Sicherheitskonzept der DFL: Darüber streiten Vereine, Fans und Politik

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Braucht die Liga mehr Sicherheit in den Stadien? Oder droht das Ende der Fan-Kultur in der Bundesliga? Am Mittwoch entscheidet der Ligaverband DFL über sein Sicherheitskonzept. Eine Übersicht zeigt die Streitpunkte zwischen Ultras, Clubs und Politikern.

Berliner Fans in Cottbus: "Beiträge für die Sicherheit in den Stadien deutlich erhöhen" Zur Großansicht
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Berliner Fans in Cottbus: "Beiträge für die Sicherheit in den Stadien deutlich erhöhen"

Hamburg - Seit Wochen schwelt der Streit um die Sicherheit in deutschen Fußballstadien. Die Situation spitzt sich zu: Fans, Politiker und die Club-Verantwortlichen stehen sich gegenüber. Die einen warnen vor Verbotszonen in den Stadien, die anderen verlangen härtere Schritte gegen eine aus ihrer Sicht vorhandene Krawallkultur auf den Rängen.

Am Mittwoch schauen alle nach Frankfurt. Auf der Mitgliederversammlung des Ligaverbandes DFL stimmen die 36 Erst- und Zweitligavereine über das Papier "Sicheres Stadionerlebnis" ab. Es geht um 16 Anträge, mit denen auf das vermeintliche Gewaltproblem im deutschen Fußball reagiert werden soll.

Neben dem Ziel, den Dialog mit den Anhängern künftig zu verstärken, finden sich in dem Papier konkrete Maßnahmen wieder. Sie reichen von strengeren Kontrollen und Überwachung bis hin zu Sanktionen. Auch deshalb beherrscht das Thema seit Wochen die Fußballszene.

Druck macht die Politik. Sie fordert die Vereine auf, das DFL-Konzept anzunehmen - ansonsten soll es Konsequenzen geben. Regelmäßig äußerten sich in den vergangenen Wochen deshalb Bundes- und Länderminister. Ihre Aussagen wurden ebenso regelmäßig von Fans oder Verbandsfunktionären gekontert oder kommentiert.

Vor der richtungweisenden Abstimmung bringen sich alle Streitparteien in Stellung. Wer fordert in diesem Streit was - und warum? Wie sehen die Anträge der DFL im Detail aus? Und was kritisieren die Fans? Eine Übersicht über die unterschiedlichen Positionen.

