Sieg gegen Honduras: Villa trifft nur im Doppelpack

Von Hendrik Baumann

Der Favorit hat die Pflichtaufgabe erfüllt: Gegen den harmlosen Außenseiter Honduras fuhren die Spanier den ersten Turniersieg ein. Dabei gingen sie allerdings fahrlässig mit ihren Chancen um. David Villa traf doppelt - eine Dummheit könnte für den Stürmer jedoch Folgen haben.

Hamburg - Spaniens Nachbar hatte vorgemacht, wie das mit dem Toreschießen funktioniert: Nur wenige Stunden vor dem Auftritt des Europameisters gegen Honduras hatte Portugal Nordkorea 7:0 aus dem Turnier geschossen. Die Spanier besaßen vor rund 54.300 Zuschauern im Ellis-Park-Stadion in Johannesburg nicht weniger Chancen, ein weiteres Schützenfest zu veranstalten. Doch gegen den großen Außenseiter sprang nur ein 2:0 (1:0) heraus - angesichts der Tatsache, dass in der Gruppe H am Ende das Torverhältnis eine wichtige Rolle bei der Vergabe der Tabellenplätze spielen kann, vielleicht zu wenig.

Der Europameister, bei dem Fernando Torres von Beginn an neben Villa stürmte, wollte früh für klare Verhältnisse sorgen und begann entsprechend druckvoll. Nach sieben Minuten setzte Villa das erste Ausrufezeichen, als er aus rund 25 Metern abzog, der Ball aber nur an die Latte schlug. Das Fehlen von Andres Iniesta, der im Spiel gegen die Schweiz einen Schlag auf den Oberschenkel abbekommen hatte und von Trainer Vicente del Bosque geschont wurde, machte sich zunächst nicht sonderlich bemerkbar.

Außenseiter Honduras hatte in der Anfangsviertelstunde Mühe, überhaupt in die gegnerische Hälfte vorzudringen. Als die Honduraner dann erstmals in die Nähe des spanischen Strafraums gelangten, wurde es gleich gefährlich: Walter Martinez schickte David Suazo steil, doch Schlussmann Iker Casillas stürmte rechtzeitig heraus und rettete vor Suazo an der Strafraumgrenze.

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Spanien gegen Honduras: Der Abend des David Villa
Im direkten Gegenzug zeigte Villa, warum der FC Barcelona für ihn 40 Millionen Euro an den FC Valencia überwiesen hat: Im Strafraum ließ er drei Verteidiger aussteigen und beförderte den Ball im Fallen ins lange Eck - ein Traumtor und die Führung für den Favoriten.

Referee übersieht Villas Tätlichkeit

Die sehr ballsicheren Spanier drängten auf den zweiten Treffer und waren insbesondere über die Außenbahnen gefährlich, wo sich vor allem Rechtsverteidiger Sergio Ramos immer wieder ins Spiel nach vorne einschaltete. Del Bosques Mannschaft konnte ihre erdrückende Überlegenheit jedoch zunächst nicht in Tore ummünzen. Allein Torres vergab zwei gute Möglichkeiten. Erst setzte er einen Kopfball nach Flanke von Ramos zu stark auf, so dass der Ball über den Querbalken ging. Kurz darauf drang er von halblinks in den Strafraum, schoss aber aus aussichtsreicher Position über das Tor.

Nach der ersten halben Stunde verlor das spanische Offensivspiel an Tempo. Torchancen resultierten vor allem aus Einzelaktionen und waren weniger das Ergebnis flüssiger Kombinationen. Kurz vor der Pause hatte der Favorit sogar Glück: Nachdem Emilio Izaguirre versucht hatte, Villa auf den Fuß zu treten, fuhr der Torschütze im Gedränge mit der flachen Hand über Izaguirres Gesicht, doch der japanische Schiedsrichter Yuichi Nishimura übersah die Tätlichkeit. Anhand der Fernsehbilder könnte Villa vom Weltverband Fifa aber noch nachträglich gesperrt werden.

Honduras Trainer Reynaldo Rueda verstärkte nach dem Seitenwechsel die Offensive, schickte mit Georgie Welcome einen zweiten Stürmer aufs Feld. Doch der Außenseiter verlor in der Vorwärtsbewegung zu schnell die Bälle, was sich schon früh im zweiten Durchgang rächte: In der 51. Minute schalteten die Spanier nach Balleroberung schnell um, Villa spurtete nach Zuspiel von Xavi durch die unsortierte Hintermannschaft der Mittelamerikaner und zog aus rund 20 Metern ab. Osman Chavez fälschte den Schuss noch leicht ab, ehe er zum 2:0 im Netz landete.

