Von Christian Paul
Hamburg - Der letzte Eindruck, so heißt es, bleibt. Für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft war das Duell mit den Niederlanden deshalb eine gefährliche Sache. Was, wenn nach diesem grandiosen Jahr ausgerechnet die letzte Partie 2011 danebengeht? Mehr als drei Monate vergehen bis zum ersten Länderspiel 2012 gegen Frankreich. Das ist viel Zeit für schlechte Erinnerungen. Nach den 90 Minuten von Hamburg steht fest: Es wird eine lange Zeit - aber nur, weil man inzwischen ungern auf diese DFB-Auswahl verzichtet.
Nach einer erneut starken Leistung gewann die Elf von Bundestrainer Joachim Löw 3:0 (2:0) und ließ die 51.500 Zuschauer glücklich zurück. "Wir können zufrieden sein, nicht nur mit diesem Spiel, sondern mit dem ganzen Jahr. Ich denke, dass wir heute Spielfreude und Leichtigkeit gezeigt haben, das hat die Niederländer auch ein bisschen überfordert", sagte Löw.
Thomas Müller (15. Minute), Miroslav Klose (26.) und Mesut Özil (66.) erzielten die Tore. Und auch, wenn es ein Freundschaftsspiel war: Den letzten Sieg gegen den Nachbarn gab es 1996 (1:0). Seitdem galten die Niederlande als Angstgegner. Die deutsche Mannschaft hatte am Dienstagabend erstaunlich wenig Mühe, diese Grusel-Bilanz aufzupolieren.
Oranje zaudert, Deutschland zaubert
Endlich wieder ein Spiel gegen den "Erzrivalen", der Weltranglistendritte (Deutschland) gegen den Weltranglistenzweiten, das mussten doch rauschende 90 Minuten werden. Und Per Mertesacker, immerhin erfahrenster Abwehrspieler im Kader der Deutschen, ermöglichte es den Gästen früh, ebenfalls in der Partie anzukommen. Drei Minuten waren absolviert, als dem früheren Bremer ein harmloser Ball durchrutschte. Klaas-Jan Huntelaar profitierte, verzog aber von der Grundlinie.
Bei den Niederlanden waren die Superstars Arjen Robben, Robin van Persie und Rafael van der Vaart nicht dabei. Dafür konnte Wesley Sneijder, der bis kurz vor Anpfiff fraglich war, spielen. Und wie. Elfte Minute: 18 Meter vor dem deutschen Tor kam der Profi von Inter Mailand an den Ball, zog ab, zielte aber etwas zu hoch. Es sollte eine von ganz wenigen gelungenen Aktionen bei Oranje sein.
Statt spielerisch zu glänzen, agierten die Gäste hart im Zweikampf.
Özil macht Demütigung perfekt
Viel Ballbesitz hatte das Löw-Team auch schon beim Remis in der Ukraine, doch in Hamburg stand auch die Abwehr sicher. Einzig Dirk Kuijt sorgte nach einer Ecke für einen Hauch von Gefahr (25.), mehr kam nicht vom Vizeweltmeister 2010. Deutschland hingegen brachte auch den zweiten ernsthaften Angriff im Tor unter: Über Müller und Özil kam der Ball zu Klose, der im Strafraum gegen die Laufrichtung von Stekelenburg einköpfte (26.).
In der 36. Minute hätte Klose, diesmal als Kapitän aufgelaufen, sogar das 3:0 machen können, als er eine Flanke von Müller nicht richtig traf. Vier Minuten später verpasste er eine Hereingabe von Özil knapp. Schon gegen Ende der ersten Hälfte hatten die Niederländer nahezu jede Gegenwehr eingestellt. Versteinert saß Bondscoach Bert van Marwijk auf der Bank.
Ein Vergleich der ersten Chancen beider Teams in der zweiten Halbzeit offenbarte die Kräfteverhältnisse: Sneijders Weitschuss (54.) war pure Verzweiflung, Kloses schwacher Abschluss aus dem Strafraum (56.) stand sinnbildlich für eine deutsche Elf, die im Bewusstsein der eigenen Überlegenheit die letzte Konsequenz vermissen ließ. Löw nutzte die komfortable Situation für weitere Wechsel: Nach Mats Hummels, der für Holger Badstuber kam, ersetzte Mario Götze Lukas Podolski (65.).
Und der Dortmunder war kaum auf dem Feld, als Özil den dritten Treffer erzielte. Einen Doppelpass mit Klose vollendete der Real-Star mühelos aus kurzer Distanz (66.). Die Demütigung der Niederlande war perfekt. Deutschlands neunter Sieg im insgesamt 13. Spiel in diesem Jahr geriet zu keiner Zeit in Gefahr. Es war der krönende Abschluss eines ganz starken Jahres.
Deutschland - Niederlande 3:0 (2:0)
1:0 Müller (15.)
2:0 Klose (26.)
3:0 Özil (66.)
Deutschland: Neuer - Boateng (ab 65. Höwedes), Mertesacker, Badstuber (ab 46. Hummels), Aogo - Kroos (ab 82. Rolfes), Khedira (ab 88. Lars Bender) - Müller, Özil, Podolski (ab 65. Götze) - Klose (ab 81. Reus)
Niederlande: Stekelenburg - van der Wiel, Heitinga, Mathijsen, Braafheid - van Bommel, Strootman (ab 64. Nigel de Jong) - Kuijt (ab 87. Wijnaldum), Sneijder (ab 87. Luuk de Jong), Babel - Huntelaar (ab 76. Beerens)
Schiedsrichter: Cüneyt Cakir (Türkei)
Gelbe Karten: Klose - Sneijder
Zuschauer: 51.500 (ausverkauft)
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