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Blatter zum DFB-Skandal: "Ich habe niemals Geld von Beckenbauer verlangt"

Fifa-Präsident Blatter: "Ich war nicht involviert" Zur Großansicht
REUTERS

Fifa-Präsident Blatter: "Ich war nicht involviert"

Wofür waren die Millionentransfers rund um die Vergabe der WM 2006? DFB-Präsident Niersbach versuchte, die Zahlungen mit Forderungen der Fifa zu erklären. Doch Fifa-Präsident Joseph Blatter wehrt sich.

Das Sommermärchen 2006 zieht eine Schlammschlacht unter Fußballfunktionären nach sich. Im Zentrum der Affäre steht der vom SPIEGEL öffentlich gemachte Verdacht, aus einer schwarzen Kasse sei möglicherweise Schmiergeld an Fifa-Funktionäre gezahlt worden, um die WM 2006 nach Deutschland zu holen. (Lesen Sie hier die Fakten zum DFB-Skandal.)

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bestreitet, dass Stimmen gekauft wurden. Warum dann vom deutschen Organisationskomitee (OK) 6,7 Millionen Euro an die Fifa gezahlt wurden, erklärte Niersbach unter Berufung auf Franz Beckenbauer so: Mit dem Geld habe der Deutsche Fußball-Bund (DFB) einen Zuschuss in Höhe von 250 Millionen Schweizer Franken für die Organisation der Weltmeisterschaft 2006 gesichert. Bei einem Gespräch zwischen Beckenbauer und Blatter im Januar 2002 sei der Zuschuss in Aussicht gestellt worden. Niersbach konnte aber nicht erklären, warum die Fifa später 6,7 Millionen Euro eingefordert hat, ehe sie die 170 Millionen Euro als Zuschüsse zur Verfügung stellte.

Nun meldete sich Joseph Blatter zu Wort: "Ich habe niemals Geld von Beckenbauer verlangt. Nie im Leben. Auch nicht vom DFB. Das stimmt einfach nicht", sagte der derzeit suspendierte Chef des Fußball-Weltverbandes der Zeitung "Schweiz am Sonntag". Blatters Verteidigung verwundert etwas, da weder Niersbach noch Beckenbauer jemals öffentlich behauptet hatten, Blatter selbst habe die Millionenforderung gestellt.

Laut Niersbach soll Blatter Beckenbauer in einem Vier-Augengespräch zwar den Fifa-Zuschuss über 250 Millionen Schweizer Franken in Aussicht gestellt, ihn für die Abwicklung aber an die Finanzkommission der Fifa verwiesen haben. Erst dort sei dann im Gegenzug die Forderung nach einer Zahlung von zehn Millionen Schweizer Franken (umgerechnet 6,7 Millionen Euro) an die Finanzkommission aufgekommen.

Video: Das sind die neuesten SPIEGEL-Enthüllungen

DPA
Im SPIEGEL hat sich auch der frühere DFB-Chef Theo Zwanziger zur Affäre um die Vergabe der WM 2006 zu Wort gemeldet. Er wirft seinem Nachfolger Niersbach vor, die Öffentlichkeit zu belügen. "Es ist eindeutig, dass es eine schwarze Kasse in der deutschen WM-Bewerbung gab", sagte Zwanziger (hier der gesamte SPIEGEL-Artikel).

Auch er wird in der Affäre attackiert. Der frühere Bundesinnenminister Otto Schily sagte der "Bild am Sonntag" , es sei fragwürdig, dass sich Zwanziger in der Affäre "als 'Ankläger'" gebärde. Nach allem, was bisher bekannt geworden sei, sollte er sich "eher in der Rolle des Beschuldigten sehen", sagte Schily.

Zwanziger sei im Organisationskomitee für die WM 2006 der Finanzverantwortliche gewesen. Er gehe davon aus, dass Zwanziger "von vornherein wusste, für welchen Zweck er die Überweisung von 6,7 Millionen Euro freigezeichnet hat", sagte Schily. Er kritisierte, dass der frühere DFB-Präsident sich Zeit mit der Aufklärung gelassen habe.

Blatter wünscht sich würdigen Abgang bei der Fifa

Nicht nur der DFB-Skandal wirft Fragen auf, wieso im Fußballgeschäft Millionen hin- und her transferiert werden. So steht Fifa-Patriarch Blatter auch wegen einer Zahlung mehr als zwei Millionen Schweizer Franken an den Uefa-Präsidenten Michel Platini unter Druck. Die Fifa-Ethikkommission hatte Blatter und Platini für jeweils 90 Tage gesperrt.

Einen vorzeitigen Rücktritt vor der Wahl seines Nachfolgers am 26. Februar schloss Blatter aus. "Ich will nach 41 Jahren bei der FIFA einen würdigen Abgang", sagte er. Unterstützende Briefe habe er unter anderem von Russlands Präsident Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping erhalten. Auch viele Nationalverbände drückten ihre Unterstützung aus. "Diese Solidarität tut sehr gut", sagte Blatter.

Der 79 Jahre alte Blatter sagte der "Schweiz am Sonntag", er fühle sich vorverurteilt. Wegen seiner Suspendierung ging er auf die Zahlung an Platini aber nicht näher ein.

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mmq/dpa

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insgesamt 224 Beiträge
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1. Verzweiflung
conny1969 25.10.2015
Wer gezwungen ist Blatter als Zeugen zu präsentieren muss verzweifelt sein.
2. Umsonst
kategorien 25.10.2015
Es lohnt nicht sich damit zu beschäftigen, was sie sagen. Alles Lügner. Es ist erschreckend, wie verzweifelt diese Leute sind, nun, da die Justiz hinter ihnen ist. Ich wünschte allenfalls, dass es unsere Justiz gewesen wäre, als positives Zeichen.
3.
brainstormerene 25.10.2015
lauter ehrenmaenner ...............
4. Ja nee, is klar!
deesdrei 25.10.2015
Zitat: "Ich habe niemals Geld von Beckenbauer verlangt. Nie im Leben. Auch nicht vom DFB. [...]" - Ja klar, verlangt hat der nichts, aber GENOMMEN hat er gerne! Ach, Seppl!
5. Bezaubernd!
Nabob 25.10.2015
Noch fehlt Platini im Spiel. Das Lustigste aber sind gegenwärtig die "Blockwarte" des DFB, die "hinter Niersbach stehen"...das hat noch nicht einmal das Ohnsorg-Theater so hinbekommen.
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