Elfmeter neben den Pfosten gesetzt

Die Spanier übertrieben es bisweilen allerdings mit ihren Ballstaffeten, anstatt den schnellen Abschluss zu suchen. Honduras konnte den Favoriten im Gegenzug nie in Bedrängnis bringen, doch auch im zweiten Durchgang ging der Europameister extrem fahrlässig mit seinen Chancen um.

In Minute 62 brachte Izaguirre Jesus Narvas im Strafraum zu Fall, Schiedsrichter Nishimura pfiff Elfmeter. Doch Villa vergab die Chance auf sein drittes Tor, schob den Ball am rechten Pfosten vorbei. Vier Minuten später klärte Chavez einen Schuss des eingewechselten Cesc Fabregas vor der Torlinie, kurz danach verfehlte Ramos mit einem Volley-Schuss aus 16 Metern nur knapp das Ziel.

In der Schlussviertelstunde schienen sich die Spanier mit dem Ergebnis zu begnügen, ihre Angriffe ließen Entschlossenheit und Zielstrebigkeit vermissen. In der 87. Minute hatte erneut Villa die Gelegenheit zum dritten Treffer, doch Sergio Mendoza warf sich gerade noch in seinen Schuss. Es war die letzte große Gelegenheit der Partie.

"Es war ein wichtiger Sieg", sagte del Bosque nach Abpfiff. "Der Druck im letzten Spiel liegt jetzt natürlich auf uns, und damit müssen wir klarkommen." Man sei "mit dem Ergebnis zufrieden", sagte Doppelpack-Torschütze Villa. Eine überraschende Bekundung des Mannes, der seinem Ziel, WM-Torschützenkönig zu werden, in diesem Spiel noch viel näher hätte kommen können.

Spanien - Honduras 2:0 (1:0)
1:0 Villa (17.)
2:0 Villa (51.)
Spanien: Casillas - Ramos (77. Arbeloa), Puyol, Pique, Capdevila - Busquets - Jesus Navas, Xavi (66. Fabregas), Xabi Alonso - Torres (70. Mata), Villa
Honduras: Valladares - Mendoza, Chavez, Figueroa, Izaguirre - Wilson Palacios, Guevarra - Turcios (63. Nunez), Martinez, Espinoza (46. Welcome) - Suazo (84. J. Palacios)
Schiedsrichter: Nishimura (Japan)
Zuschauer: 54.386
Gelbe Karten: - Turcios, Izaguirre
Bes. Vorkommnis: Villa verschießt Foulelfmeter (62.)

