Sieg gegen den HSV: Trotzköpfe aus Leverkusen
Krise? Welche Krise? Bayer Leverkusen hat auf die erste Saisonniederlage mit einer beeindruckenden Leistung reagiert und den Hamburger SV entzaubert. Der vermeintliche Abwärtstrend der Bayer-Elf entpuppt sich als Ein-Spiel-Schwäche - und die junge Mannschaft als gefestigt und lernfähig.
Sieben Tage ist es her, da glaubten nicht wenige Fußballfans, das Team von Bayer Leverkusen sei wieder auf dem Weg zu sich selbst. Gerade hatte es beim Abstiegskandidaten Nürnberg verloren, war vom ersten gleich auf den dritten Tabellenplatz zurückgefallen, und alle alten Urteile waren wieder da. Dass Bayer per definitionem nie Deutscher Meister wird und dieser komische Ort zwischen Autobahnkreuz und Chemiewerk eigentlich Vizekusen heißt. Vergessen war in diesem Moment, dass die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes vorher 24 Partien nicht verloren und über weite Strecken den schönsten Fußball in der Bundesliga gespielt hatte. Egal, für viele war der Fall Bayer nach der Nürnbergpleite erledigt. Akte geschlossen.
Aber das war wohl etwas voreilig. Durch den 4:2-Sieg über den Hamburger SV ist Leverkusen zwar nicht an die Tabellenspitze zurückgestürmt, aber im Vergleich zu den Titelkonkurrenten aus München und Gelsenkirchen zeigte Bayer die überzeugendste Leistung des Wochenendes. "Fußballerische Extraklasse" und "in der zweiten Halbzeit eines unserer besten Spiele" durfte Heynckes unwidersprochen schwärmen. Bei der Konkurrenz dürfte sich das ungute Gefühl eingestellt haben, dass Bayer die verlorene Partie in Nürnberg gutgetan haben könnte.
Vielleicht hätte sie sogar schon früher kommen sollen, denn der Leverkusener Trainer hatte während der langen Serie ungeschlagener Spiele bei seiner Mannschaft die Ausbreitung des Gefühls beobachtet, "uns kann nichts passieren". So ließ das Team mit den meisten Unentschieden gerade in der Rückrunde hier und da immer wieder unnötig Punkte liegen, in Bochum, in Bremen, zuletzt daheim gegen die Betonbrigade des 1. FC Köln.
Vorbildliche Trainingswoche, erwünschte Reaktion
Doch als die Niederlage endlich passiert war, reagierte Bayer darauf so, wie es sich jeder Coach wünscht. Auf eine nach Auskunft von Heynckes vorbildliche Trainingswoche folgte vor Anpfiff die Meldung des Fitnesstrainers an den Chefcoach, "die Jungs haben sich super warmgemacht". Anschließend fegten sie den Hamburger SV vom Platz, zwar nicht ohne Anlaufschwierigkeiten und eine Phase, in der man leichte Selbstzweifel spürte, aber letztlich völlig überzeugend.
Es ist eine Versammlung von Musterschülern, die Heynckes auf die Zielgerade des Titelrennens schickt: "Diese Mannschaft lernt immer dazu." Gegen Hamburg tat sie das sogar in der Halbzeitpause. Folgsam drosselte sie in der zweiten Hälfte ihren Übereifer, ersetzte ein Zuviel an Tempo durch Präzision und zeigte eine der besten Leistungen, die es bisher in der Rückrunde in der Bundesliga zu sehen gab.
Dem Torhüter seiner Blitzlerner konnte Heynckes deshalb auch lächelnd einen Englischkurs empfehlen, denn René Adler hatte sich beim 1:1-Ausgleichstor gegenüber dem eigenen Abwehrchef Sami Hyypiä nicht lautstark genug bemerkbar gemacht. Der Nationaltorhüter steht beispielhaft für die Anfälligkeiten des jungen Teams. Es ist zu spüren, dass er noch kein selbstverständliches Verhältnis dazu gefunden hat, als Nummer eins der deutschen Nationalmannschaft unter besonderer Beobachtung zu stehen.
Mehr Hinweise auf Stärken als auf Schwächen
Doch das Spiel gegen Hamburg lieferte weitaus mehr Hinweise auf Stärken als auf Schwächen. So war Gonzalo Castro im zentralen Mittelfeld einer der Besten, obwohl er den gesperrten Stefan Reinartz dort nur ersetzte, der seinerseits den schon lange verletzten Nationalspieler Simon Rolfes vertritt. Tranquilo Barnetta spielte nicht minder überzeugend für den gesperrten Toni Kroos, und der lange verletzte Renato Augusto entfaltet langsam auch wieder seine bestaunenswerten Fähigkeiten. Drei der vier Treffer schossen die Stürmer Stefan Kießling und Eren Derdiyok, auch das passte zu einem fast perfekten Abend für Bayer.
