Sieg gegen den HSV: Trotzköpfe aus Leverkusen

Von Christoph Biermann

Krise? Welche Krise? Bayer Leverkusen hat auf die erste Saisonniederlage mit einer beeindruckenden Leistung reagiert und den Hamburger SV entzaubert. Der vermeintliche Abwärtstrend der Bayer-Elf entpuppt sich als Ein-Spiel-Schwäche - und die junge Mannschaft als gefestigt und lernfähig.

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Bayer-Torjäger Kießling: Mehr Hinweise auf Stärken als auf Schwächen

Sieben Tage ist es her, da glaubten nicht wenige Fußballfans, das Team von Bayer Leverkusen sei wieder auf dem Weg zu sich selbst. Gerade hatte es beim Abstiegskandidaten Nürnberg verloren, war vom ersten gleich auf den dritten Tabellenplatz zurückgefallen, und alle alten Urteile waren wieder da. Dass Bayer per definitionem nie Deutscher Meister wird und dieser komische Ort zwischen Autobahnkreuz und Chemiewerk eigentlich Vizekusen heißt. Vergessen war in diesem Moment, dass die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes vorher 24 Partien nicht verloren und über weite Strecken den schönsten Fußball in der Bundesliga gespielt hatte. Egal, für viele war der Fall Bayer nach der Nürnbergpleite erledigt. Akte geschlossen.

Aber das war wohl etwas voreilig. Durch den 4:2-Sieg über den Hamburger SV ist Leverkusen zwar nicht an die Tabellenspitze zurückgestürmt, aber im Vergleich zu den Titelkonkurrenten aus München und Gelsenkirchen zeigte Bayer die überzeugendste Leistung des Wochenendes. "Fußballerische Extraklasse" und "in der zweiten Halbzeit eines unserer besten Spiele" durfte Heynckes unwidersprochen schwärmen. Bei der Konkurrenz dürfte sich das ungute Gefühl eingestellt haben, dass Bayer die verlorene Partie in Nürnberg gutgetan haben könnte.

Vielleicht hätte sie sogar schon früher kommen sollen, denn der Leverkusener Trainer hatte während der langen Serie ungeschlagener Spiele bei seiner Mannschaft die Ausbreitung des Gefühls beobachtet, "uns kann nichts passieren". So ließ das Team mit den meisten Unentschieden gerade in der Rückrunde hier und da immer wieder unnötig Punkte liegen, in Bochum, in Bremen, zuletzt daheim gegen die Betonbrigade des 1. FC Köln.

Vorbildliche Trainingswoche, erwünschte Reaktion

Doch als die Niederlage endlich passiert war, reagierte Bayer darauf so, wie es sich jeder Coach wünscht. Auf eine nach Auskunft von Heynckes vorbildliche Trainingswoche folgte vor Anpfiff die Meldung des Fitnesstrainers an den Chefcoach, "die Jungs haben sich super warmgemacht". Anschließend fegten sie den Hamburger SV vom Platz, zwar nicht ohne Anlaufschwierigkeiten und eine Phase, in der man leichte Selbstzweifel spürte, aber letztlich völlig überzeugend.

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Es ist eine Versammlung von Musterschülern, die Heynckes auf die Zielgerade des Titelrennens schickt: "Diese Mannschaft lernt immer dazu." Gegen Hamburg tat sie das sogar in der Halbzeitpause. Folgsam drosselte sie in der zweiten Hälfte ihren Übereifer, ersetzte ein Zuviel an Tempo durch Präzision und zeigte eine der besten Leistungen, die es bisher in der Rückrunde in der Bundesliga zu sehen gab.

Dem Torhüter seiner Blitzlerner konnte Heynckes deshalb auch lächelnd einen Englischkurs empfehlen, denn René Adler hatte sich beim 1:1-Ausgleichstor gegenüber dem eigenen Abwehrchef Sami Hyypiä nicht lautstark genug bemerkbar gemacht. Der Nationaltorhüter steht beispielhaft für die Anfälligkeiten des jungen Teams. Es ist zu spüren, dass er noch kein selbstverständliches Verhältnis dazu gefunden hat, als Nummer eins der deutschen Nationalmannschaft unter besonderer Beobachtung zu stehen.

