Sieg über Cottbus: Duisburg zittert sich ins Pokalfinale

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Der erste Teilnehmer des DFB-Pokalendspiels steht fest: Duisburg besiegte im Duell der Zweitligisten Energie Cottbus und darf vom Europapokal träumen. Der MSV war über weite Strecken der Partie klar überlegen - und musste dennoch ums Finale bangen.

Pokalhalbfinale Duisburg vs. Cottbus: Per Doppelkopf zum Führungstor Fotos
dapd

Hamburg - Vier Tore, jede Menge Chancen: Es war ein klasse Fußballspiel, das die Zuschauer in der Duisburger Arena zwischen dem gastgebenden MSV und Energie Cottbus zu sehen bekamen - im vergangenen November. So rassig die Zweitligapartie beider Clubs am 13. Spieltag gewesen war, so lahm war das Duell zwischen Duisburg und Cottbus über weite Strecken im Halbfinale des DFB-Pokals, das der MSV durch ein kurioses Gesichts-Tor von Stefan Maierhofer (24. Minute) und einen von Srdjan Baljak (54.) erfolgreich abgeschlossenen Konter 2:1 (1:0) gewann. Nils Petersen konnte für Energie per Foulelfmeter (78.) nur noch verkürzen.

Duisburg trifft im Finale am 21. Mai im Berliner Olympiastadion nun auf den Sieger der Partie FC Bayern gegen Schalke 04, die am Mittwoch (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in München stattfindet. Und Duisburg wird wohl dem FCB die Daumen drücken. Denn nur wenn die Bayern im Finale stehen, ist dem MSV die Teilnahme an der Europa League auch im Falle einer Endspielniederlage so gut wie sicher.

"Eine geile Kulisse, ein geiles Spiel, und die Duisburger fahren nach Berlin", fasste Maierhofer die 90 Minuten zusammen. Eine Partie, in der der Österreicher und sein Team in den ersten 20 Minuten vor 31.500 Zuschauern in der ausverkauften Duisburger Arena dominant waren, ihre Überlegenheit aber nicht zu Toren geschweige denn Chancen nutzen konnten. Zu konzeptlos agierte der MSV in der Offensive. Immer wieder war ein Cottbuser früher am Ball und konnte die Situation klären, wie etwa Jiayi Shao (1.) oder Daniel Ziebig (4.). Auf der anderen Seite traf Ivica Banovic im Duisburger Strafraum Shao. Die Gäste forderten Elfmeter, doch Schiedsrichter Michael Weiner pfiff nicht.

"In so einem Spiel sind die Schiedsrichter-Entscheidungen besonders wichtig", sagte Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz nach dem Schlusspfiff: "Es ist einfach schade, dass der Schiedsrichter in der Szene mit Shao nicht auf Elfmeter entschieden hat. Wenn wir den kriegen, nimmt das Spiel einen ganz anderen Verlauf, dann können wir ganz anders spielen."

Duisburg-Stürmer Maierhofer trifft per Gesicht zum MSV-Führung

In der 24. Minute trugen die überlegenen Duisburger erneut einen Angriff zu ungenau vor, Energie hätte in Ruhe klären können - doch der Rettungsversuch ging komplett daneben. Nach Flanke von Olcay Sahan in den Cottbuser Strafraum wollte Uwe Hünemeier per Kopf klären. Doch der Energie-Verteidiger köpfte MSV-Stürmer Stefan Maierhofer direkt ins Gesicht, von wo der Ball aus kurzer Distanz ins Cottbuser Tor sprang. Gäste-Torwart Thorsten Kirschbaum war chancenlos.

Es war der einzige Höhepunkt einer ansonsten schwachen ersten Halbzeit, in der Duisburg bemüht und Cottbus schlecht war. Daher war die Pausenführung des MSV verdient, wenn sie auch glücklich zu Stande gekommen war.

Weniger glücklich sondern vielmehr gekonnt war kurz nach dem Seitenwechsel das zweite Tor der Duisburger. Nachdem Cottbus den Druck erhöht hatte, trug Banovic über die rechte MSV-Seite einen mustergültigen Konter vor. Er gewann das Laufduell gegen Hünemeier und passte nach innen zu Baljak, der nur noch einzuschieben brauchte.

Cottbus hatte dem MSV nun nicht mehr entgegen zu setzen, im Gegenteil: Die Gastgeber hatten durch Bruno Soares (59.), Maierhofer (69.) und Sahan (71.) weitere gute Möglichkeiten. Doch das Tor machte Cottbus. Nach einem Foul von Duisburgs Verteidiger Soares an Jules Reimerink entschied Schiedsrichter Weiner auf Elfmeter und zeigte dem Brasilianer die Rote Karte. Den Strafstoß verwandelte Petersen sicher.

Nun war endlich Spannung in der Partie, nun kam so etwas wie Pokal-Flair auf. Auch, weil Duisburg plötzlich hektisch agierte und das Spiel ohne Not aus der Hand gab. In der 90. Minute klärte MSV-Abwehrspieler Olivier Veigneau einen Hünemeier-Kopfball auf der Linie, anschließend traf Shao nur den Pfosten. Und in der zweiten Minute der Nachspielzeit rettete Duisburgs Torwart David Yelldell gegen Shao.