Es wird stärkerer Mannschaften bedürfen, um diese Leverkusener zu schlagen, der HSV wirkte müde und wenig gefestigt. Und während Bayer seine alte Akte "Vizekusen" erst einmal überzeugend schließen konnte, wird die von Bruno Labbadia nun wahrscheinlich wieder hervorgekramt.
Denn wie schon bei seinen Trainerstationen in Fürth und Leverkusen baut auch in Hamburg die von ihm betreute Mannschaft nach der Winterpause deutlich ab. In der Rückrundentabelle ist der HSV gemeinsam mit dem 1. FC Nürnberg derzeit Neunter und hat neun Punkte weniger geholt als zum gleichen Zeitpunkt der Hinrunde. Die Diskussion darüber zu stoppen, wird schwer, denn am kommenden Sonntag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) kommt Schalke 04, und das ist der momentan wahrlich unangenehmste Gegner, den die Bundesliga zu bieten hat.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Montag, 15.03.2010 – 13:08 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
(A) 29. Spieltag: Schalke 04
(A) 30. Spieltag: Bayer Leverkusen
(H) 31. Spieltag: Hannover 96
(A) 32. Spieltag: Borussia Mönchengladbach
(H) 33. Spieltag: VfL Bochum
(A) 34. Spieltag: Hertha BSC Berlin
(A) 28. Spieltag: Bayer Leverkusen
(H) 29. Spieltag: Bayern München
(A) 30. Spieltag: Hannover 96
(H) 31. Spieltag: Borussia Mönchengladbach
(A) 32. Spieltag: Hertha BSC Berlin
(H) 33. Spieltag: Werder Bremen
(A) 34. Spieltag: FSV Mainz
(A) 29. Spieltag: Eintracht Frankfurt
(H) 30. Spieltag: Bayern München
(A) 31. Spieltag: VfB Stuttgart
(H) 32. Spieltag: Hannover 96
(H) 33. Spieltag: Hertha BSC Berlin
(A) 34. Spieltag: Borussia Mönchengladbach
Vereine 1. Liga
- FC Augsburg
- Werder Bremen
- Borussia Dortmund
- Fortuna Düsseldorf
- Eintracht Frankfurt
- SC Freiburg
- Greuther Fürth
- Hamburger SV
- Hannover 96
- 1899 Hoffenheim
- Bayer Leverkusen
- 1. FSV Mainz 05
- Bor. M'gladbach
- Bayern München
- 1. FC Nürnberg
- FC Schalke 04
- VfB Stuttgart
- VfL Wolfsburg
Vereine 2. Liga
Nationale Wettbewerbe
Internationale Wettbewerbe
Fussball-Kolumnen
Nationale Ligen
Internationale Ligen
- Tabelle: Bayern und Schalke vor Bayer
- Fotostrecke: Heynckes-Elf souverän, Pizarro trifft für Werder
- Bundesliga: Bayer hält Anschluss an das Spitzenduo (14.03.2010)
- Sieg gegen Freiburg: Arjen Robben rettet schwachen FC Bayern (13.03.2010)
- Fußball-Bundesliga: Kuranyi schießt Schalke an die Tabellenspitze (12.03.2010)
- Leverkusen-Pleite in Nürnberg: Bayer verfängt sich im Klischee (07.03.2010)
- Achillessehnenriss: Beckham vor dem Karriere-Ende (15.03.2010)
MEHR AUS DEM RESSORT SPORT
-
App
Fußball-App: Die SPIEGEL-ONLINE-App für iPhones bietet aktuelle News, Echtzeit-Statistiken, Liveticker und Toralarm -
9 mal klug
Fußball-Fachwissen: Sie wollen mitreden? 9 mal klug macht Sie schlau! Hier gibt es vergessene Fußball-Anekdoten und unbekannte Fakten -
Buntsport
Ergebnis-Tool: Wann steigt was? Alle Events und Resultate im Überblick, vom Tennis über Basketball bis zum Wintersport -
Warm-up
Formel 1: Motor an, Ampel aus, los geht's: Alles Wissenswerte über die Rennen. Anekdoten, Fakten, Statistiken, mal lustig, mal kurios, immer informativ. -
Tippspiel
Tippspiel: Bundesligen, Champions League, Europapokal - machen Sie mit und gewinnen Sie als Hauptpreis eine hochwertige Uhr

