Skandal gegen Münster Osnabrücks Merkens rächt sich für Knöchelbruch

Seit einem harten Foul gegen ihn kann der Osnabrücker Profi Merkens nicht mehr spielen. Beim Drittliga-Derby gegen Münster rächte er sich jetzt: Er stürmte auf den Platz und riss Amaury Bischoff zu Boden.

DPA

Die Schlussminuten im Spiel zwischen dem VfL Osnabrück und Preußen Münster hatten es in sich: In der 90. Minute traf Osnabrücks Tobias Willers ins eigene Tor, der Gast aus Münster führte 2:1. Nur zwei Minuten später sorgte Halil Savran mit seinem Treffer für den Ausgleich. Soweit das Sportliche, Osnabrück jubelte über einen Punkt gegen seinen Erzrivalen. Doch ein Zuschauer rastete anschließend aus.

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Bastian Dankert und im Jubel der Osnabrücker stürmte ein Mann in Zivil aufs Spielfeld, rannte auf Münsters Amaury Bischoff zu, schubste ihn und riss ihn zu Boden. Doch es war nicht irgendein Zuschauer. Die Polizeibeamten, die den Täter stoppten, stellten fest: Es war Tom Merkens, ein Profi des VfL. Der Grund für die Attacke: Ein Foulspiel vor fast zwei Jahren.

Es war der 1. März 2014. Bischoff hatte Merkens durch ein brutales Foulspiel den Knöchel gebrochen. Der Spieler von Münster sah die Rote Karte, entschuldigte sich später bei Merkens. Aber die Verletzung wog schwer, der gebrochene Knöchel musste zweimal operiert werden. Bis heute konnte der 25-jährige Merkens nur zwei Kurzeinsätze bestreiten, er bangt um seine Karriere. Die späte Rache gegen Bischoff wird von seinem Verein verurteilt.

"Spieler, die nicht im Kader stehen, haben auf dem Platz nichts verloren", sagte VfL-Trainer Joe Enochs nach dem Platzsturm von Merkens. Der Präsident des Klubs, Hermann Queckenstedt, entschuldigte sich persönlich bei Bischoff. "Auch wenn es eine Vorgeschichte gibt, so etwas wie heute darf es auf keinen Fall geben", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Die Partie zuvor verlief emotional: Bei der 1:0-Führung hielten die Osnabrücker das Trikot ihres verletzten Mitspielers Merkens hoch. Das Publikum pfiff dafür den 28-Jährigen Bischoff bei jedem Ballkontakt aus, zudem waren wegen Ausschreitungen beim vergangenen Derby nur 9000 Zuschauer und keine Gästefans zugelassen. Nach dem Feuerzeugwurf im DFB-Pokal gegen RB Leipzig muss der VfL womöglich erneut harte Konsequenzen fürchten. Schiedsrichter Dankert vermerkte den Vorfall in seinem Bericht.

Immerhin: Auf eine Strafanzeige gegen Merkens möchte Bischoff verzichten. Er sagte nach der Partie: "Ich hoffe nur, er wird sich bei mir dafür persönlich entschuldigen, so wie ich es vor zwei Jahren mehrfach bei ihm getan habe."

jan



insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
Emmi 24.09.2015
1. Bei manchen Fouls....
Bei manchen Fouls wird eindeutig die Grenze zur Körperverletzung überschritten. Das hat mit Zweikampfhärte nix zu tun, wenn Beine brechen etc. Da kann man auch ruhig mal vor Gericht ziehen...
Nonvaio01 24.09.2015
2. richtig so
volles verstaendiss, da wird einer berufsunfaehig und das mit absicht, und der taeter laeuft frei rum und muss nichts fuerchten. Nur im Fussball darf man jemandem zum invaliden treten und muss nichts befuerchten.
schorri 24.09.2015
3. Wie bitte?
Da hat der Herr Bischoff wohl eine veritable Realitätsverschiebung. So einen Pipifax, wie er ihm passiert ist, mit einem brutalen Foul, das er begangen hat samt drohendem Karriereende zu vergleichen. Ja, das darf Merkens nicht tun. Aber Bischoff soll in dieser Sache bitte schön den Rand halten und sich nicht als gleichartiges Opfer stilisieren.
Peter Eckes 24.09.2015
4. .
Der Mann ist verbittert, was will man dazu sagen. In solch einer Situation würde viele ähnlich handeln.
feyvel 24.09.2015
5. Völlig legitim
Für so ein brutales Foul, dass ich übrigens auch live gesehen habe, hat der Münsteraner eine Haftstrafe wegen schwerer Körperverletzung und ein lebenslanges Berufsverbot verdient.
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