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34. Bundesliga-Spieltag: Fans erzürnt über Gewalt-Papier der Polizei

Im Internet ist ein Polizeibericht zur Gefahrenlage bei Fußballspielen der drei höchsten deutschen Ligen aufgetaucht. Das Papier erfasst offenbar zum 34. Bundesliga-Spieltag nicht nur Daten über gewaltbereite Anhänger, sondern auch über friedliche Fans. Die reagieren entsetzt.

Hamburg - "Vorauslage" heißt das Dokument schlicht. Doch was darin zu den Partien in den drei höchsten Ligen des deutschen Fußballs am letzten Spieltag zu lesen ist, birgt nicht nur im angespannten Verhältnis zwischen Fußballfans und den Behörden neues Konfliktpotential.

Das interne Papier der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZiS), das bei der Planung und Durchführung von Polizeieinsätzen bei Fußballspielen helfen soll, ist am Freitagabend im Internet öffentlich geworden. Seitdem diskutieren Fans hitzig über die Daten der Behörden, die neben der als (bedingt) gewaltbereit definierten Fans der Kategorie B und C auch jene der Kategorie A erfassen, also jene, die als nicht gewaltbereit eingestuft werden.

So heißt es zur Partie zwischen Dortmund und Hoffenheim unter anderem über die Gäste-Anhänger: "Die Polizei Sinsheim schließt bei der aktuellen Begegnung - insbesondere wegen dem Saison- bzw. Bundesligaabschluss - nicht aus, dass pyrotechnische Gegenstände gezündet werden. Bei Maßnahmen der Polizei und des Ordnungsdienstes gegen Angehörige der Ultraszene muss mit sofort beginnenden, szenetypischen Solidarisierungshandlungen gerechnet werden. Durch die Polizei Sinsheim wird darauf hingewiesen, dass es durch Hoffenheimer Störer zu Provokationen gegnerischer Fans, auch A-Fans, kommen kann, wobei es in letzter Zeit auch gelegentlich zu Raubdelikten (sog. "Abziehen" von Fanschals) gekommen war."

Das Portal publikative.org berichtet zudem von den Einschätzungen der Behörden zur Drittliga-Begegnung zwischen dem Karlsruher SC (KSC) und Wehen Wiesbaden, bei der dem Papier zufolge "4.500 bis 5.000 KSC-Fans" erwartet werden, "darunter ca. 180 Personen der Kategorie B und ca. zehn bis 20 der Kategorie C, womit die Problemfanszene des Gastvereins stark mobilisiert sein wird." Die C-Fans aus Karlsruhe seien "nur bedingt fußballinteressiert".

Anfahrtswege detailliert erfasst

Der Karlsruher SC, der nach dem Spiel die Saison als Tabellenführer beenden kann, bietet deshalb offenbar besonderes Gefahrenpotential. "Da die KSC-Fans am vergangenen Wochenende auf einen Platzsturm im heimischen Stadion verzichtet hatten, werden sie diesen mit hoher Wahrscheinlichkeit in Wiesbaden nachholen. Dementsprechend müssen durch Gästefans initiierte anlassbezogene Sicherheitsstörungen - insbesondere nach Spielende - einkalkuliert werden."

Auch die Anfahrtswege der unterschiedlichen Fangruppierungen werden detailliert erfasst, teilweise mit Nennung der gebuchten Busunternehmen sowie der amtlichen Kennzeichen. Bei der Partie zwischen dem VfB Stuttgart und Mainz 05 heißt es: "Der Großteil der Mainzer Anhänger wird individuell in Pkw, Klein- und Reisebussen nach Stuttgart fahren. Hierzu ist der Polizei Mainz konkret bekannt geworden, dass der Gastverein vier 50er Busse der Fa. Bohr (Ortskennung: SIM) organisiert hat. Bei den Mitreisenden handelt es sich ausschließlich um A-Fans."

Im Internet stieß das Dokument auf heftige Kritik. In ersten Reaktionen auf Twitter nannten einige das Papier "armselig" und "lächerlich." Bei der ZiS war am Samstagmittag niemand für eine Stellungnahme zum aktuellen Papier zu erreichen. Die Polizei Nordrhein-Westfalen, die die ZiS unterhält, wies gegenüber SPIEGEL ONLINE den Vorwurf detaillierter Datenerfassung über nicht gewaltbereite Fans zurück.