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Forum - Was halten Sie vom Sicherheitskonzept der DFL?
insgesamt 156 Beiträge
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1.
ray4912 10.12.2012
Zitat von sysopDas Sicherheitskonzept des Ligaverbandes soll von den 36 Proficlubs verabschiedet werden. Doch viele Punkte sind strittig, etwa mögliche Ganzkörperkontrollen, Videoüberwachung und das totale Verbot von Pyrotechnik im Stadion. Was halten Sie von dem Konzept?
Es fehlt nicht an Verboten (da wird meiner Ansicht nach eher zu viel reglementiert - u.a. zu rigides Pyro-Verbot) nicht einmal die Durchsetzungmöglichkeit (via Erkennungssysteme) ist das Problem , sondern die fehlenden eindrücklichen Sanktionen. Der Gesetzgeber ist gefordert, der Richter wahrscheinlich noch mehr - er sollte die Gesetze, die bereits bestehen, in den Urteilen härter anwenden. Den vielen (die Mehrzahl) im "Normalleben" anständigen Fans wirkt automatisches Einsitzen und Gefahr des Jobverlusts restriktiv genug. Wer sich mit der Polizei in längeren Schlachten hand- oder steinegreiflich anlegt, darf auch mal etwas härter angefasst und länger weggesperrt werden. Das Problem ist nicht leicht zu lösen. Mannigfaltige Dissonanzen zwischen Politik, Stadtverwaltungen, Polizei, Verband, Klubs, Fanklubs, etc. sind unübersehbar, dann ist sowieso nix! Zéro! Braucht es vielleicht auch bei uns Tote, bis was geschieht?
2.
Ihr5spieltjetzt4gegen2 10.12.2012
Zitat von ray4912... Braucht es vielleicht auch bei uns Tote, bis was geschieht?
Leider muss ich Dich etwas korrigieren. Ich tue dies ungern, bin es mir und anderen aber schuldig. Es ist noch gar nicht so lange her, da war ich bei der Einweihung einer Gedenktafel für Adrian Maleika in Bremen anwesend. Vor 30 Jahren war er der erste Tote bei sog. Fanausschreitungen im deutschen Fußball. Ein 17jähriger Auszubildender, der sein Leben noch vor sich hatte. Wollte nur seinen Verein spielen sehen in einem Derby. Dummerweise ist er eine Bahnstation zu spät ausgestiegen. Dort traf er auf eine Gruppe 'Fans' der anderen Mannschaft. Da er den offensichtlich falschen Schal trug, musste man ihn mit Steinen bewerfen. So gut gezielt, dass er an seinen Kopfverletzungen verstarb. Die 'Fangruppe' konnte identifiziert werden. Nur sehr wenige kamen vor Gericht, wo es Freisprüche bzw. ganz wenige minimale Strafen gab. Da ja nicht genau nachzuweisen war, wer denn nun nun den 'finalen Wurf' getätigt hat. An diesem Tag war unser Rechtssystem, zu dem ich mich voll und ganz bekenne, wieder einmal sehr schwer erträglich für mich. Wer es genauer wissen möchte, was damals passiert ist, kann gerne bei Willi Lemke und Günter Netzer nachfragen.
3.
Ihr5spieltjetzt4gegen2 10.12.2012
Dieses Ereignis war für mich mitentscheidend für mein Engagement im Bereich Gewalt im Fußball. Ich arbeite seit Jahrzehnten in 'Fanprojekten', schon als es diesen Ausdruck noch gar nicht gab. In Deutschland und anderswo. Wobei es immer noch schlimmer geht, wie man im Heysel-Stadion erleben musste. Vieles ändert sich, manches auch zum Guten. Illusionen mache ich mir aber schon lange keine mehr. Weil es keine monokausalen Erklärungen für bestimmte Phänomene gibt. Wenn ich eine Lehre aus den ganzen Jahren gezogen habe, dann dass Gewalttäter im Fußball nichts, aber auch gar nichts verloren haben und dass es auf gar keinen Fall Verharmlosungen geben darf. Da lasse ich mich gerne mit Hohn und Spott überschütten und in die berühmte rechte Ecke stellen. Das ist mir wurscht. Die wirksamste Möglichkeit, Gewalttäter (gegen Sachen und Personen) unter den Zuschauern einigermaßen vom Fußball fernzuhalten, ist die Isolation. Die übergroße Mehrheit der Fußballanhänger ist eh friedlich, wir sprechen über eine kleine, aber radikale Minderheit. Diese Gruppierungen setzen sich -wie so oft- aus einem harten Kern, Handlangern und Mitläufern zusammen. Nach meiner Erfahrung besteht durchaus die Chance, durch dialogorientiertes Arbeiten, aber auch konsequentes Handeln Zugehörige zu den beiden letzten 'Subgruppen' zur Umkehr zu bewegen. Für den 'harten Kern' gilt