"Wir haben einen Traum wahr gemacht. Das können wir genießen. Wer morgen unser Gegner wird, ist heute zweitrangig", sagte Duisburgs Trainer Milan Sasic, der von seinen Spielern eine Bierdusche verpasst bekam. Erstmals seit 1998 steht der MSV wieder im Pokalfinale. Damals verlor der Club 1:2 - gegen den FC Bayern.

MSV Duisburg - Energie Cottbus 2:1 (1:0)
1:0 Maierhofer (24.)
2:0 Baljak (54.)
2:1 Petersen (78.)
Duisburg: Yelldell - Benjamin Kern, Bruno Soares, Bajic, Veigneau - Sukalo, Banovic - Sahan, Trojan (79. Reiche), Baljak (90.+1 Yilmaz) - Maierhofer (89. Schäffler)
Cottbus: Kirschbaum - Bittroff (73. Roger), Hünemeier, Brzenska, Ziebig - Kruska, Kurth (46. Reimerink) - Shao, Adlung (66. Kronaveter) - Petersen, Jula
Schiedsrichter: Weiner
Zuschauer: 31.500 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Sukalo, Trojan, Yilmaz (2) - Kruska (2), Kronaveter, Shao
Rote Karte: Bruno Soares (Duisburg, 77.) nach einer Notbremse

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1. Ein echter Pokalfight, wenn das Zweite Halbfinale annähernd so gut wird
Koltschak 01.03.2011
Ein wirklicher Pokalkrimi mit einer völlig überzogenen Roten Karte gegen den MSV. Mein Tipp hat nicht gestimmt. Macht aber nichts, das Spiel war einfach kriminell spannend. Es macht Spaß auf Bayern gegen Schalke. Das habe ich ehrlicherweise Duisburg nicht zugetraut! Ich zolle höchsten Respekt an den MSV!
2. .
hopper77 02.03.2011
Bis zur Roten Karte eine einseitige Angelegenheit. Von daher ist der Einzug ins Finale trotz der aufregenden Schlussminuten völlig verdient.
3. 4 Tore?
kugelsicher99 02.03.2011
4 Tore bei einem 2:1? Hab ich was verpasst? (allerdings habe ich nur Ausschnitte gesehen)
4. Naja...
zufinden 02.03.2011
Es ist imemr so eine Sache mit den Bewertungen. Wenn im Artikel zur 1.HZ steht: "klar überlegene Duisburger" und zwei Zeilen später steht, dass Duisburg in HZ1 sich keine einzige Chance erarbeitet hat, dann weiß ich nicht, was man davon halten soll... Es ist wohl eher so, wie es anderswo zur 1.HZ geschrieben stand: MSV bemüht und mit mehr Laufbereitschaft und Energie nervös und ängstlich, in den Strafräumern ist fast nichts passiert. Das Tor, war dann folgerichtig ein MSV-Konter im eigenen Stadion mit einer tollen Kombination zwischen Hühnemeier (Energie) und Maierhofer (MSV)... ;-) Der Ablauf der 2.HZ war dann die logische Folge des Ergebnisses aus der 1.HZ: MSV stand hinten drin und hat gekontert: ca.4 ein halb mal in 45 Minuten - (Überlegenheit sieht wohl anders aus) wobei aber einer saß. Interessant wurde es dann aber nochmal zum Schluss, als MSV aufgrund des Tempos der ersten Halbzeit läuferisch nicht mehr mithalten konnte, die Offensive durch Wechsel schwächte, Energie jedoch durch Wechsel auf konsequente Offensive setzte und sich Chancen erarbeitete. Eine hundertprozentige Torchance konnte duchr MSV nur durch Foul (mit anschließender roter Karte) vereitelt werden, was aber nichts nützte, da der Elfmeter saß. Was danach folgte war auch folgerichtig: Es hagelte Torchancen durch Energie und MSV hatte das nötige Glück. Ganz ehrlich, hätte Energie den Elfmeter nach 10 Minuten zugesprochen bekommen oder wäre ihnen das 2.Tor anerkannt worden, spricht viel dafür, dass die Bewertung andersherum ausgefallen wäre... ;-) Vielleicht sollte man sich als Journalist mal klar machen: im Fussballspiel geht es nicht um "verdientes" oder "unverdientes" Gewinnen oder Verlieren, es geht nur ums Gewinnen oder Verlieren. Und deshalb ist der Austausch über Spielsysteme, oder das Besprechen von "Hätte", "Wenn" und "Aber" sehr interessant, und die Wertung eines Journalisten dagegen oft nicht hilfreich. Eventuell kann man ja noch verstehen, wenn Journalisten einen Skandal "erschreiben" wollen und von einem "unverdienten" Sieg schreiben, aber es macht keinen Sinn, jemandem einen "verdienten" Sieg anzudichten, wem dient das? Wohl nur einem bestimmten Ego, oder? ;-)
5. Traurig
LiesmalnBuch 02.03.2011
@ zufinden Hier geht es wohl eher darum, ob man die charakterliche Größe hat, eine so schmerzhafte Niederlage objektiv beurteilen zu können und als fairer Sportsmann abzuhaken. Ich hab auch 2 Augen im Kopf. Duisburg hat 80 Minuten das Spiel gemacht und Cottbus hatte am Ende starke 10 Minuten. Das wars. Sich hier derart als schlechter Verlierer zu produzieren, wirft nicht unbedingt ein gutes Licht auf die Cottbuser Fan-Szene (die ja eh schon nicht den besten Ruf hat...).
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