Hamburg - Ganz hat es noch nicht gereicht, erfreulich waren die Nachrichten kurz vor der Winterpause trotzdem: Die Bundesliga ist im europaweiten Vergleich weiter drittstärkste Kraft, der Abstand zur englischen Premier League ist aber auf gut zwei Zähler geschrumpft (75,043 zu 77,677 Punkte). Nur Spanien bleibt in der Fünfjahreswertung der Uefa vorerst uneinholbar (84,168). Doch die deutsche Tendenz geht deutlich nach oben. Jüngster Beweis: Alle sieben Bundesliga-Teams überwintern im Europapokal - ein historischer Rekord.
Mit vier Siegen, zwei Unentschieden und nur einer Niederlage am letzten Europacup-Spieltag haben der FC Bayern München, Borussia Dortmund, Schalke 04 (alle Champions League), Hannover 96, Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und der VfB Stuttgart (alle Europa League) das internationale Jahr abgeschlossen. Bis auf Stuttgart hatten sich die Clubs allesamt schon vor dem letzten Gruppenspiel für die K.o.-Runde qualifiziert.
Gladbachs Rotation hat neue Alternativen aufgezeigt
Obwohl die drei deutschen Champions-League-Teilnehmer Gruppenerste sind, können sie zu Beginn der K.o.-Runde auf Real Madrid, den AC Mailand oder den FC Arsenal treffen. Ihr Schicksal teilen die Teams in der Europa League: Auch sie erwarten keine leichten Lose, einzig Hannover konnte sich den Gruppensieg sichern. Den Zweitplatzierten drohen bei der Auslosung am 20. Dezember Gegner wie der entthronte Champions-League-Titelverteidiger FC Chelsea, der FC Liverpool oder Benfica Lissabon.
Vor allem für Stuttgart dürfte ohne eine Steigerung dann wohl schnell Schluss sein. Der VfB stolperte wenig überzeugend durch die Qualifikationsphase, beide Spiele gegen Molde FK, den Letzten der Gruppe E, verlor die Elf von Trainer Bruno Labbadia (0:2/0:1). Einzig in der Begegnung mit Spitzenreiter Bukarest präsentierte sich der VfB in internationaler Form. Bis zur letzten Sekunde musste Labbadia um das Weiterkommen seiner Mannschaft bangen, am Ende hatte diese Glück, dass sich Bukarest und der punktgleiche Rivale FC Kopenhagen 1:1 trennten.
Auch Borussia Mönchengladbach zählt zu den Wackelkandidaten. Zuletzt lieferte das B-Team der Clubs beim 3:0 (2:0) bei Fenerbahce Istanbul zwar eine sehr ansehnliche Vorstellung ab. Bislang fehlt der Mannschaft von Lucien Favre allerdings die Konstanz. Dem Trainer könnte die Partie in der Türkei aber neue Erkenntnisse vermittelt haben: Die zweite Besetzung zeigte an diesem Abend durchaus personelle Alternativen auf. "Man hat gesehen, dass wir einen breiten Kader haben, der auch aus der zweiten Reihe zu solchen Leistungen fähig ist", sagte Sportdirektor Max Eberl. "Wir müssen uns in Europa nicht verstecken." Aber leichter wird es in der K.o.-Phase nicht.
Auch in Leverkusen erhielten die Talente vor der Winterpause noch einmal eine Chance. Und sie nutzten sie: Der 21 Jahre alte Julian Riedel traf bei seinem ersten Profispiel. Trotz des Sieges kam Leverkusen als Gruppenzweiter aber nicht mehr an Charkow vorbei. So könnte Bayer in der nächsten Runde ebenfalls auf Chelsea treffen. Sollten sich das Trainer-Duo Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä dafür entscheiden, alle Kraft in die Europa League zu stecken, wäre nicht mal das ein Problem für die wiedererstarkten Leverkusener.
Hannover könnte auf Titelverteidiger Madrid treffen
Doch es ist anzunehmen, dass der aktuelle Tabellenzweite der Bundesliga mehr will: einen Champions-League-Platz für die kommende Saison. Und der ist derzeit nicht unwahrscheinlich, mit drei Punkten Abstand liegt der Club vor Meister Dortmund (27 Punkte). Um den Plan umzusetzen, müsste Leverkusen Abstriche im internationalen Geschäft der laufenden Saison machen.
Worauf bei Hannover der Fokus liegt, dürfte hingegen klar sein. Als einziger Bundesligist überstand 96 die Europa-League-Vorrunde ohne Niederlage. "Ungeschlagen hört sich irgendwie gut an", sagte Trainer Mirko Slomka: "Jetzt hoffe ich für unsere Fans auf einen renommierten, aber schlagbaren Gegner." Allerdings droht auch dem Tabellenzwölften am 14. und 21. Februar mit Titelverteidiger Atlético Madrid, Inter Mailand oder Tottenham Hotspur ein schweres Los. "Jetzt ist keiner mehr dabei, von dem wir sagen können: Den hauen wir im Vorbeigehen weg", sagte Sportdirektor Jörg Schmadtke.
psk/dpa/sid
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