Die ZiS hatte Ende vergangenen Jahres eine große Diskussion über die Sicherheit in deutschen Fußballstadien ausgelöst, als sie eine Statistik veröffentlichte, nach der sowohl die Anzahl der Verhaftungen und Strafverfahren sowie die verletzten Personen auf einem Rekordniveau stehen. Die Zahlen offenbaren bei einer genauen Untersuchung allerdings (empirische) Schwächen.

chp

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1.
kdshp 18.05.2013
Zitat von sysopIm Internet ist ein Polizeibericht zur Gefahrenlage bei Fußballspielen der drei höchsten deutschen Ligen aufgetaucht. Das Papier erfasst offenbar zum 34. Bundesliga-Spieltag nicht nur Daten über gewaltbereite Anhänger, sondern auch über friedliche Fans. Die reagieren entsetzt. http://www.spiegel.de/sport/fussball/sicherheit-im-fussball-fans-erzuernt-ueber-zis-papier-a-900665.html
Unsere POLIZEI würde doch am liebsten jedem eine wanze in selbigen stecken um alles über ihn zu erfahren. Ich traue unserer POLIZEI was das angeht also daten sammeln nicht über den weg.
2.
solaris_3001 18.05.2013
Zitat von sysopIm Internet ist ein Polizeibericht zur Gefahrenlage bei Fußballspielen der drei höchsten deutschen Ligen aufgetaucht. Das Papier erfasst offenbar zum 34. Bundesliga-Spieltag nicht nur Daten über gewaltbereite Anhänger, sondern auch über friedliche Fans. Die reagieren entsetzt. http://www.spiegel.de/sport/fussball/sicherheit-im-fussball-fans-erzuernt-ueber-zis-papier-a-900665.html
Warum sind die Fans nicht darüber erzürnt, dass es überhaupt Gewalt im Zusammenhang mit Fussball-Spielen gibt?
3. ...
Wolffpack 18.05.2013
Zitat von sysopIm Internet ist ein Polizeibericht zur Gefahrenlage bei Fußballspielen der drei höchsten deutschen Ligen aufgetaucht. Das Papier erfasst offenbar zum 34. Bundesliga-Spieltag nicht nur Daten über gewaltbereite Anhänger, sondern auch über friedliche Fans. Die reagieren entsetzt. http://www.spiegel.de/sport/fussball/sicherheit-im-fussball-fans-erzuernt-ueber-zis-papier-a-900665.html
Kann mir jemand erklären was daran jetzt schlimm sein soll? Das die friedlichen Fans Kategorie A genannt werden oder was? Ich versteh das Problem nicht. Da steht doch lediglich: Zusätzlich zu den gewaltbereiten Fans kommen X viele A-Fans, und in gewissen Situationen könnten diese inspiriert/angesteckt/whatever werden, und auch Straftaten begehen. Hört sich schlüssig an und ist (da bin ich mir recht sicher) auch massen-psychologisch fundiert. Aber wie auch ein anderer Poster sagte: Warum regen sich die Fußball-Fans nicht über die Gewalttäter auf?
4. Ich bin
colobra 18.05.2013
regelmäßiger Stadiongänger der Kategorie A und finde nichts schlimmes dran. Im Gegenteil, ist doch nachvollziehbar.
5.
hal5000 18.05.2013
Zitat von sysopIm Internet ist ein Polizeibericht zur Gefahrenlage bei Fußballspielen der drei höchsten deutschen Ligen aufgetaucht. Das Papier erfasst offenbar zum 34. Bundesliga-Spieltag nicht nur Daten über gewaltbereite Anhänger, sondern auch über friedliche Fans. Die reagieren entsetzt. http://www.spiegel.de/sport/fussball/sicherheit-im-fussball-fans-erzuernt-ueber-zis-papier-a-900665.html
Wo ist jetzt, außer für Berufsempörte, das Empörungspotenzial? Die Polizei verfässt eine Gefahrenprognose, die auch Anfahrtsbewegungen von A-Fans umfasst - nachvollziehbar, wenn es Erfahrungen hinsichtlich Provokationen und Mitläufertum auch aus diesem Bereich gibt. So what?
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