Hamburg - Lars Bender hat das Fernduell mit seinem Bruder Sven um die Deutsche Meisterschaft wieder spannend gemacht. Der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen schoss den Tabellenzweiten in der 77. Minute zum 2:1 (0:0)-Sieg gegen den FC St. Pauli. Damit hat Leverkusen fünf Spieltage vor Schluss nur noch fünf Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Dortmund, dem Club von Lars Benders Bruder Sven.
Die Gäste aus Hamburg waren durch Charles Takyi in Führung gegangen (58. Minute), doch Stefan Kießling glich aus (66.), ehe Bender das Spiel drehte. St. Pauli, das wegen des Becherwurfs in der Vorwoche gegen Schalke mit einem Geisterspiel bestraft wurde, kassierte bereits die siebte Niederlage in Folge und befindet sich mit 28 Punkten auf Tabellenplatz 17 in akuter Abstiegsgefahr.
"Ich bin sehr froh, dass wir das Spiel noch gedreht haben, das spricht für die Reife meiner Mannschaft", sagte Bayer-Coach Jupp Heynckes nach der Partie. "Man hat heute gesehen, dass Mannschaften, die sich im Abstiegskampf befinden, alles geben. Deshalb war es ungemein schwer für meine Mannschaft."
Keeper René Adler (Magen-Darm-Virus) stand den Gastgebern nicht zur Verfügung, was allerdings zunächst nicht weiter auffiel: St. Pauli schaffte es in der ersten Hälfte sowieso selten in die Nähe des Leverkusener Tores, das aushilfsweise von Fabian Giefer gehütet wurde. Die einzige Chance der Hamburger in der Anfangsphase vergab Matthias Lehmann (6.).
Asamoah lauert, Pliquett faustet, Bender trifft
Leverkusen hatte zwar deutlich mehr Ballbesitz, spielte aber nur bis etwa 30 Meter vor dem Gäste-Tor präzise. Die Abwehr des FC St. Pauli stand sicher. Nur bei Standardsituationen fehlte die Ordnung - zum Beispiel bei einer Großchance von Michael Ballack (12.), der kurz darauf auch noch eine gute Kopfballmöglichkeit hatte. Marcel Eger klärte jedoch einen Meter vor der Linie (19.).
Die Hamburger Defensive hielt den Angriffen auch in den Folgeminuten stand, vorne wartete Gerald Asamoah als einzige Spitze auf die zahlreichen Befreiungsschläge. Geordnetes Spiel zeigte St. Pauli ganz selten, Leverkusen schaffte es aber auch nicht, den Gegner richtig unter Druck zu setzen. Arturo Vidal allerdings hätte in der 38. Minute aus sechs Metern nur seinen Fuß richtig hinhalten müssen, um das 1:0 zu erzielen.
Nach der Pause kamen die Gäste besser ins Spiel, Simon Rolfes rettete in letzter Sekunde gegen Deniz Nakis Direktschuss (53.). In der 58. Minute sorgte der bis dahin beste St. Pauli-Angriff für die Führung: Takyi ließ nach Flanke von Fabian Boll Adler-Ersatz Giefer aus kurzer Distanz keine Chance. Der Torschütze hatte den Treffer mit einem öffnenden Pass auf Boll selbst eingeleitet.
Doch nur sieben Minuten später gelang Kießling bereits der Ausgleich. Der kurz zuvor eingewechselte Angreifer Eren Derdiyok wartete, bis Hamburgs Keeper Benedikt Pliquett aus dem Tor eilte, dann legte Derdiyok quer zu Kießling, der den Ball trotz Bedrängnis versenkte.
Ballack verpasste mit einem Distanzschuss nur knapp die Führung für Leverkusen (74.), einen wuchtigen Freistoß des Nationalspielers im Wartestand konnte Pliquett nur unkontrolliert wegfausten, doch es kam kein Bayer-Spieler zum Nachschuss. Schlecht sah der Torhüter dann beim 1:2 aus: Nach Pass von Sidney Sam behauptete sich Bender im Zweikampf mit Markus Thorandt, den anschließenden Schuss aufs kurze Eck ließ Pliquett unter dem Körper ins Tor rutschen.
Bayer Leverkusen - FC St. Pauli 2:1 (0:0)
0:1 Takyi (58.)
1:1 Kießling (66.)
2:1 Lars Bender (77.)
Leverkusen: Giefer - Balitsch (46. Castro), Schwaab, Reinartz, Kadlec (60. Derdiyok) - Vidal, Rolfes - Sam, Ballack, Barnetta (68. Lars Bender) - Kießling
St. Pauli: Pliquett - Lechner, Thorandt, Eger, Gunesch - Boll (79. Sukuta-Pasu), Lehmann - Bruns (72. Daube), Takyi (84. Ebbers), Naki - Asamoah
Schiedsrichter: Drees
Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Schwaab (3) - Asamoah (3), Takyi (3), Lehmann (7)
luk/sid
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