Wechsel nach Florenz: Gomez auf dem Weg zum Stürmerglück

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Wechsel zum AC Florenz: Das ist Gomez' neuer Verein Fotos
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Ausgerechnet Florenz! Der Wechsel zum italienischen Erstligisten wirkt auf den ersten Blick wie eine Verzweiflungstat von Mario Gomez. Aber der Transfer ist sinnvoll: Hier könnte der Stürmer sein spätes Fußballerglück finden. Heute wird er vorgestellt.

Es gibt viele Gründe, Florenz aufzusuchen. Die atemberaubende Piazza della Signoria, die beeindruckende Sammlung der Uffizien, der berühmte Ponte Vecchio. Ab Montag hat die toskanische Metropole eine Sehenswürdigkeit mehr zu bieten. Nationalspieler Mario Gomez wird beim AC Florenz offiziell vorgestellt, und Bürgermeister Matteo Renzi wird mit dem Satz zitiert: "Ich denke, dass die Schönheit unserer Stadt Gomez bei seiner Wahl beeinflusst hat."

Tatsächlich steht seit Bekanntwerden des Transfers die Frage im Raum, wieso Gomez, der treffsicherste deutsche Stürmer der vergangenen Jahre und einstige 35-Millionen-Euro-Mann, sich ausgerechnet den Tabellenvierten in der Serie A ausgesucht hat. Einen Verein, der nicht einmal die Berechtigung hat, in der kommenden Spielzeit an der Champions League teilzunehmen, einen Club, der die Niederungen der Liga in den vergangenen Jahren durchaus kennengelernt hat, seit sich der heutige Nationaltrainer Cesare Prandelli 2010 aus Florenz verabschiedet hat.

Auf den ersten Blick wirkt die Wahl Florenz daher wie eine Art Verzweiflungstat von Gomez und seinem Berater Uli Ferber. Ein schneller Zugriff, weil sich kein größerer Verein für den Deutschen ernsthaft interessieren wollte und weil es in München keine sportliche Perspektive mehr gab. Erst wenn man genauer hinschaut, erscheint die vermeintliche Flucht nach Italien als durchaus nachvollziehbar. In Florenz entsteht etwas, und Gomez könnte dabei im Mittelpunkt stehen.

Florenz spielt in Italien den schönsten Fußball

Der Club des jungen ambitionierten Trainers Vincenzo Montella galt schon in der Vorsaison als das Team, das in der Serie A den attraktivsten und erfrischendsten Fußball bot. Nach vorne ausgerichtet, mit Kurzpassspiel den Ball vors Tor tragend, dirigiert von den Mittelfeldakteuren Stevan Jovetic aus Montenegro und dem Spanier Borja Valero.

Montella hat im Zusammenspiel mit dem mächtigen Präsidenten Andrea della Valle einen intelligenten Kader zusammengebaut. Mit Italiens ehemaliger großer Stürmerhoffnung Giuseppe Rossi und dem Milan-Urgestein Massimo Ambrosini kommen erfahrene Spieler dazu, die Gomez beim Toreschießen zur Seite stehen sollen. Mit dem früheren Hoffenheimer Marvin Compper trifft Gomez sogar einen ehemaligen Kollegen aus der Bundesliga wieder.

Della Valle hat den Verein vor zehn Jahren vor dem Konkurs bewahrt. Der Präsident ist Chef des Luxuswarenkonzerns Tod's, der die berühmten italienischen Schuhe herstellt und so viel Geld abwirft, dass della Valle sogar die Renovierung des Colosseums in Rom finanzieren kann und nebenbei ein paar renommierte Stürmer für seinen AC akquiriert.

Und wieder trifft er auf Klose

Dass er und sein Bruder Diego im großen Manipulationsskandal des italienischen Fußballs von 2006 eine unrühmliche Rolle gespielt haben, darüber sieht man in der Stadt der Medici, über Jahrhunderte an Intrigen und Machtspiele gewöhnt, gnädig hinweg.

Gomez wird in Florenz eine tragende Rolle spielen, ein Gefühl, das er lange nicht mehr genießen durfte. Weder beim FC Bayern München, wo er zu einer Randfigur des Triple-Siegers gemacht wurde, noch in der Nationalmannschaft, wo ihm Miroslav Klose seit Jahr und Tag vor der Nase steht. Es ist ein hübscher Zufall, dass nun sowohl Gomez als auch Klose bei italienischen Vereinen unter Vertrag stehen, die nicht zur allerersten Garde in Europa zählen. Klose hat bei Lazio Rom sein Glück offenbar gefunden, Gomez hat gute Aussichten, es ihm in Florenz gleichzutun.

