Skandal um Schiedsrichter Hoyzer Fünf weitere Partien unter Manipulationsverdacht

Der DFB-Kontrollausschuss wird neben dem offenbar verschobenen Pokalspiel zwischen Paderborn und dem Hamburger SV fünf weitere Begegnungen der Zweiten und Dritten Liga untersuchen. Möglicherweise kommt es sogar zu Wiederholungen der Partien, die Schiedsrichter Robert Hoyzer manipuliert haben könnte.


Kölner Torschütze Podolski (l.): Ging beim 2:2 gegen Essen alles korrekt zu?
DPA

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Frankfurt am Main - Die weiteren Begegnungen, die nun genauer untersucht werden, sind die Zweitligaspiele Rot-Weiß Essen gegen 1. FC Köln (2:2), LR Ahlen gegen Wacker Burghausen (1:0) sowie die Regionalligapartien SC Paderborn gegen Chemnitzer FC (4:0), Eintracht Braunschweig gegen FC St. Pauli (3:2) und Wuppertaler SV gegen Werder Bremen (A/1:0).

Am Samstag war gegen den Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer ein Manipulationsverdacht erhoben worden, weil er auf das DFB-Pokalspiel SC Paderborn gegen Hamburger SV (4:2), das unter seiner Leitung stand und bei dem er sonderbare Entscheidungen fällte, Wetten platziert haben soll.

Das Zweitligaspiel Essen gegen Köln stand zwar nicht unter Hoyzers Leitung, sondern des Berliners Manuel Gräfe. Dennoch hätten sich Verdachtsmomente ergeben, dass Hoyzer eine Manipulation auch dieser Partie versucht habe, teilte der DFB heute mit. "Wenn die Ergebnisse der Anhörung bestätigt werden, liegt ein krimineller Akt vor. Dann ist das Betrug", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Skandal in Paderborn: Referee Hoyzer (r.) soll den HSV absichtlich benachteiligt haben
DPA

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Der DFB machte klar, dass es im DFB-Pokal und bei Partien bereits beendeter Meisterschaftsspielzeiten zu keinen Spielwiederholungen kommen könne. Bei Zweitliga- und Regionalligaspielen dieser Saison sei dies allerdings möglich, sofern Manipulationen bewiesen werden könnten. Davon betroffen wären die Partien Ahlen gegen Burghausen und Essen gegen Köln.

"Der Vorgang stellt eine Belastung für den gesamten deutschen Fußball dar", erklärte Zwanzigers Kollege Gerhard Mayer-Vorfelder, warnte aber vor einer Vorverurteilung Hoyzers: "Es besteht ein Verdacht, aber es gibt noch keinen Nachweis." Daher wird der Kontrollausschuss weiter ermitteln, nach Aussage von Chef-Ankläger Horst Hilpert mindestens bis zum Ende der Woche.

Mayer-Vorfelder kündigte die Bildung einer Kommission an, bestehend aus Mitgliedern des Präsidiums, des Schiedsrichter-Ausschusses und der verschiedenen Wettorganisationen. Dieser Ausschuss soll über die Möglichkeit eines Wettverbots für Spieler, Trainer, Funktionäre und Schiedsrichter beratschlagen.

Unabhängig von den DFB-Untersuchungen kündigte die Braunschweiger Staatsanwaltschaft heute Vorermittlungen gegen den in Salzgitter lebenden Hoyzer an. "Nach den Medienberichten prüfen wir, ob es einen Anfangsverdacht für eine Straftat gibt", sagte ein Sprecher der Behörde.



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