dies nach meiner Erfahrung nicht. Dort, wo die friedliebenden Fans sich klar von den gewälttätigen distanzieren und auch zwecks Dingfestmachung mit den Behörden zusammenarbeiten, erzielt man erstaunliche Erfolge. Solange man allerdings ein gemeinsames Feindbild pflegt, gelingt dies nicht. Hier heißt es m.M.n. anzusetzen. PS Es wird von bestimmter Seite in der aktuellen Situation immer der jetzige Bundesinnenminister als der 'böse Bube' im politischen Bereich hingestellt. Siehe '11Freunde' etc.. Passt ja auch so schön, das Klischee. CSU-Mann aus Bayern, muss ja ein Haudrauf sein. Schaut man sich die Diskussion etwas genauer an, entdeckt man, dass es sich um die Innenminister der Länder und des Bundes handelt. Sollte mich wundern, wenn die auf einmal sämtlich den Christ-Sozialen angehören. Schaut man noch genauer hin, wird man entdecken, dass Herr Jäger, Innenminister von NRW und SPD-Mitglied, sich hier besonders hervortut. Böse Zungen behaupten, er trainiere bereits für den Job im Bund nach der nächsten Bundestagswahl.
4. ich lasse mich
ray4912 10.12.2012
Zitat von Ihr5spieltjetzt4gegen2Leider muss ich Dich etwas korrigieren. Ich tue dies ungern, bin es mir und anderen aber schuldig. Es ist noch gar nicht so lange her, da war ich bei der Einweihung einer Gedenktafel für Adrian Maleika in Bremen anwesend. Vor 30 Jahren war er der erste Tote bei sog. Fanausschreitungen im deutschen Fußball. Ein 17jähriger Auszubildender, der sein Leben noch vor sich hatte. Wollte nur seinen Verein.....
..lasse mich gerne von Dir korrigieren. Du hast die Kenntnisse im Detail, so auch zum geschilderten Vorfall, den ich vergessen hatte. Da hat genau das nicht gespielt, was ich fordere, mit der strengen Anwendung der bestehenden Gesetze durch die Richter, wenn man die Missetäter damals schon alle kannte....unbegreiflich! Zu Deinen Ausführungen im letzten Beitrag kann ich Dir nur gratulieren. Ich schrieb ja nichts anderes. Isolation der wenigen (in Prozent wenigstens) Übeltäter und verständnisvolle "Koexistenz" mit den emotionalen, kreativen und zum Teil auch lustigen Fans auf den Rängen, das sollte möglich werden. Wer übrigens ausserhalb des Stadions gewalttägig wird, verdient erst recht kein Pardon, da hat man ja keine Begründung für Spass und sportliche Emotions. Aber selbst die Isolation der Gewalttätigen und aus Dummheit Gemeingefährlichen braucht die (ehrlichen) Anstrengungen und die Zusammenarbeit im mindesten aller Klubs und aller Fangruppen, zuhause und auswärts! Ob das überall schon optimiert ist, resp. alle Fangruppen die schwarzen Schafe selber ausgrenzen, ich weiss es nicht genau, habe aber meine Zweifel.
5.
fussball11 10.12.2012
Das eigentliche Problem des Sicherheitskonzepts ist ja vor allem die fehlende Qualität, darüber sollte man mal reden. Das Besucher Aufkommen in Dortmund ist vergleichbar mit dem Passagier Aufkommen am Münchner Flughafen, nur das man dort den ganzen Tag Zeit hat für die Kontrollen. Es ist doch gar nicht möglich das Feuerwerk zu finden, zumal Heimfans schon in der Woche das Material deponieren. Meint man wenn man Stichprobenartig den Fans in den Ar.... guckt, das man dann Bengalos findet. Das zeigt doch nur wie weltfremd diese Vorschläge sind. Das Kartenkontingent für Auswärtsfans einzuschrenken, glaubt man etwa das deshalb die Krawallos zu Hause bleiben? Das sich vor einem Spiel die ganzen Kerle mit Stadionverbot im Umfeld der Arena tummeln wenn Spieltag ist, wird genauso ignoriert. Wenn die schon nicht rein dürfen, machen die eben vor dem Stadion Randale und wieder ist der Verein Schuld. Genauso wenig wie der DFB zur WM sichere Stadien bauen konnte, genauso wenig scheint er jetzt in der Lage zu sein die wirklichen Probleme überhaupt zu erkennen. Inkompetenz ist anscheinend Pflicht beim Thema Sicherheit. P.S. ...und unser Innenminister hat jahrelang fremdenfeindliche Terroristen unbehelligt durchs Land fahren lassen und die einzige Antwort darauf ist das Verschwinden von Akten - da will man von eigenem Versagen schon mal ablenken....
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