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Forum - WM-Gruppe H: Wer kommt weiter?
insgesamt 561 Beiträge
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1.
Brieli 01.06.2010
Zitat von sysopEuropameister Spanien spielt gegen die Schweiz, Honduras und Chile. Werden die Spanier ihrer Favoritenrolle gerecht?
Ja klar. Zweiter wird die Schweiz.
2.
BeckerC1972 01.06.2010
Spanien Schweiz Chile Honduras
3.
klumpenhund 01.06.2010
Zitat von sysopEuropameister Spanien spielt gegen die Schweiz, Honduras und Chile. Werden die Spanier ihrer Favoritenrolle gerecht?
1.) Spanien 2.) Schweiz 3.) Chile 4.) Honduras
4.
Polar 01.06.2010
Zitat von sysopEuropameister Spanien spielt gegen die Schweiz, Honduras und Chile. Werden die Spanier ihrer Favoritenrolle gerecht?
1. Spanien 2. Schweiz 3. Chile 4. Honduras Gibt´s eine viel klarere Gruppe?
5. Ich wage mal...
Toradac 02.06.2010
Zitat von Polar1. Spanien 2. Schweiz 3. Chile 4. Honduras Gibt´s eine viel klarere Gruppe?
...einen Außenseitertip: Spanien klar Gruppenerster, als Zweiter qualifiziert sich Chile fürs Achtelfinale. Sorry Ottmar...
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Die WM fällt in den südafrikanischen Winter. In Johannesburg und Pretoria ist es im Winter (Juli und August) aufgrund der Höhenlage von knapp 1400 bis 1750 Metern sonnig und trocken, im Schnitt um die zehn Grad, selten über 18 Grad, Nachtfrost.
Durban am Indischen Ozean hat subtropisches und damit auch im Juni warmes Klima, im Schnitt um die 17 Grad.
In Kapstadt an der Tafelbucht des Atlantischen Ozeans herrschen im Schnitt Temperaturen um die 13 Grad, am Abend unter zehn Grad Celsius. Im Juni und Juli sind hier die Niederschlagsraten im Jahresverlauf am höchsten.
Anreise und Einreise, Nahverkehr
Täglich Nonstop-Flüge von South African Airways, Lufthansa und weiteren Gesellschaften zu Johannesburgs Airport OR Tambo. EU-Bürger erhalten am Airport kostenlos ein drei Monate gültiges Touristenvisum.
Der öffentliche Nahverkehr in Johannesburg ist noch kaum vorhanden. Besucher sind in der Regel auf Mietwagen oder Taxis angewiesen.
Ticketverkauf
Für die Südafrika-WM sind Pauschalreisen erhältlich, bei denen neben Anreise, Hotels und Ausflügen auch Stadiontickets enthalten sind. In Deutschland sind Dertour in Frankfurt am Main, Passion Southafrica in Darmstadt, Thomas Cook Sport in London und Vietentours in Meerbusch die Veranstalterpartner der Fifa.
Austragungsorte, Stadion
Johannesburg, Soccer City
Durban, Moses-Mabhida-Stadion
Kapstadt, African Renaissance Stadium/Green-Point-Stadion
Johannesburg, Ellis-Park-Stadion
Tshwane/Pretoria, Loftus-Versfeld-Stadion
Nelson Mandela Bay/Port Elizabeth, Nelson-Mandela-Bay-Stadion
Nelspruit, Mbombela-Stadion
Mangaung/Bloemfontein, Free-State-Stadion
Polokwane, Peter-Mokaba-Stadion
Rustenburg, Royal-Bafokeng-Stadion
Information
South African Tourism
Friedensstraße 6
60311 Frankfurt am Main
Tel.: 069/929 12 90
Internet: www.southafrica.net
de.fifa.com/worldcup/index.html
Sicherheitstipps der südafrikanischen Polizei
Reisende sollten die Sicherheitstipps der Polizei ernst nehmen, vor allem in Johannesburg, Durban, Kapstadt und anderen großen Städten:

Fluggepäck mit Schlössern sichern und auf dem Airport nicht unbeaufsichtigt lassen.

Schmuck nicht zur Schau stellen. Handys nicht auf offener Straße, sondern nur im Hotel, an Tankstellen oder in Gaststätten verwenden.

Bei Dunkelheit auf längere Spaziergänge verzichten. Hotels geben Auskunft über Gegenden, die gemieden oder nur in geführten Gruppen aufgesucht werden sollten.

Pässe und Wertgegenstände im Hotelsafe aufbewahren, Kopien von Pässen und Kreditkarten mitbringen. Möglichst wenig Bargeld einstecken - fast überall kann mit Kreditkarte bezahlt werden. Geld und Karten in verschließbaren Kleidungstaschen sichern.

Nur lizensierte Taxis benutzen.

Autofahren: Türen stets verriegeln, immer ein Handy dabeihaben und vorher die Notrufnummern einspeichern. Polizei: 112 oder 082/911, AA-Pannendienst: 0800/10101. Die Route gut studieren. Mobile Navigationsgeräte mit Südafrika-Software sind nützlich. Keine Anhalter mitnehmen. Unfallszenen können Fallen sein. Nicht halten, per Handy Polizei rufen. Tankstellen an Fernstraßen sind bewacht.
Sicherheitshinweis des Auswärtigen Amts
Das Auswärtige Amt in Berlin empfiehlt Touristen, vor allem in den Großstädten und ihren Randgebieten vorsichtig zu sein. Die Zentren von Johannesburg, Pretoria, Durban und Kapstadt sollten nach Geschäftsschluss ebenso gemieden werden wie Fahrten mit Vorortzügen. Township-Besuche seien nur in Gruppen mit ortskundigem Führer ratsam. Bei Überfällen sei es besser, keinen Widerstand zu leisten. Ausführliche Ratschläge gibt das Ministerium online.