Sieg gegen Schweden: Deutschland entweiht die Elche

Von Pavo Prskalo

Millionen Fußballfans in Deutschland jubeln: Mit einem souveränen Erfolg gegen Schweden ist die DFB-Elf ins Viertelfinale der Fußball-WM gestürmt. Dabei war Lukas Podolski mit zwei Toren der Matchwinner. In der nächsten Runde trifft Deutschland nun auf Argentinien.

München - Die Deutschland-Party geht weiter: Millionen Fußballfans sahen zu, wie die Mannschaft von Bundestrainer Jürgen Klinsmann Schweden 2:0 (2:0) bezwang und ins WM-Viertelfinale stürmte. Beide Tore erzielte Angreifer Podolski (4. und 12. Minute), zweimal war er Nutznießer der glänzenden Vorarbeit von Sturmpartner Miroslav Klose. Gegner der DFB-Elf im Viertelfinale am Freitag in Berlin ist Argentinien, das sich 2:1 nach Verlängerung gegen Mexiko durchsetzte.

Schon Stunden vor dem Spiel musste die Polizei Fanmeilen und Partyplätze wegen Überfüllung sperren, tausende von Kneipen und Restaurants hatten Fernseher aufgestellt, der Jubel der Fans schallte durch Städte und Dörfer. "Der Start konnte besser nicht sein. Wir sind begeistert von der Mannschaft, wie sie sich reingespielt und top funktioniert hat", erklärte Bundestrainer Klinsmann: "Wir waren sehr gut vorbereitet auf das Spiel und hatten großen Respekt vor dem schwedischen Sturmtrio."

Glück hatte die deutsche Mannschaft kurz nach der Pause: Bei den Schweden verschoss Henrik Larsson einen Elfmeter (53.). Die Skandinavier mussten mehr als eine Hälfte in Unterzahl spielen, da Verteidiger Teddy Lucic in der 34. Minute die Gelb-Rote-Karte gesehen hatte. In der Schlussphase fehlte der Mannschaft von Trainer Lars Lagerbäck die Kraft, das gegnerische Tor nochmal ernsthaft in Gefahr zu bringen. "Die zwei frühen Tore und der Platzverweis haben uns sicherlich geholfen, aber Schweden hat sich gut verkauft", so Klinsmann.

Vor allem in den ersten 30 Minuten ging die deutsche Mannschaft ein hohes Tempo, kombinierte fast nach Belieben und war meist souverän in den Zweikämpfen. "Wir haben sensationell gespielt und alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben", sagte DFB-Kapitän Michael Ballack: "Ich habe für das Viertelfinale keinen Wunschgegner. Argentinien ist im Moment der Favorit auf den Turniersieg, aber in unserer Verfassung brauchen wir uns vor keinem Gegner zu verstecken."

Beim 1:0 schlängelte sich Klose nach einem schönen Pass von Ballack durch zwei Schweden hindurch, scheiterte an Torhüter Andreas Isaksson, doch den Abpraller schoss Podolski abgebrüht ins Netz. Beim zweiten Treffer riss Klose die komplette schwedische Hintermannschaft auf, legte ab, sein Sturmpartner vollendete (12.). Zwölf Minuten, zwei Tore - schneller war eine deutsche Mannschaft bei einer WM noch nie in Führung gegangen. "Wir haben den Deutschen zwei leichte Tore geschenkt. Nach dem Platzverweis mussten wir mit zehn Mann gegen sie spielen, das ist immer sehr schwierig", klagte der schwedische Trainer Lagerbäck.

Für Podolski waren es die WM-Tore zwei und drei. Bei seiner Auswechslung in der 74. Minute wurde der Doppeltorschütze mit Sprechchören von den Fans in der Münchner WM-Arena gefeiert. Für ihn kam Oliver Neuville. "Die zwei frühen Tore haben uns Selbstvertrauen gegeben. Der Sieg war völlig verdient", sagte Podolski: " Alles ist möglich. Das war heute der erste Schritt, es sind aber noch drei zu machen", so der 21-Jährige.

Noch vor der Pause hätte die  deutsche Auswahl durchaus noch höher führen können, etwa nach einem Flachschuss von Ballack, den Schwedens Torwart Andreas Isaaksson gerade noch entschäfte (18.), oder einem Schuss von Klose, den der ausgezeichnete schwedische Torhüter mühsam parierte (31.). Erst danach, als Lucic vom Platz musste, geriet bei einem Schuss von Zlatan Ibrahimovic (40.) das deutsche Tor in Gefahr.

"Wir sind das Spiel konzentriert angegangen, hatten Respekt, aber keine Angst, denn wir spielen zu Hause. Wir wussten, wenn wir unser Spiel durchziehen, wird es Schweden schwer haben", sagte DFB-Stürmer Klose.

Nach dem verschossenen Elfmeter der Schweden nahm die deutsche Mannschaft auch angesichts der hohen Temperaturen ein wenig das Tempo aus dem Spiel. Bernd Schneider hätte trotzdem noch das 3:0 erzielen können, traf jedoch in der 84. Minute nur den Pfosten.

Deutschland - Schweden 2:0 (0:0)
1:0 Podolski (4.)
2:0 Podolski (12.)
Deutschland: 1 Lehmann - 3 Friedrich, 17 Mertesacker, 21 Metzelder, 16 Lahm - 19 Schneider, 8 Frings, 13 Ballack, 7 Schweinsteiger - 11 Klose, 20 Podolski. Trainer: Klinsmann
Schweden: 1 Isaksson - 7 Alexandersson, 3 Mellberg, 4 Lucic, 5 Edman - 6 Linderoth, 18 Jonson (52. Wilhelmsson), 16 Källström (39. Hansson), 9 Ljungberg - 10 Ibrahimovic, 11 Larsson. Trainer: Lagerbäck
Schiedsrichter: Simon (Brasilien)
Zuschauer: 66.000 (ausverkauft)
Gelbe Karte: Frings / Jonson, Allbäck
Gelb-Rote Karte: Lucic (34.)
Bes. Vorkommnis: Larsson schießt Foulelfmeter über das Tor (53.)

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