Mehr Hinweise auf Stärken als auf Schwächen

Doch das Spiel gegen Hamburg lieferte weitaus mehr Hinweise auf Stärken als auf Schwächen. So war Gonzalo Castro im zentralen Mittelfeld einer der Besten, obwohl er den gesperrten Stefan Reinartz dort nur ersetzte, der seinerseits den schon lange verletzten Nationalspieler Simon Rolfes vertritt. Tranquilo Barnetta spielte nicht minder überzeugend für den gesperrten Toni Kroos, und der lange verletzte Renato Augusto entfaltet langsam auch wieder seine bestaunenswerten Fähigkeiten. Drei der vier Treffer schossen die Stürmer Stefan Kießling und Eren Derdiyok, auch das passte zu einem fast perfekten Abend für Bayer.

Es wird stärkerer Mannschaften bedürfen, um diese Leverkusener zu schlagen, der HSV wirkte müde und wenig gefestigt. Und während Bayer seine alte Akte "Vizekusen" erst einmal überzeugend schließen konnte, wird die von Bruno Labbadia nun wahrscheinlich wieder hervorgekramt.

Denn wie schon bei seinen Trainerstationen in Fürth und Leverkusen baut auch in Hamburg die von ihm betreute Mannschaft nach der Winterpause deutlich ab. In der Rückrundentabelle ist der HSV gemeinsam mit dem 1. FC Nürnberg derzeit Neunter und hat neun Punkte weniger geholt als zum gleichen Zeitpunkt der Hinrunde. Die Diskussion darüber zu stoppen, wird schwer, denn am kommenden Sonntag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) kommt Schalke 04, und das ist der momentan wahrlich unangenehmste Gegner, den die Bundesliga zu bieten hat.

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insgesamt 2378 Beiträge
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1.
noodl 12.03.2010
Zitat von sysopNoch ist der Titelkampf in der Fußball-Bundesliga völlig offen. Bayern, Bayer, Schalke - oder gar noch ein anderer Club: Wer liegt am Ende vorne?
Bayern.
2. Ganz einfach
ulan 1 12.03.2010
Zitat von sysopNoch ist der Titelkampf in der Fußball-Bundesliga völlig offen. Bayern, Bayer, Schalke - oder gar noch ein anderer Club: Wer liegt am Ende vorne?
Geld regiert die Welt. Da kein deutscher Fußballverein Bayern München hierin die Hand reichen kann, ist das Ergebnis eindeutig. Bis auf ganz wenige "Ausrutscher" hat sich diese Wahrheit für Bayern Münschen bestens und beständig gewährt. Es ist nahezu uninteressant, die Bundesliga dahingehend zu verfolgen, Sieger wird, wer die besten Spieler einkaufen kann.
3. .
Haio Forler 12.03.2010
Zitat von sysopNoch ist der Titelkampf in der Fußball-Bundesliga völlig offen. Bayern, Bayer, Schalke - oder gar noch ein anderer Club: Wer liegt am Ende vorne?
Bayern.
4.
Kanzla87 12.03.2010
Auch unter Beachtung des Restprogramms sehe ich (leider) die Bayern im Vorteil. Die nächsten 5 Wochen werden entscheident sein, dann da spielen alle 3 Mannschaften fast ausnahmslos gegen Teams aus dem oberen Tabellendrittel. Leverkusens Restprogramm mit Hamburg, Dortmund, Schalke, Frankfurt, Bayern und Stuttgart in den nächsten 6 Wochen klingt beeindruckend und wir enorm schwer. Auch Schalke hat mehrheitliche starke Gegner... Fazit: Bayern machts...
5.
krafts 12.03.2010
Zitat von Kanzla87Die nächsten 5 Wochen werden entscheident sein, dann da spielen alle 3 Mannschaften fast ausnahmslos gegen Teams aus dem oberen Tabellendrittel.
Genau. Wenigstens kann sich dann keine Mannschaft herausreden, denn alle haben es noch selber in der Hand.
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