich gewesen sei. Blatters Verhalten sei lediglich ungeschickt gewesen. Der damalige Fifa-Boss sah sich entlastet.

Derzeit ist der Fifa-Boss - ebenso wie Uefa-Präsident Michel Platini - suspendiert. Hintergrund ist eine Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken aus dem Jahr 2011. Die beiden Spitzenfunktionäre hatten die Überweisung mit Beratertätigkeiten Platinis aus den Jahren 1998 bis 2002 erklärt. Sie sollen vom 16. bis 18. Dezember von der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission angehört werden. Am 26. Februar soll Blatters Nachfolger gewählt werden.

cte/dpa

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
weem 07.12.2015
1. Nein - Doch - Ooooh!
Na sowas, wer hätte das gedacht, hat die selbstgerechte weiße Weste des schweizer Unschuldslamms hintenrum doch noch braune Flecken. Das kann schon mal passieren, wenn das FBI die Definition von "ungeschickten Verhalten" anders sieht, als ein deutscher Richter, der mit dem Ramschladen - formerly known as FIFA - eng verbunden ist.
viwaldi 07.12.2015
2. Blatter ist Geschichte
Mir egal, ob er irgendwas wusste, - selbst wenn dürfte das inzwischen eh verjährt sein. Entscheidend wird sein, wer der neue Präsident ist, ob die FIFA es schafft eine wirklich integre, unbelastete Person zu finden und zu wählen. DArum geht es jetzt.
ackergold 07.12.2015
3.
Die Korruption bei der FIFA ist anscheinend eine unendliche Geschichte, die voll zu Lasten des Fussballsports geht. Die einzige mögliche Lösung ist, die FIFA komplett aufzulösen und einen neuen Weltfussballverband als Non-Profit-Organisation unter dem Dach der UNESCO zu gründen. Dabei sollte allerdings radikal mit der Funktionärsclique aufgeräumt werden. Die neue WFA hätte dann nur noch die Aufgabe, in einem transparenten Verfahren über den Standort der WM zu entscheiden. Die Organisation übernimmt dann federführend der betreffende Mitgliedsverband, der auch über die Finanzen zusammen mit der Regierung des Austragungslandes entscheidet. Nur wenn es nichts mehr zu verdienen gibt, ist der Korruption Einhalt geboten.
Freidenker10 07.12.2015
4.
War bei der ISL nicht unser Netzer mal in führender Position? Schon komisch, sein Name taucht erstaunlich selten auf... Bei Blatter beginnt die Götterdämmerung! Keine Ahnung was oder wer den eigentlich noch vor der Verhaftung schützt?
bauigel 07.12.2015
5. Schade
Es wird wie immer sein. Jahrzehntelang wird bestochen, gelogen, Millionen verdient, in Saus und Braus gelebt, und wenn die hohen Herren dann irgendwann erwischt werden, sind sie plötzlich so alt und gebrechlich, dass sie straffrei ausgehen.
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