Der Ex-Bayern-Stürmer wird in Florenz die Nachfolge von Luca Toni antreten, der sich in Richtung Hellas Verona verabschiedet hat. Toni hat eine ähnliche Bayern-Geschichte hinter sich wie Gomez. Als Torjäger in München zunächst gefeiert, dann von Trainer Louis van Gaal aufs Abstellgleis geschoben. Beide sind ähnliche Stürmertypen, Goalgetter der eher alten Schule, außerhalb des Strafraums fühlen sie sich unwohl, ihr Revier ist der Sechzehnmeterraum. Es gibt nicht mehr viele Spitzenclubs, die auf solche Typen setzen. Montella und der AC Florenz gehören noch dazu.

Und allein das könnte Mario Gomez in Florenz doch noch zu einem glücklichen Fußballer werden lassen. Die vier Millionen Euro Jahresgage und die Piazza della Signoria tun dann noch ihr übriges dazu.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. optional
Merkelfan 15.07.2013
Sie werden noch viel Freude an ihm haben.
2.
epic_fail 15.07.2013
Zitat von sysopREUTERSAusgerechnet Florenz! Der Wechsel zum italienischen Erstligisten wirkt auf den ersten Blick wie eine Verzweiflungstat von Mario Gomez. Aber der Transfer ist sinnvoll: Hier könnte der Stürmer sein spätes Fußballerglück finden. Heute wird er vorgestellt. Serie A: AC Florenz freut sich auf Mario Gomez - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/serie-a-ac-florenz-freut-sich-auf-mario-gomez-a-911046.html)
Natürlich ist sein Wechsel sinnvoll für ihn selbst. Wer wie Gomez einfach nicht die Eier hat, um einen Stammplatz zu kämpfen, geht eben einfach dahin, wo sie ihn auf dem Rasen einbetonieren, damit er diesen nicht wieder verlassen muss. Auch wenn ich ihn irgendwie gemocht hab, muss man klar sagen, dass Gomez genau das wiederspiegelt, wofür ein großer Teil der Deutschen steht: gut aussehen wollen, aber leider keine Eier in der Hose.
3. Tormaschine
robin-masters 15.07.2013
Hoffe er mutiert wieder zur unbezwingbaren Tormaschine und wird in der ersten Saison Torschützenkönig - so das die ganzen Kritiker verstummen. Das Potenzial hat er aufjedenfall.
4. Das liegt wohl...
SPONtanität 15.07.2013
Zitat von epic_failNatürlich ist sein Wechsel sinnvoll für ihn selbst. Wer wie Gomez einfach nicht die Eier hat, um einen Stammplatz zu kämpfen, geht eben einfach dahin, wo sie ihn auf dem Rasen einbetonieren, damit er diesen nicht wieder verlassen muss. Auch wenn ich ihn irgendwie gemocht hab, muss man klar sagen, dass Gomez genau das wiederspiegelt, wofür ein großer Teil der Deutschen steht: gut aussehen wollen, aber leider keine Eier in der Hose.
Das mag darin liegen, dass wir sehr viele Frauen in unserem Land haben. Aber das finde ich nicht negativ.
5. Unsinn
Stelzi 15.07.2013
"Der Club des jungen ambitionierten Trainers Vincenzo Montella galt schon in der Vorsaison als das Team, das in der Serie A den attraktivsten und erfrischendsten Fußball bot. Nach vorne ausgerichtet, mit Kurzpassspiel den Ball vors Tor tragend, dirigiert von den Mittelfeldakteuren Stevan Jovetic aus Montenegro und dem Spanier Borja Valero." Und wie soll das Gomez nutzen? Das haben die Bayern auch gespielt und Gomez wirkte meist wie ein Fremdkörper. Das spielt die Nationalmannschaft auch und Gomez wirkt auch hier viel zu oft wie der Fremdkörper, weil er kein technisch spielstarker Stürmer ist. Wenn die Behauptung also zutrifft, dann wird das wol auch nix mit Gomez.
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