Brasiliens Erfolg gegen Serbien Gnadenlos effektiv

Ein Traumtor, ein Standard und zwei Stars, die ihr Team führen: Brasilien hat sich gegen Serbien den Gruppensieg gesichert. Der sechste WM-Triumph muss kein Traum bleiben.

Neymar
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Die Szene des Spiels: Brasilien wollte, Brasilien versuchte - so richtig gefährliche Aktionen gelangen der Seleção trotzdem kaum. Dann kam die 35. Spielminute. Philippe Coutinho nahm in Höhe der Mittellinie den Ball auf, lief ein paar Schritte und sah, dass er Raum hatte. Viel zu viel Raum. Also schlenzte er einen Traumpass durch die Schnittstelle der Abwehr. Paulinho brauchte den Ball nur noch über Torhüter Vladimir Stojkovic hinweg ins Tor zu spitzeln (35. Minute).

Das Ergebnis: Serbien - Brasilien 0:2 (0:1) - hier geht's zur Meldung.

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Brasilien im Achtelfinale: Mehr als Neymar

Die erste Hälfte: Die Seleção startete im Vollgasmodus, brauchte bis zur ersten echten Chance aber eine Weile: Neymar scheiterte aus knapp fünf Metern an Serbiens Keeper (24. Minute), Gabriel Jesús am Bein eines Abwehrspielers (29.). Den Führungstreffer erzielte dann Paulinho. Und Serbien? Führte Zweikampf um Zweikampf, grätschte, rannte. Es reichte nicht, um das Gegentor zu verhindern. Brasilien war besser.

Die zweite Hälfte: Es gab eine zehnminütige Phase, in der hätte Serbien durchaus das 1:1 erzielen können. Doch genau diese Drangperiode beendete Thiago Silva (68.) mit seinem Kopfballtreffer zum 2:0 - nach einer Ecke von Neymar. Der Sieg hätte auch noch höher ausfallen können, aber Filipe Luís (71.) und Neymar (57., 86., 90.+3) vergaben.

Wer ist hier der Boss? Brasilien hat bislang fünf Tore in diesem Turnier erzielt - an jedem war entweder Coutinho (zwei Tore, eine Vorlage) oder Neymar (ein Tor, eine Vorlage) beteiligt. Nach der Vorrunde steht fest: Das Team wird diesmal von zwei Leadern durchs Turnier getragen. Was passiert erst, wenn sich die beiden auch noch gegenseitig Tore auflegen?

Der Minimalismus: 1:1, 2:0, 2:0 - im Gegensatz zu Belgien oder England hat Brasilien noch kein Spektakel geboten. Es klingt ein bisschen merkwürdig, doch genau das zeichnet die Seleção bei diesem Turnier aus. Dass ein Team mit Offensivkräften wie Neymar, Coutinho, Jesús oder Willian traumhafte Spielzüge liefern kann, das darf man erwarten. Aber dass es bei kompakten Gegnern wie Costa Rica, Serbien oder der Schweiz die Ruhe bewahrt, die Grundordnung nicht verliert und am Ende die Punkte holt, macht die Mannschaft erst zu einem Titelkandidaten. Effizienz statt Effekthascherei - klingt nach einem Erfolgsmodell.

Die Bank eines Weltmeisters - zumindest auf dem Papier: Und dann ist da noch die Breite des Kaders. Als Marcelo (Real Madrid), der womöglich beste Linksverteidiger der Welt, in der zehnten Minute verletzt vom Feld musste, kam für ihn Filipe Luís (Atlético Madrid). Der Außenverteidiger des Europa-League-Siegers ersetzte den Außenverteidiger des Champions-League-Siegers. Allerdings sah das auf dem Platz nicht immer so aus. Ab der 58. Minute segelte eine Flanke nach der anderen über Filipe Luís linke Abwehrseite in den Strafraum. Glück für Brasilien, dass insbesondere Aleksandar Mitrovic nicht genau genug zielte. Wäre wohl doch gut, wenn Marcelo nicht fürs restliche Turnier ausfiele.

Das Fazit: 7 Punkte, 5:1 Tore. Am Ende sicherte sich Brasilien den Gruppensieg souverän. Im Achtelfinale trifft das Team auf Mexiko (Montag, 16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) - also auf einen Gegner, der seit 1994 immer in der Runde der letzten 16 ausgeschieden ist. Und ein erneutes Halbfinaldebakel gegen Deutschland ist in diesem Jahr auch nicht mehr möglich. Der sechste Titel rückt näher.

Serbien - Brasilien 0:2 (0:1)
0:1 Paulinho (36.)
0:2 Thiago Silva (68.)
Serbien: Stojkovic - Rukavina, Milenkovic, Veljkovic, Kolarov - Milinkovic-Savic, Matic - Tadic, Ljajic (75. Zivkovic), Kostic (82. Radonjic) - Mitrovic (89. Jovic)
Brasilien: Alisson - Fagner, Thiago Silva, Miranda, Marcelo (10. Filipe Luis) - Casemiro, Paulinho (66. Fernandinho), Coutinho (80. Renato Augusto) - Willian, Neymar - Jesús Schiedsrichter: Faghani (Iran)
Gelbe Karten: Ljajic, Matic, Mitrovic / -
Zuschauer: 44.000 (Moskau)



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